Stadtrat einstimmig für Postabriss

Das historische Gebäude wird noch im Januar abgebrochen. Für die Bürgerinitiative zum Erhalt des Baus war es ein schwarzer Tag für Markneukirchen.

Markneukirchen.

In wenig mehr als 20 Minuten hat der Markneukirchner Stadtrat am Dienstagabend das letzte Kapitel im Dauerstreitthema Post geschrieben. Das Haus wird von der Firma Lengenfelder Recycling und Abbruch für ein Angebot von 82.800 Euro noch im Januar abgerissen. Das beschlossen die 15 an der Abstimmung teilnehmenden Räte und Bürgermeister Andreas Rubner (parteilos) einstimmig. Die Abrissarbeiten waren mit 136.000 Euro kalkuliert. Der viel niedrigere Preis liege am günstigen Zeitpunkt der Ausschreibung, erklärte Cindy Geipel von der Stadtverwaltung.

Eine Bürgerfragestunde gab es vor dem Beschluss nicht mehr. Rubner erklärte, er habe sich dazu mit Cornelia Panzert, Leiterin des Kommunalamts im Kreis, beraten. Weil zur Sitzung zum ursprünglichen Abrissbeschluss im Dezember - der dann wegen Rechtsstreitigkeiten gekippt wurde - in der Bürgerfragestunde dazu keiner gefragt habe, sei auf eine erneute Fragestunde verzichtet worden. Beim Abbruch der Post wird das etwa viermal fünf Meter große Portal samt Uhr extra per Kran geborgen - als Element, das im Kreuzungsbereich sichtbar bleiben soll. "Es soll eine umfangreiche Bürgerbeteiligung bei der Gestaltung der Flächen und des Parkplatzes unter Mitarbeit des künstlerischen Profils im Gymnasium und auch eine offene Diskussion über eine Verkehrsführung geben", sagte Rubner.

Der Bürgermeister hatte im Rat die Entwicklung im Post-Streit seit Dezember aus seiner Sicht vorgetragen und eine persönliche Erklärung verlesen. Er beklagte die Spaltung der Stadt und räumte ein, "im Nachhinein betrachtet hätte im Vorfeld manches anders laufen können". Rubner teilte mit, dass das Amtsgericht Zwickau es abgelehnt habe, aufgrund einer Strafanzeige wegen Betrugs gegen ihn zu ermitteln. Einen Antrag der Bürgerinitiative (BI) Post-Erhalt auf einstweilige Verfügung gegen den Abrissbescheid des Kreises vom 13. Januar 2015 hatte das Verwaltungsgericht Chemnitz am 29. Dezember abgelehnt. Der Bescheid habe somit Bestand, so Dezernent Lars Beck auf Anfrage.

Einen eindringlichen Appell der Markneukirchner Bürger Gerd Sommer und Norman Brückner, den Abriss zu verschieben, verlas Vizebürgermeister Tobias Luderer (CDU) vor dem Beschluss. Luderer sagte, er selbst habe nach Abwägen des Für und Wider entschieden, den eingeschlagenen Weg Abriss weiterzugehen. "Ich bin überzeugt, dass wir es uns nicht leicht gemacht haben."

Enttäuscht zeigte sich die Sprecherin der BI, Christine Parisius, sowohl von der Entscheidung als auch vom Verlauf der Stadtratssitzung. Viele Gäste - der Saal war überfüllt, Stühle wurden extra geholt - hätten sich im Nachgang empört geäußert, berichtet sie - etwa, das Bürgerfragen nicht möglich waren. "Wir haben alles versucht", resümierte sie den Einsatz der BI. Auch wenn dies nicht zum Ziel geführt habe, sei das Engagement nicht vergebens gewesen. "Es kamen viele zum Nachdenken", sagt Parisius, die persönlich schwarz für ihre Heimatstadt sieht.


Kommentar: Zum Jubeln ist kein Anlass

Der Abriss der Post ist besiegelt. Genau falsch wäre es, nun vom Sieg für irgendjemand zu sprechen. Ganz im Gegenteil: Über den Tag hinaus ist dieser Beschluss eine Niederlage. Es ist das Eingeständnis, dass es über zehn Jahre nicht gelungen ist, eine Nutzung für das Haus zu finden, die alle akzeptieren. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Feststellung. Das Thema Post hat über Monate viele aufgewühlt. Jeder, ob nun Beteiligter oder Beobachter, tut gut daran, sein Handeln und seine Worte kritisch zu prüfen. Es ist ein gefährlicher Trend der heutigen Zeit, wenn Menschen andere Meinungen nicht mehr aushalten, weil sie der eigenen Ansicht widersprechen. Mit dem Abrissbeschluss ist Gelegenheit, inne zu halten und künftige Schritte zu überlegen. Vielleicht findet der eine oder andere aus der BI die Kraft, sich über das Thema Post hinaus in der Stadt zu engagieren. Räte und Verwaltung haben eines unterschätzt: Dass in dem Moment im März 2015, in dem das Wort Post-Abriss öffentlich fiel, es für viele um mehr geht als einen etwas größeren Kreisel. Sondern es viele ganz tief in ihrem Leben in ihrer Stadt berührt. Eine Einwohnerversammlung wäre Pflicht gewesen.

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2Kommentare
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    Talbewohner
    07.01.2016

    @Lutz1: Ob die Unterschriftenaktion umsonst war oder nicht weiß man nicht. Sie befindet sich noch in Bearbeitung beim zuständigen Petitionsausschuss.

    Ich sehe den Beschluss als reinen Willkürakt.
    Und mit dem Weglassen der Bürgerfragestunde hat man gezeigt, wer hier was zu melden hat und wer nicht.

    Ich hoffe, die Wähler in Markneukirchen merken sich das und werden es zu gegebener Zeit quittieren.

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    Lutz1
    07.01.2016

    Ich selber kenne das Postamt nicht. Auch meine Schwester hat für den Erhalt des Gebäudes unterschrieben. Schade, das es nun doch noch abgerissen wird. Es ist traurig wie historische Gebäude nach und nach verschwinden, auch bei mir im Ort und damit verschwindet auch ein Teil unserer Geschichte. Eigentlich war diese Unterschriftenaktion wie meistens so, umsonst.



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