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Cassandra, Lisa, Rebecca, John, Tom und Josephine (v. l.) vom Martin-Luther-Gymnasium Frankenberg haben sich mit der Chemnitzer Stadtgeschichte beschäftigt.

Foto: Falk Bernhardt

Warum Frankenberger fremd forschen

Zum Jubiläum "875 Jahre Chemnitz" stehen am Mittwoch im Schloßbergmuseum die Spuren des Mittelalters im Fokus. Doch einige der jungen Teilnehmer, die an dem Projekt der TU Chemnitz mitgearbeitet haben, kommen gar nicht aus der "Stadt der Moderne".

Von Ute George
erschienen am 13.01.2018

Frankenberg/Chemnitz. Der Unterricht ist längst vorbei. In einem Klassenzimmer des Frankenberger Luthergymnasiums sind dennoch einige Schüler fleißig. "Josephine, du hast versucht, ins Publikum zu schauen, das ist gut. Du darfst nur nicht noch schneller sprechen. Lisa, du solltest freier reden", mahnt Lehrerin Sabine Dunkel. Es ist eine der letzten Proben vor der Präsentation "Denk mit, denk nach! Mittelalter-Rezeption in deiner Stadt", die die Schüler am kommenden Mittwoch im Chemnitzer Schloßbergmuseum vortragen werden.

Allerdings geht es dabei gar nicht um ihre Stadt, sondern um Chemnitz. Anlässlich des diesjährigen Jubiläums "875 Jahre Chemnitz" hatte die TU Chemnitz dieses Projekt, das von der Robert Bosch Stiftung unterstützt wird, für die gymnasiale Oberstufe ausgeschrieben. "Wir haben auch verschiedene Gymnasien in Chemnitz gefragt, nur das in Einsiedel wollte sich beteiligen", berichtet Gesine Mierke von der Universität, die das Projekt betreut hat. Woran es liegt? "Das ist eine gute Frage", sagt sie. Sie vermutet, dass es einfach zu viele Angebote für die Bildungseinrichtungen in der Großstadt gibt.

Für die Frankenberger Schule war es hingegen ein Glücksfall, wie Sabine Dunkel erklärt. "Die Schüler lernen dabei wissenschaftliche Arbeitsmethoden, die sie später auch fürs Studium brauchen - und das in Zusammenarbeit mit der Universität. Das hat uns gereizt", begründet die Lehrerin die Teilnahme. Der normale Unterricht könne das nicht bieten.

Beide Gymnasien haben sich verschiedene Themen ausgesucht. "Es geht dabei um Baudenkmäler in Chemnitz, die seit dem Mittelalter existieren und heute kaum noch bekannt sind", berichtet die Frankenberger Lehrerin. Sie sollen wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Neben einer mündlichen Präsentation, gestalten die Schüler dafür auch Plakate und eine Homepage. Zehn Schüler der Oberstufe aus der Frankenberger Bildungseinrichtung sind seit Ende 2015 am Projekt beteiligt. Sie haben sich mit dem Benediktinerkloster (dem heutigen Schloßbergmuseum), dem Judith-Lucretia-Portal (dem jetzige Eingang zum Standesamt), der Rolands-Figur am Neuen Rathaus und dem durch Chemnitz führenden Jacobsweg beschäftigt. Anfangs mussten die Jugendlichen lernen, wie sie wissenschaftlich an die Sache herangehen. Die Chemnitzer Uni bot dafür Workshops und Vorlesungen an. Für den 17-jährigen Lichtenauer Tom Gester war es eine ganz neue Erfahrung: "Uns wurden Einweihungsschriften zum Neuen Rathaus ausgehändigt. Sie waren in Altdeutscher Schrift", berichtet der Gymnasiast. Mit Hilfe der Betreuer der TU gelang die Übersetzung. "Das fand ich sehr interessant", berichtet Tom Gester. Zumal er zu Hause noch alte Karten und Unterlagen in Altdeutscher Schrift habe, die er nun lesen könne.

Für Josephine Lippmann (17) hat der ganze Aufwand noch einen ganz anderen Vorteil: "Ziel war es, Texte für die Präsentation und die Homepage zu erstellen, andererseits aber auch für meine Facharbeit", berichtet sie. Denn diese sogenannte komplexe Leistung ist für die Zulassung zum Abitur notwendig. "Anfangs haben wir nach Textquellen gesucht und viel von der Uni, aber auch aus Archiven bekommen", berichtet die Frankenbergerin. Ihr Thema war das Benediktinerkloster. "Deshalb haben wir auch Interviews mit den Mönchen im Kloster Wechselburg und dem Direktor des Schloßbergmuseums geführt", berichtet sie.

Auch der 17-jährige John Tränkner hat sich mit dem Benediktinerkloster beschäftigt und das Thema auch gleich für seine Besondere Lernleistung genutzt. "Das ersetzt ein Prüfungsfach", sagt er. Die freiwillige Leistung fließt mit in die Abi-Noten ein.

Doch die schwerste Prüfung steht für die Gymnasiasten wohl am kommenden Mittwoch an, wenn sie nicht mehr nur im Klassenraum, sondern vor zahlreichen Gästen im Schloßbergmuseum ihre Forschungsergebnisse präsentieren werden. "Wir treten dort zu dritt auf und haben insgesamt fünf bis acht Minuten Redezeit", berichtet er. Er selbst gehört auch zu den Vortragenden. "Im Augenblick bin ich noch nicht aufgeregt, das kommt aber bestimmt kurz vorher", glaubt er. "Wir sind aber gut vorbereitet, haben viel geprobt", gibt er sich optimistisch.

Für Gesine Mierke von der TU war die Zusammenarbeit mit dem Frankenberger Gymnasium "super", wie sie sagt. "Die Schüler haben sich richtig reingekniet", lobt sie. "Das ist eine wirklich engagierte Schule."

 
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Warum Frankenberger fremd forschen
Stadt Chemnitz feiert 875 Jahre
 
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