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Ralf Hron (links) und und Mike Melzer planen eine Geburtstagsfeier für Karl Marx. Die Stadt allerdings hält sich zurück.

Foto: Andreas Seidel

Wie der runde Geburtstag von Karl Marx gefeiert werden soll

Am 5. Mai wäre der Philosoph 200 Jahre alt geworden. Ideen für die Party an seinem Monument gibt es viele - aber auch noch offene Fragen.

Von Jürgen Werner
erschienen am 07.02.2018

Vielleicht hat Chemnitz attraktivere Sehenswürdigkeiten als den Karl-Marx-Kopf zu bieten, aber sicherlich keine mit einer größeren Strahlkraft nach außen. Das mit Sockel mehr als 13 Meter hohe Monument des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel (1917 bis 2003) hat in den vergangenen 30 Jahren durchaus noch einmal Karriere gemacht. Nach der Wende sogar vorübergehend vom Abriss bedroht, ist der "Nischel" heute Teil der Chemnitzer Identität.

Es erstaunt daher wenig, dass die Bronzebüste auch am 5. Mai im Zentrum des Geschehens stehen wird. An diesem Tag wäre Marx, dessen Namen die Stadt 37 Jahre lang getragen hat, 200 Jahre alt geworden. Eine Gruppe von Akteuren aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen will das Jubiläum angemessen würdigen. "Wir planen eine Art persönliche Geburtstagsfeier für Karl Marx", sagt Mike Melzer von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, die gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) das Programm organisiert.

Rund 25.000 Euro stünden dazu zur Verfügung. Als Begründer der Soziologie, als Nationalökonom sowie als Philosoph sei der gebürtige Trierer auch heute noch relevant. "Die Nachfrage nach dem ,Kapital', einem seiner Hauptwerke, steigt wieder", so Melzer.

Sicher ist bislang, dass die Veranstaltung zehn Stunden dauern soll - von 10 bis etwa gegen 20 Uhr. Was die Ausgestaltung betrifft, so existiert noch kein durchgeplantes Konzept. "Wir müssen jetzt ganz schnell vorankommen", sagt Ralf Hron, Regionalgeschäftsführer des DGB für Südwestsachsen, der weiß, dass die Zeit drängt. Immerhin: Ideen gibt es reichlich.

So soll in den leer stehenden Büroräumen im Erdgeschoss der ehemaligen "Parteisäge" hinter dem Monument eine sogenanntes "Philosophencafé" eingerichtet werden. Die Nachbarräume könnten für Vorträge und Diskussionsrunden zum Thema Marx dienen. Angefragt seien Spitzenpolitiker verschiedener Parteien, darunter Linke-Chef Dietmar Bartsch, sowie Historiker und Wirtschaftswissenschaftler von der Technischen Universität Chemnitz. "Wir dürfen uns nicht auf eine bestimmte politische Richtung festlegen, sondern wollen, dass sich Vertreter möglichst vieler Strömungen mit Marx befassen, auch kritisch. Wo, wenn nicht hier in dieser Stadt", so Hron. Auch die Kirchen seien gefragt, betont er.

Ein buntes Kulturprogramm ist indes am Kopf selbst geplant. So soll es Lesungen aus Briefen von Karl Marx und Friedrich Engels geben, das Kleinkunsttheater Fata Morgana will Texte von Marx und "aufrührerische Lieder" auf die Bühne bringen, wie Theatergründer Ludwig Streng betont. Auch Filmvorführungen sind vorgesehen - unter anderem des Defa-Märchenfilms "Hans Röckle und der Teufel", dessen Handlung auf eine Erzählung von Karl Marx zurückgehen soll. Eher dokumentarischer Art ist hingegen ein Film der Volkshochschule, der die Geschichte des Monuments und dessen Bau zum Inhalt hat. Auf musikalischer Ebene soll die Konzertreihe "Rock am Kopp" Teil des Programms werden. Und Klassikfans dürfen sich wohl auf ein Streichkonzert mit vertonten Texten von Heinrich Heine freuen - der Philosoph und der Dichter pflegten einst einen regen Umgang miteinander.

Zu den weiteren geplanten Aktionen zählt ein von der Chemnitzer Kulturwerkstatt organisiertes, paralleles Familienfest im Stadthallenpark, Rundgänge mit den als Jenny und Karl Marx verkleideten Gästeführern Veronika Leonhardt und Wulf Lakemeier sowie die Wiederholung einer Aktion, die im Herbst 2016 für Aufsehen gesorgt hat. Damals hatte die Wirtschaftsfördergesellschaft CWE das Monument mithilfe eines Beamers zum Sprechen gebracht. Dies könne man sich zu dem anstehenden Anlass wieder vorstellen, heißt es.

Überhaupt dürfte es am 5. Mai in der Innenstadt lebendig zugehen. Denn weil am selben Datum auch der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ist, wird ein bunter Tross von Menschen mit und ohne Handicap durch das Zentrum ziehen und vor dem Karl-Marx-Kopf enden. Petra Liebetrau, die Chemnitzer Behindertenbeauftragte, hat die sogenannte "Parade der Vielfalt" anlässlich des Marx-Jubiläums erstmals nach Chemnitz geholt - bislang fand der jährliche Marsch mit zuletzt rund 500 Teilnehmern stets in Dresden statt.

Und dann ist da noch die Museumsnacht, ebenfalls am selben Abend. Ob und wenn ja, wie die Feierlichkeiten rund um Karl Marx in diese einbezogen werden, ist bislang eine offene Frage. "Wir finden es schon ein bisschen schade, dass sich die Stadt in Form der Oberbürgermeisterin weder dazu äußert, noch zur Einbindung von Karl Marx in das Programm zum Stadtjubiläum", so Melzer. Auch gegenüber der "Freien Presse" hält sich die Verwaltung bedeckt. Ideen zur Beteiligung am 200. Geburtstag des Philosophen gebe es zwar. "Aber wir befinden uns noch in der internen Abstimmung."

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
11
Kommentare
11
Kommentieren (für Digital- und Printabonnenten)
  • 12.02.2018
    11:20 Uhr

    Hinterfragt: "... mit seiner erfundenen "Philosophie,den Menschen soviel Unglück gebracht hat..."
    Falsch! Nicht Marx hat die Schuld daran.

    Schuld daran sind die, die Marx falsch interpretiert und "angewandt" bzw. zu ihrem Vorteil umgesetzt haben...

    0 4
     
  • 12.02.2018
    11:03 Uhr

    994374: Gerade wegen Marx, sollte Chemnitz auch ökonomisch denken und sich ein Beispiel an Trier nehmen. Wie ich bei einem Aufenthalt 10/2017 dort erfuhr, fiebert die Tourismusbranche diesem Jubiläum tatkräftig entgegen. Es wird eine "Flut" von zahlungskräftigen Chinesen erwartet.

    1 3
     
  • 08.02.2018
    13:48 Uhr

    mathausmike: Hallo @Blackadder,dass habe ich heute früh auch in den Richtlinien gelesen,gestern kannte ich die Zeiten noch nicht.
    Trotzdem Danke.

    1 2
     
  • 08.02.2018
    11:18 Uhr

    Blackadder: @mathausmike: Die Kommentare werden zu folgenden Zeiten freigegeben:

    montags bis freitags zwischen 9 und 21 Uhr, samstags zwischen 10 und 16 Uhr und sonntags zwischen 13 und 21 Uhr.

    Steht übrigens immer unter dem Kommentarfeld. Man braucht nicht etwas 4 mal zu schreiben, manchmal hilft auch , etwas abzuwarten....

    1 3
     
  • 08.02.2018
    09:27 Uhr

    mathausmike: @Steuerzahler ich hatte 3Jahre ML.Da haben wir nicht gemalt,sondern gelesen.

    4 0
     

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