Chemnitz
Bakterien in der Wurst: Chemnitzer Fleischer vor Gericht

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Die Metzgerei Gränitz ist für außergewöhnliche Produkte bekannt. Der Handwerksbetrieb hat mehrere Preise geholt. Jetzt wurde der Inhaber wegen Hygiene-Versäumnissen vor dem Amtsgericht angeklagt.

Chemnitz.

Eins vornweg: Personen sind offenbar nicht zu Schaden gekommen. Es habe sich auch kein Kunde mit Beschwerden bei ihm gemeldet, versichert Fleischer Benny Gränitz. Der Inhaber der gleichnamigen Metzgerei aus Harthau saß am Donnerstag auf der Anklagebank im Amtsgericht. Der Tatvorwurf: Verkauf gesundheitsgefährdender Lebensmittel.

Seine Firma hatte bisher mit positiven Schlagzeilen auf sich aufmerksam gemacht. 2023 wurde die Fleischerei Gränitz Vizemeister bei der französischen Blutwurst-EM, 2024 gewann der Familienbetrieb mit seiner Haussalami einen Pokal beim Metzger-Cup in Bayern. Bei den Zerlege-Seminaren von Wagyu- oder Angus-Rindern kommen Feinschmecker aus ganz Deutschland in die Fleischerei nach Harthau.

Gefährliche Kolibakterien entdeckt

Aber wo handwerklich gearbeitet wird, fallen – metaphorisch gesagt – auch Späne. Am 4. April 2022 hatten Kontrolleure der Stadt Chemnitz bei Gränitz in einer Hirschfleisch-Knacker gesundheitsgefährdende Kolibakterien gefunden. Drei Wochen später bei einer weiteren Probe erneut. Benny Gränitz erklärte, dass er das Wildfleisch damals nicht wie sonst üblich direkt bei seinem Wildhändler, sondern vom Großhandel gekauft habe. Auch dort sei das Fleisch aber EU-zertifiziert.

Die Fleischerei-Gränitz mit ihrem Sitz in Harthau hat zwei weitere Filialen.
Die Fleischerei-Gränitz mit ihrem Sitz in Harthau hat zwei weitere Filialen. Foto: Harry Haertel

Ob das die Ursache für die Bakterienspuren war, ist allerdings unklar. Denn drei Jahre später fiel der Fleischerbetrieb den Lebensmittelkontrolleuren erneut auf. In einer Filiale wurden im Januar 2025 bei Untersuchungen an einer Teewurst Listerien festgestellt – dreimal höher als der zulässige Grenzwert. „Vor allem bei Risikogruppen kann Kontamination mit diesen Keimen und davon erzeugten Toxinen schwerwiegende Erkrankungen auslösen. Auch gesunde Konsumenten können bei Infektionen mit diesem Erreger schwere fieberhafte Darmerkrankungen erleiden“, sagte Staatsanwalt Markus Schuri.

Die Kontrolleurin der Stadt betonte, dass die Keime bei einer weiteren Prüfung an mehreren Tupfern nachgewiesen werden konnten. Keime, die sich bei nicht ordentlicher Säuberung in Biofilmen festsetzen könnten. In ihrem Protokoll hatte sie auch eine lockere Fuge im Deckenbereich notiert, was Richter Christian Goltz als „überzogen“ bewertete. Die Kontrolleurin verteidigte die Notiz mit den Worten, dass eine ordnungsgemäße Reinigung in den Produktionsräumen nur bei leicht zu reinigenden Oberflächen möglich sei.

Fleischer Benny Gränitz mit seiner Anwältin Kerstin Dieter im Chemnitzer Amtsgericht.
Fleischer Benny Gränitz mit seiner Anwältin Kerstin Dieter im Chemnitzer Amtsgericht. Foto: Harry Härtel

Zu seiner Verteidigung erklärte Anwältin Kerstin Dieter, dass ihr Mandant von seinem Partnerbetrieb für die Reinigung damals nicht richtig beraten worden sei. Die Hygienemängel gebe es heute nicht mehr.

Seit Juli 2025 arbeitet die Fleischerei für ihre Eigenkontrolle mit dem LKS-Labor des Landeskontrollverbandes zusammen. Die dort zuständige Fachfrau, Professorin Jacqueline Wolfram, sagte vor Gericht, ihr sei bei den ersten Besuchen vor Ort aufgefallen, dass bei den Reinigungsmitteln nirgends Ethanol auftauchte. Der Alkohol sei aber wichtig, um die Zellwände der Bakterien für deren Bekämpfung aufzubrechen und die Zellkerne zu zerstören. Man habe den Hygienebetrieb erst überzeugen müssen, die richtigen Reinigungsmittel zu liefern. Jacqueline Wolfram stellte auch neue Probepläne auf. Seitdem gehe keine Gefahr mehr von der Produktion aus.

Am Ende wurde das Verfahren mit einer Geldauflage eingestellt. Benny Gränitz muss 6000 Euro an einen Verein bezahlen, der sich um ältere Menschen kümmert. Zur „Freien Presse“ erklärte der 44-Jährige, dass er in den letzten Monaten 60.000 Euro in die Produktion investiert habe, fünf Räume und Schleusen seien neu gebaut worden. Produkte aus rohem Wildfleisch wie eben die Hirsch-Knacker gebe es nicht mehr – trotz Nachfrage von Kunden. „Aber wir müssen dem Risiko aus dem Weg gehen.“ Bei Wild gebe es noch Fleisch und Roster, die vor dem Verzehr beim Kunden gekocht oder gebraten werden. (cma)

Erschienen am: 03.04.2026 | 10:15 Uhr
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