Chemnitz
Mit dem Rollstuhl im Bus: Jakob und seine tägliche Herausforderung

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Der Weg zur Schule ist für den Neunjährigen weit. Vom Heckertgebiet geht es auf den Sonnenberg. Eineinhalb Stunden pro Tag (mindestens) braucht er dafür. Mit Unterstützung der Leser soll es bald ein bisschen einfacher werden.

Chemnitz.

Es gibt viele Menschen in Chemnitz, die täglich mit Bus oder Straßenbahn zur Schule, zur Arbeit oder zum Verein unterwegs sind. Nicht so viele sitzen im Rollstuhl. Jakob ist auf ihn angewiesen. Seine Beine spürt der Neunjährige nicht. Jakob Langer kam mit einem offenen Rücken (Spina bifida) auf die Welt. Schon in einer frühen Schwangerschaftswoche wurde dies festgestellt. Die Ärzte, die das diagnostizierten, rieten seiner Mutter Katja Langer damals, das Kind nicht lebend zur Welt zu bringen. Doch Jakob wollte leben und seine Mutter wollte, dass Jakob eine Chance bekommt. Andere Ärzte machten Hoffnung. Nach der Geburt wurde der offene Rücken und später auch sein Wasserköpfchen operiert. Folgenlos blieben die Fehlbildung an der Wirbelsäule und die Schädigungen am Rückenmark nicht. Jakob kann nicht laufen, in den Beinen hat er kein Gefühl. Mit dem Rollstuhl ist er aber zumindest auf ebener Fläche flink unterwegs.

Allein Bus zu fahren, ist nicht möglich

Jakob besucht die Klasse 2 in der Entdeckerschule.
Jakob besucht die Klasse 2 in der Entdeckerschule. Bild: Andreas Seidel

Im Alltag ist der Schüler dennoch auf Hilfe angewiesen. Allein in den Bus ein- und aussteigen, würde viel zu oft seine Kraft überfordern. Und mit Bus und Straßenbahn ist Jakob sehr häufig unterwegs. Die Familie besitzt kein Auto. Schon seit seiner Geburt ist Jakob daher vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Das ist aufwändig und bringt die Familie manchmal vor fast unlösbare Schwierigkeiten.

Ein Beispiel: Katja Langer war vor Kurzem krank. Ein Virus, wie es gerade viele betrifft, brachte eine Krankschreibung. Normalerweise begleitet sie ihren Sohn in den „Öffis“ zur Entdeckerschule auf dem Terra Nova Campus. Sie selbst ist in der Schule tätig, begleitet als Einzelfallhelferin ein kleines Mädchen durch den Schulalltag. Eigentlich ideal. Mutter und Sohn teilen sich morgens und am Nachmittag einen Weg. Kurz vor 7 Uhr steigen sie im Heckertgebiet, wo sie wohnen, in die Straßenbahn. Von da aus geht es Richtung Innenstadt. An der Zentralhaltestelle oder auch schon mal eine Haltestelle eher steigen sie in den 51er-Bus um, der direkt vor der Körperbehindertenschule an der Heinrich-Schütz-Straße auf dem Sonnenberg hält. Eine Dreiviertelstunde dauert die Tour. Am Nachmittag geht es zurück. Wegen des Berufsverkehrs zu dieser Zeit dauert es in der Regel deutlich länger als am Morgen, erzählt Katja Langer. Mindestens eineinhalb Stunden pro Tag ist Jakob so mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, um zur Schule und wieder nach Hause zu kommen.

Jakob ist ein guter Rollstuhlfahrer und er schwimmt seit Kurzem im Verein.
Jakob ist ein guter Rollstuhlfahrer und er schwimmt seit Kurzem im Verein. Bild: Andreas Seidel

Nun war Katja Langer aber krank. Allein kann Jakob die Bus- und Bahnfahrten nicht absolvieren. Auf Rollstuhlfahrer warten überall Hindernisse. Auch wenn sich Busse gut absenken, bleibt dann doch mal eine kleine Stufe, die er allein nicht überwinden kann. Und die Erfahrung zeige, so seine Mutter, dass nicht jeder Busfahrer gewillt ist, die Rampe extra anzubringen. „Mit einem Auto hätte ich ihn fahren können. Aber hin und zurück mit Bus und Bahn hätte ich krank nicht geschafft“, so die 45-Jährige. Zum Glück sei ein Freund eingesprungen und habe Jakob gefahren. Sonst hätte auch er zu Hause bleiben müssen.

„Wir sind manchmal richtige Künstler“

„Wir sind manchmal richtige Künstler“, sagt Katja Langer, wenn es um öffentliche Verkehrsmittel geht. Spalten, Stufen und zu wenig Platz für Rollstuhlfahrer – alles komme vor. Ein Auto würde den Alltag sehr vereinfachen. Der Verein „Leser helfen“ will diesen Traum mithilfe von Spenden der „Freien Presse“-Leser möglich machen. Unterstützt wird das Vorhaben vom Verein Lucas Stern.

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien sitzt Jakob etwas müde in seinem Rollstuhl. Unterricht und Therapie - beides findet in der Schule statt - haben geschlaucht. Zwar ist der Schultag an diesem Tag eher beendet als normal – schon 12.30 statt 14.30 Uhr wuselt es im Eingangsbereich vor Kindern, Eltern und Fahrdiensten. Dennoch wird es Zeit für mehr Ruhe. Der Weihnachtsbaum in der Wohnung steht und am Heiligabend kommt die Familie zusammen. Worauf freut sich Jakob am meisten? „Auf meine Geschenke.“ (aed)

Das Spendenformular finden sie online unter www.freiepresse.de/langer-helfen

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