Zwei friedliche Kundgebungen im Plauener Stadtzentrum

Plauen.

Bei einer Kundgebung gegen die Einschränkung von Grundrechten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist am Samstagnachmittag am Wendedenkmal in Plauen die Gründung einer Bürgerinitiative "Querdenker 2020" bekanntgegeben worden. Als Ziele nennen die Initiatoren unter anderem "eine demokratische Gesellschaftsordnung mit Volksentscheiden auf allen Ebenen, die jedem Menschen die gleichen Chancen eröffnet, den freien Willen achtet, niemanden diskriminiert, die persönliche Unversehrtheit und Würde jedes Menschen sowie die Meinungsfreiheit gewährleistet und die Natur als Teil von uns achtet" sowie "letztlich eine Verfassung für Deutschland nach Artikel 146 des Grundgesetzes, die aus den Erfahrungen der Covid-19-Pandemie ihre Lehren zieht". Der erwähnte Artikel 146 sieht die Ablösung des Grundgesetzes durch eine neue Verfassung vor.

An der Kundgebung nahmen Polizeiangaben zufolge bis zu 150 Menschen teil. In Redebeiträgen wurde Kritik an der Pflicht zum Tragen eines Mund- und Nasenschutzes in Läden und öffentlichen Verkehrsmitteln geübt. Aerosole seien so nicht aufzuhalten. Wenn jemand erkältet sei, könne man das nachvollziehen - um andere zu schützen, sonst aber nicht. Eine Rednerin rief die Versammelten auf, sich ohne den derzeit vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz in die Geschäfte zu trauen. Junge und gesunde Menschen ohne Vorerkrankungen würden wegen Corona auf der Straße nicht einfach tot umfallen.

Gegen Ende der Veranstaltung wandte sich ein junger Mann an die auf der anderen Straßenseite mit Transparenten stehenden Mitglieder der Linksjugend und der Grünen. Man solle sich nicht spalten lassen. US-Präsident Donald Trump sei kein Rassist. Er habe die Rechte der Ureinwohner Amerikas gestärkt. Auch müssten sich die Menschen dagegen wehren, dass sie "nach Geburt als Handelsware an der New Yorker Börse eingetragen" würden. Zum Abschluss wurde das Lied "Die Gedanken sind frei" gesungen.

Die Linksjugend und Mitglieder der Partei Bündnis 90/Die Grünen sowie von Demokratie-Initiativen standen auf der anderen Straßenseite neben dem Nonnenturm und hielten mit einer Menschenkette aus rund 30 Personen Plakate mit den Aufschriften "Antifa ist kein Verbrechen. Lasst uns den Rassismus brechen!", "In diesem Land darf jeder sagen, was er denkt, auch wenn manche Menschen das Denken überspringen.", sowie eine Fahne mit Regenbogenfarben.

Beide Versammlungen verliefen Polizeiangaben zufolge ohne Zwischenfälle. Vereinzelt kam es zu Gesprächen und mündlichen Provokationen zwischen den Lagern sowie einer Rangelei, als drei Teilnehmer der "Querdenker"-Kundgebung einem Passanten das Handy wegnehmen wollten. Er hatte die Versammlung gefilmt. Die vom Einsatzzug Zwickau unterstützte Plauener Polizei nahm die Personalien der Beteiligten auf. Beobachtern zufolge waren die drei jungen Männer sowie mindestens eine Rednerin der "Querdenker"-Kundgebung dem Umfeld der in Plauen aktiven rechtsextremistischen Kleinpartei Der Dritte Weg zuzuordnen. Sie steht wegen verfassungsfeindlicher Bestrebungen unter behördlicher Beobachtung. (pa/us)

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.