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Der rechte Liedermacher Frank Rennicke auf einer Feier der NPD-Parteizeitung: Jetzt hatte er einen Auftritt in der Region.

Foto: imago stock

Wo Rechtsextreme auf der Bühne stehen

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit haben in der Region gleich drei Nazi-Konzerte stattgefunden. Fachleute werten die Auftritte als bedenklich.

Von Jürgen Freitag
erschienen am 06.07.2017

Aue/Schwarzenberg. Auf den ersten Blick scheint es eine gesellige Runde gewesen zu sein, die da am 12. Mai im Altkreis Aue-Schwarzenberg zusammenkam. Gut 100 Leute trafen sich an einem geheimen Ort zu einem Liederabend mit Frank Rennicke. So steht es in einer aktuellen Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Linke).

Nur: Rennicke ist nicht irgendein Musiker, sondern gilt als eine der Schlüsselfiguren der rechten Szene. Der Verfassungsschutz nennt ihn einen "der bekanntesten rechtsextremistischen Liedermacher."

Nach Informationen der "Freien Presse" trat Rennicke im Mai in Schwarzenberg auf, in der Vereinssportstätte des SV Eintracht Bermsgrün. Pikant: Das Gebäude gehört der Stadt. Hauptamtsleiterin Sylvia Mack bestätigt, dass es ein Nazi-Konzert gab. Der Stadtverwaltung sei dies aber erst im Nachhinein bekannt geworden.

"Es ist schlimm, dass das passiert ist", sagt Mack. Dem Verein, der die Räume vermietet, habe man eine "klare Ansage" gemacht. "So etwas gilt es in Zukunft auszuschließen. Das gehört nicht in den Ort." Wie es zu der Vermietung kam, ist noch unklar. Aus dem Verein heißt es, eine Privatperson habe die Räume gebucht. Dass sich Rechtsradikale dort versammeln würden, sei nicht ersichtlich gewesen.

Rennicke glorifiziert in seinen Liedern die Wehrmacht, die Texte enthalten rassistische Aussagen. Zahlreiche seiner Alben stehen auf dem Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Rennicke trat in den Jahren 2009 und 2010 als Kandidat der NPD bei der Bundespräsidenten-Wahl an.

Die Abgeordnete Köditz hatte in ihrer Anfrage nach den Aktivitäten der extremen Rechten im Mai gefragt - in der Antwort taucht die Region gleich zweimal auf. So versammelten sich Rechte nur einen Tag nach dem Liederabend erneut zu einem Konzert, diesmal in Aue. Dabei spielte unter anderem die Band "Stahlfront", die Verfassungsschützer dem Rechtsextremismus zuordnen. Nach Informationen des linken Bündnisses "Spektrum 360", das aus der Antifa Erzgebirge hervorgegangen ist, soll die Gruppe auch schon am 25. März bei einem Neonazi-Konzert in der Großen Kreisstadt aufgetreten sein. Das bestätigt der Verfassungsschutz: Die Veranstaltung sei bekannt. Ebenso wie das Konzert am 13. Mai habe sie "mit hoher Wahrscheinlichkeit" im Mietlokal "DeFlint" stattgefunden. Die Verwalterin des Gebäudes dementiert das, will ihren Namen aber nicht in der Zeitung lesen. "Es hat nie ein rechtes Konzert gegeben", sagt sie.

Der Politikwissenschaftler Tom Thieme von der Technischen Universität Chemnitz wertet solche Konzerte als bedenklich. Durch die Auftritte verfestigten sich rechte Strukturen, sagt er. "Sie richten sich an die knallhart Überzeugten und tragen zur Radikalisierung der Szene bei." Weil die Konzerte bürgerliche Protestwähler abzuschrecken drohen, würden sie meist im Verborgenen stattfinden.

Auch der sächsische Verfassungsschutz warnt vor den Treffen: Jede extremistische Äußerung sei bedenklich, sagt Sprecher Martin Döring. Diese müsse man mit zivilgesellschaftlichem Engagement beantworten. Von einer Häufung solcher Auftritte im Raum Aue will er noch nicht sprechen.

Dass die Region in Sachen rechter Musikszene aber nicht ganz unauffällig ist, verrät ein Blick in den aktuellen Verfassungsschutzbericht. Aus dem Erzgebirge kämen gleich mehrere rechtsextremistische Musikgruppen, darunter "Paranoid" und "White Resistance". Mit der Band "Verboten" sei im Kreis zugleich eine der aktivsten Gruppen in ganz Sachsen beheimatet, heißt es.

 
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