Das Vermächtnis des Architekten

Der in Siegmar geborene Frei Otto war einer der bedeutendsten Baumeister des 20. Jahrhunderts. Ein neues Buch würdigt den Mann, der so wenig wie möglich bauen wollte.

Kapellenberg.

"Wir bauen zu viele Häuser. Wir verschwenden Raum, Land, Masse und Energie. Wir zerstören Natur und Kulturen." Frei Otto, geboren am 31.Mai 1925 in Chemnitz-Siegmar, wo er auch bis zu seinem zwölften Lebensjahr wohnte, gestorben am 9. März 2015 in Warmbronn, war ein Architekt, der so wenig wie möglich bauen wollte. Nicht immer zur Freude seiner Mitarbeiter, wie Frei Ottos Tochter Christine Otto-Kanstinger am Donnerstagabend im Hotel Chemnitzer Hof bei der Präsentation eines Buches mit den letzten Interviews ihres Vaters erinnerte.

Das von der Dr. Sternkopf Media Group großformatig und originell gestaltete, opulent bebilderte Buch enthält Gespräche Frei Ottos, die er 2011 bis 2013 mit dem Chemnitzer Professor Reinhard Erfurth führte, kommentiert von Christine Otto-Kanstinger. Das Buch entstand als Kooperationsprojekt zwischen dem Industrieverein und dem Chemnitzer Verlag und ist das Vermächtnis des Architekten. Knapp 100 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Kultur der Stadt verfolgten die Buchpremiere, zu der auch Frei Ottos Witwe Ingrid gekommen war.

Zeltartige Dachkonstruktionen gehören zu den berühmtesten Bauwerken Frei Ottos. Bekannt ist unter anderem das Dach über dem Münchener Olympiagelände. Frei Otto habe, so seine Tochter Christine Otto-Kanstinger, die selbst lange mit ihrem Vater zusammenarbeitete, "nicht für die Ewigkeit, sondern für lebende Menschen" bauen wollen. Seine Bauten sollten "anpassungsfähig, wandelbar, mit der Erde in Einklang" sein. Man solle "mit der Natur bauen, nicht gegen sie", zitierte die Tochter den Vater. Er habe immer auch den "Mut zum Unvollkommenen" gehabt.

Für Professor Klaus-Jürgen Matthes, den ehemaligen Rektor der Technischen Universität Chemnitz und Sprecher des Kuratoriums des Industrievereins Sachsen, ist Frei Otto "ein großer Sohn dieser Stadt", und mit seiner "biomorphen Architektur" ein "Pionier des ökologischen Bauens". Reinhard Erfurth sieht Frei Ottos Ideen auch als Impulse für das heutige Chemnitz. Frei Otto äußert sich in seinen letzten Interviews geradezu prophetisch und nicht nur an die Adresse von Architekten dazu, wie die Menschheit mit kommenden Gefahren, aber auch mit ihren Möglichkeiten umgehen sollte und bezieht sich auf den Satz "Die Zukunft hat schon begonnen", den der Philosoph Robert Jungk berühmt gemacht hat - und dem im Buch hinzugefügt wird, "... auch in Chemnitz ... mit seinen unglaublichen Potenzen und Potenzialen, das sich jedoch der eigenen Kräfte, des eigenen Anspruchs als Hort einer kreativen Welt besinnen möge".

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...