Mittelstreichung droht: Kinderschutzbund Zwickau kämpft um Existenz

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises entscheidet am 29. Januar über die Förderung des Kinder- und Jugendtelefons.

Zwickau.

Für den Kinderschutzbund Zwickau könnte der 29. Januar zum Schicksalstag werden. An diesem Tag entscheidet der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Zwickau über die von der Kreisverwaltung vorgeschlagene Streichung der kompletten Fördermittel für das Kinder- und Jugendtelefon. Mit den 45.000 Euro würden dem Verein nach Angaben der Koordinatorin Katja Heyn etwa die Hälfte der Einnahmen wegbrechen. Das würde nicht nur das Aus für das Kummertelefon bedeuten, sondern auch die Existenz des Vereins bedrohen. Die Zahlung der Miete wäre gefährdet, und die Dozenten, die die Berater ausbilden, könnten nicht mehr bezahlt werden. Dabei hat der Verein nur durch Zufall von den Sparplänen erfahren. Keiner aus dem Landratsamt habe das Gespräch mit der Vereinsführung gesucht. "Das kam für uns ohne jede Vorwarnung", sagte Heyn.

Zudem, so die Leitende Koordinatorin Sandra Becker, enthalte die Begründung der Mittelstreichung, die dem Ausschuss vorgelegt wird, inhaltliche Fehler. Darin heißt es: "Das Leistungsangebot steht auch ohne Fördermittel des Landkreises zur Verfügung". Das deutschlandweite Hilfsangebot werde unter anderem vom Bundesfamilienministerium finanziert. Eine solche Förderung habe der Verein aber noch nie bekommen, so Becker. Beim Kinder- und Jugendtelefon handele es sich nicht um ein bundesweites Angebot, sondern um ein Netzwerk. In Sachsen bestehe dieses aus sieben Telefonen, gefördert von der kommunalen Ebene und ohne den Einsatz von Bundesmitteln.

Die Bundestagsabgeordnete und Kreisrätin Sabine Zimmermann (Die Linke) forderte eine Rücknahme der Beschlussvorlage. "Dass Kinder und Jugendliche für die verfehlte Haushaltspolitik des Landrates büßen sollen, ist vollkommen inakzeptabel", sagte sie. Landrat Christoph Scheurer (CDU) dementierte am Montag auf Anfrage einen Zusammenhang zwischen der Kürzung beim Kinderschutzbund und dem mehrheitlichen Nein des Kreistages zur Anhebung der Kreisumlage, das zu weniger Einnahmen als geplant für den Landkreis führt. "Der Landkreis hat im Haushalt zur Förderung der Jugendhilfe 250.000 Euro mehr eingestellt", sagte Pressesprecherin Ilona Schilk. Diese Aufstockung sei allerdings nicht ausreichend, um allen Anträgen gerecht zu werden. "Einsparungen bleiben unausweichlich".

Im Jahr 2019 wurden, neben ungezählten Kontaktaufnahmen, knapp 900 Beratungsgespräche am Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbundes Zwickau geführt. "Da 2020 die Beratungszeiten durch 15 Berater sogar vollständig abgedeckt werden können, rechnen wir in diesem Jahr mit über 2000 Beratungen", sagte Katja Heyn. Wenn die Finanzierung nicht gestrichen wird.
 

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Leserteam
    20.01.2020

    Armes, reiches Deutschland. Die meisten Erwerbstätigen zahlen fast den Spitzensteuersatz. Der Finanzminister schwimmt in unserer Kohle. Und hier geht's um Peanuts. Aber auch um unsere Kinder. Also sollten die Verantwortlichen ihren Hintern hochkriegen, damit das Projekt nicht stirbt.