Was kommt nach Frenzel und Co?

Auch in der Olympiasaison lebt die Nordische Kombination wieder vom Duell Eric Frenzel gegen Johannes Rydzek. Für den Nachwuchs sind die Fußstapfen der Weltmeister und Olympiasieger riesig.

Oberstdorf.

Überbewerten wollte Eric Frenzel seine starke Vorstellung am Wochenende in Oberstdorf nicht. "Sommer ist Sommer, und Winter ist Winter", sagt der Olympiasieger in der Nordischen Kombination. Dennoch: Mit seinem Sieg und Rang drei hat der 28 Jahre alte Erzgebirger im Allgäu ein kleines Zeichen gesetzt. Denn er schlug Johannes Rydzek, seinen Dauerrivalen aus dem Vorwinter, zweimal deutlich. Und das quasi in der Höhle des Löwen. Denn Rydzek (2. und 9.) startete nur auf der dritten und vorletzten Station der Sommerserie in seinem Wohnzimmer, will sich voll und ganz auf Olympia im Februar in Pyeongchang konzentrieren.

Die zwei finalen Einzel des Sommer-Grand-Prix Ende September in Planica wird Deutschland mit der zweiten Garnitur bestreiten. Rydzek und Frenzel trainieren dann in Lehrgängen des Nationalteams gemeinsam, werden sich gegenseitig beäugen und mit Blickrichtung Südkorea mächtig Gas geben. Auf dem Weg dahin war die Machtdemonstration im Hause des Vierfach-Weltmeisters Rydzek nicht so unwichtig, wie Frenzels Heimtrainer Frank Erlbeck meint: "Für's ,Köppl' war der gelungene Sommerabschluss gut. Eric ist der Konkurrenz von vorn weggelaufen. Er weiß, dass er richtig trainiert hat und sich das lohnt."

Der Titel des Sommersiegers ist dabei nebensächlich. So könnte es passieren, dass der momentan Führende der Gesamtwertung, Oberwiesenthal-Gewinner Mario Seidl (Österreich), am Ende trotz höchster Punktzahl (aktuell 340) aller Beteiligten nicht zum Sieger gekürt wird. Dann nämlich, wenn er - wie angekündigt - in Planica fehlen wird. Laut Reglement des Ski-Weltverbandes FIS muss ein Gesamtsieger bei allen Grand-Prix' gestartet sein, um das Preisgeld zu kassieren. Eingeholt werden kann Seidl nur noch theoretisch von Akito Watabe (Japan/181).

Über Preisgelder müssen David Welde und Terence Weber noch nicht vordergründig nachdenken. Den Kombinierern vom SC Sohland und SSV Geyer wird aus sächsischer Sicht am ehesten zugetraut, die Ausnahmeathleten Eric Frenzel und Björn Kircheisen (in Oberstdorf 9. und 13.) herauszufordern. Momentan sind die jungen Hoffnungsträger aber vor allem läuferisch noch zu weit weg vom Spitzenniveau. Während Kircheisen sein Laufbahnende vom Olympiaergebnis abhängig machen will, wird Frenzel sicher noch einen Zyklus bis Peking 2022 anhängen. Dennoch müssen jetzt die Weichen im Nachwuchs gestellt werden, soll es einen halbwegs fließenden Übergang geben. Ihr Talent haben Welde und Weber mit Einzelmedaillen bei der Junioren-WM schon nachgewiesen. Doch der nächste Schritt ist ein elefantöser. Vor allem, weil am goldenen WM-Quartett Frenzel, Kircheisen, Rydzek und Rießle nur schwer vorbeizukommen ist. In ähnlicher Konstellation sind im Herrenbiathlon schon ganze Jahrgänge an der goldenen Generation mit einem Groß, Kirchner, Luck oder Fischer zerbrochen.

Bei den Sommer-Wettbewerben schickte sich besonders Terence Weber an, den Abstand zu seinem Vorbild Eric Frenzel weiter zu reduzieren. In der Gesamtwertung liegt er als deutsche Nummer 5 auf Position 14. Das kann sich sehen lassen, zumal aus der Weltspitze nur die Norweger ihre erste Garde schonten. Der in Oberstdorf wegen eines nicht regelkonformen Anzugs disqualifizierte Sprungsieger Harald Johnas Riiber ist der ältere Bruder von Sprung-Ass Jarl Magnus und offenbar auch kein schlechter Springer.

Ein gutes Potenzial auf der Schanze besitzt auch der 20-jährige Weber. "Olympia ist jetzt nicht mein konkretes Ziel für den Winter. Aber den Traum habe ich schon, es einmal zu schaffen. Im Springen klappt es schon ganz gut. Im Laufen muss ich noch einiges arbeiten", sagt der Erzgebirger. Heimtrainer Erlbeck traut ihm die gewünschten Steigerungen zu: "Er hat ähnliche Ausdauerwerte im Cross und Rollern gezeigt, die auch Eric in dem Alter hatte. Bisher konnte sich Terence stetig entwickeln. Das soll so bleiben."

David Welde hofft, nach seinem Wechsel vor einigen Jahren von Klingenthal nach Oberstdorf in der Trainingsgruppe von Rydzek auf seinen Durchbruch. Dabei muss der 23-Jährige lernen, seinen Ehrgeiz in richtige Bahnen zu lenken. Nach verheißungsvoller Sprungleistung (13.) in Oberwiesenthal rutschte er im 10-Kilometer-Lauf noch auf Platz 25 ab. "Ich konnte überhaupt keine Kraft auf Skiroller und Stöcke bringen. Wahrscheinlich habe ich mich zuvor im Training übernommen", mutmaßte er und bekam danach eine Erholungspause verordnet. Zumindest die Einstellung stimmt aber beim älteren Bruder von Jonas Welde. Das 19-jährige Talent erlebte am Fichtelberg seine Feuertaufe bei den Erwachsenen, zahlte als 50. allerdings noch Lehrgeld. Keine Frage: Dieser Weg bis nah ganz vorn zu Frenzel und Co. wird ein langer sein.

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