Physiotherapeutin macht sich Sorgen um die Zukunft

Die Krise und ich: Menschen aus Westsachsen berichten, wie sie der Corona-Krise begegnen. Diesmal: Physiotherapeutin Silke Friedl aus Glauchau

Glauchau.

Silke Friedl (47) telefoniert derzeit mehr als sie behandelt. Sie hat seit fast 26 Jahren eine Physiotherapie-Praxis im Ärztehaus in Glauchau und Außenstellen in der Glauchauer Sachsenallee sowie in Remse. "Eigentlich haben wir immer volle Terminkalender, oft ist es schwer, Patienten mit akuten Beschwerden und Rezept zeitnah zu behandeln. Doch mit der Corona-Krise ist alles anders", sagt die Physiotherapeutin, die 14 Mitarbeiter beschäftigt. "In Pflegeheime dürfen wir schon seit 14 Tagen nicht mehr. Hausbesuche sowie verordnete Behandlungen sind weiter erlaubt. Wir sorgen dafür, dass Patienten in den Wartezimmern den nötigen Abstand halten und tun alles, um sie und uns selbst zu schützen. So tragen wir beispielsweise Handschuhe und Mundschutz."

Doch viele Patienten seien verunsichert und würden Termine absagen. "Dafür haben wir Verständnis. Allerdings bringt das unsere ganze Planung durcheinander. Oft ist es schwer, die Behandlungen bei jenen, die weiterhin kommen, zu koordinieren. Dazu sind wir mit ihnen ständig im telefonischen Kontakt. Silke Friedl berichtet, dass es ja nicht um Wellness, sondern um medizinisch notwendige Behandlungen wie beispielsweise Krankengymnastik oder Lymphdrainage nach Knie- oder Hüftoperationen gehe. Auch die Arbeit mit Patienten im Bereich der Neurologie, beispielsweise nach einem Schlaganfall, sei wichtig.

"So lange wir können und dürfen sind wir für unsere Patienten da", versichert die Glauchauerin. Da aber immer weniger kommen und sie nicht weiß, wie lange die Krise dauert, macht sie sich Sorgen um die Zukunft. Sie werde Mitarbeiter ab April in die Kurzarbeit schicken müssen. "Und wie wahrscheinlich alle Selbstständigen habe ich Existenzängste. Auch noch so günstige Kredite sind in Zeiten, da wir keine Einnahmen, aber Kosten haben, keine Lösung. Ich hoffe, dass der Staat wirksam hilft, um die Infrastruktur im Gesundheitswesen in der Zeit der Krise und danach zu erhalten", sagt Silke Friedl. (vim)


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