Zwei Männer wollen DDR-Leuchtreklame für Plauener Spitze retten

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Peter Albig und Eberhard Eisel haben eine Initiative für den Erhalt und die Wiederaufstellung des bekannten Plauener Spitze-Signets ins Leben gerufen. Geht es nach ihnen, erstrahlen die Metallbuchstaben sehr bald.

Plauen.

Zwei Plauener machen sich für den Erhalt und die Wiederaufstellung des einst berühmten Leuchtschriftzugs "Plauener Spitze - bekannt auf dem Weltmarkt" stark. Seit gut einem Jahr setzen der Diplom-Ingenieur Peter Albig (80) und sein früherer Kollege, Diplom-Architekt Eberhard Eisel (85), alle Hebel in Bewegung - mit bisher bereits beachtlichem Erfolg. Es liegen zum Beispiel Preisangebote von Firmen und eine statische Machbarkeitsstudie vor.

"Wenn es nach uns geht, könnte man loslegen. Es ist eigentlich alles geklärt, sogar der Standort", so Albig. In den 1970ern war er Bauleiter vor Ort, als die überdimensionalen Metallbuchstaben auf dem Dach des Verwaltungsbaus des Textilbetriebes den VEB Plauener Spitze in der Dürerstraße aufgebracht wurden. Doch es gibt ein Problem. Denn die beiden betagten Männer hatten die Idee der Schriftrettung nicht allein.

Auch Plauens Spitzen-Urgestein und SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch, Altbausanierer Frank Müller und Andreas Stephan von der Maler GmbH überlegten seit geraumer Zeit, wie es weitergehen könnte mit der Traditions-Reklame. Nach einem Bericht in der "Freien Presse" im Mai 2020 zur Idee, die Buchstaben auf einem Haus an der Friedensstraße zu befestigen, legte das Duo Albig/Eisel allerdings richtig los. Denn ihrer Meinung nach stimmte dort weder die Statik noch die Werbewirksamkeit. "Die anderen Akteure haben wohl kein richtiges Interesse mehr, zumindest nicht, was die Werbewirksamkeit für Plauen und die Reduzierung des Kostenaufwands betrifft", vermutet Albig.

Der Jößnitzer war als Bauleiter auch mitverantwortlich für die Entstehung des Oberen Bahnhofs. Eisel wiederum hat dieses Gebäude und dessen Umgebung täglich vor Augen, wenn er über die Brüstung seiner Dachterrasse auf einem der Punkthochhäuser blickt. Vor über 40 Jahren hatte er das Bahnhofshauptgebäude mitprojektiert. Die städtische Grünfläche davor ist für die befreundeten Männer der perfekte Standort.

Was ihrer Meinung nach dafür spricht? Der Publikumsverkehr der Straßenbahn- und Zugfahrer sowie die hohe Frequenz der vorbeiführenden Straßen. Vandalismus befürchten sie indes nicht, denn die Grünfläche sei hell erleuchtet und quasi nebenan hat die Bundespolizei ein Quartier. Das Vorhaben, die Buchstaben erneut auf ein Dach zu bringen, haben Albig und Eisel schon länger ad acta gelegt. Ursprünglich hatten sie einen der Elfgeschosser an der Tischendorfstraße im Blick und die Plauener Wohnungsbaugesellschaft mit im Boot. Doch der Wind wäre da oben zu stark gewesen.

Wie Albig weiß, sei die bekannte Leuchtschrift zu DDR-Zeiten direkt für den Spitzen-Betrieb entwickelt worden. Entfernt wurden die Riesenletter von dort erst im Oktober 2012. Seither fristen sie ein eher unschönes Dasein durch nicht fachgerechte Einlagerung, wie Ingenieur Albig mit eigenen Augen habe sehen müssen. "Im Grunde ist das jetzt Schrott", so Albig. Die Konsequenz: Die Rekonstruierung könnte extrem aufwendig werden und viel teurer als ursprünglich angenommen.

"Was hindert uns, eine neue Schrift natürlich originalgetreu nach dem Vorbild, anfertigen zu lassen", nennt er eine finanziell machbare Alternative. Außerdem entfalle auf diese Art der Denkmalschutz der verzinkten Stahlblechbuchstaben. Jener würde zum Beispiel eine Rolle spielen bei der Wahl der Leuchtkörper. Früher seien es Röhren gewesen. Heute könnten sparsame LEDs eingesetzt werden. Als Kompromiss, so Albig, könne das von Künstler Klaus Helbig entworfene stilisierte Blumen-P erhalten bleiben. Auf diese Art könnten Denkmalspflege und neue Technik in Einklang gebracht werden, sagt Albig.

Was die Stadtverwaltung zum Konzept der beiden Plauener sagt, wissen diese nicht. Zwar hätten sie die Unterlagen bereits im Dezember im Rathaus eingereicht und von einigen Mitarbeitern auch lobende Worte gehört. Ein halbes Jahr lang habe Stillschweigen geherrscht. Zur jüngsten Beratung, wie's weitergehen soll mit der 34 Meter langen Schrift, seien sie aber gar nicht erst eingeladen gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.