Tirili, tirila, tirilo

Weshalb man an der TU Chemnitz mehr als nur einen Vogel hat

Der Kuckuck ist recht einfach. Er macht kuckuck. Und heißt auch so. Auch der Zilpzalp funktioniert nach demselben Prinzip. Das, was er von sich gibt, hört sich an wie sein Name. Obwohl - im Gegensatz zum Kuckuck - nicht unbedingt jedes Kind weiß, was ein Zilpzalp ist. Ein Vogel. Mit recht großem Kopf. Und kompaktem Körper. Dicklich also. Graubraungrün irgendwie. Nennt sich auch Weidenlaubsänger. Der Phylloscopus collybita.

Ornithologen wissen das. Und noch viel mehr. Dass hinter dem Zizibää-zizibää eine Kohlmeise steckt, rangiert unter Anfängerwissen. Dass ein Tschilp-tschilp zum Sperling gehört, lernt man in der Grundausbildung. Wer an einem Schrrrk-schrrrk die Wacholderdrossel erkennt, kann sofort einen Kurs für Fortgeschrittene belegen. In diesem werden einem zum Beispiel die feinen Unterschiede zwischen der Kohl-, Sumpf-, Weiden- und Tannenmeise beigebracht. Also zwischen ti-vuid, psi-zjä, däh-däh, zjü-zjü, wizü-wizü sowie zwischen tirili und tirila oder tirilo. Wobei die drei letzten Laute auch zur Differenzierung von Klapper-, Dorn-, Garten- und Mönchsgrasmücke in Erwägung gezogen werden sollten.

Wer jetzt meint, im Chinesischunterricht gelandet zu sein oder in jenem Sketch von Loriot, in dem er ein Jodeldiplom vergibt, kann sich trösten: Vogelkundler wissen viel. Aber längst nicht alles, geht es um Vogelstimmen. Auch wenn ein Chemnitzer Informatiker betont: Ohne Sachsens Vogelfreunde wäre sein Projekt sicher niemals flügge geworden. Das sagt Stefan Kahl, der dabei ist, an der Technischen Universität eine Software inklusive einer App zu entwickeln, die wie ein Eichelhäher in puncto Vogelstimmenerkennung selbst die härtesten Nüsse knackt. Also: Hu-hu-hu-huuu - langgezogen - und ein eher dumpfes Hu, als hätte man Islands Fußballern einen Elfmeter zugesprochen ...

Das eine ist der Waldkauz, das andere die Waldohreule. Mit solchen Tönen füttert Stefan Kahl, der TU-Mann, sein Archiv. Macht daraus Spektrogramme. Also Stimmfrequenzbilder, an deren grafischen Details man genau erkennt: Es war die Nachtigall - und nicht die Lerche. Hu!

Weil "Freie Presse"-Redakteur Ulrich Hammerschmidt so viele positive Reaktionen auf seine sogenannten Kellergeschichten bekommt, die täglich auf der Titelseite der "Freien Presse" erscheinen, hat er am 5. April in Freiberg eine Auswahl seiner Beiträge zum Besten gegeben. Rund 60 Gäste lauschten, schmunzelten und amüsierten sich in der "Pressetonne" am Obermarkt über die vergnüglich-tiefsinnigen Keller.

 

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