Annaberg
Depression, Schlaganfall, Krebs: Wie das Schicksal einen vierfachen Familienvater aus dem Erzgebirge herausfordert

Der Verein „Leser helfen“ startet seine nächste Spendenaktion im Erzgebirge. Das Geld kommt einem alleinerziehenden Vater und seinen vier Kindern in Hermannsdorf zugute. Es gibt einen großen Wunsch.

Elterlein.

Das Leben des 39-jährigen Johannes Hadlich aus Hermannsdorf - einem Ortsteil der Stadt Elterlein - verlief viele Jahre geradlinig: Schule, Studium, Arbeit, Hochzeit, vier Kinder. Bis vor fünf Jahren. Seither jagt ein Schicksalsschlag den nächsten. Seither ist die Lage der Familie, "als hätte sie das Unglück gepachtet", sagen Freunde, zu denen unter anderem die Familien Förster und Taubert aus dem nahen Buchholz gehören.

Dennoch lässt sich der mittlerweile alleinerziehende Familienvater nicht unterkriegen. Aktuell sein größter Wunsch: ein Auto, in dem die ganze Familie Platz findet, das er problemlos fahren kann und das "vielleicht mal länger hält als drei bis fünf Jahre". Denn das bisherige Familienauto hat nach insgesamt 19 Jahren nun endgültig den Dienst quittiert.

Verein hilft seit fast 28 Jahren im Erzgebirge

An dieser Stelle kommt der Verein "Leser helfen" ins Spiel. Er engagiert sich seit mittlerweile fast 30 Jahren in der Region. Unterstützt Menschen, die beeinträchtigt oder unverschuldet in Not geraten sind und dringend Hilfe brauchen. Zudem fördert er soziale Projekte, für die es aus staatlichen Töpfen kein Geld gibt, die aber Unterstützung verdienen. Erst vor wenigen Wochen konnte so ein großer Wunsch der Familie Schmiedel aus Bärenstein erfüllt werden: ein großes Auto mit einem Kassettenlift für den Rollstuhl von Familienvater André. Für die Familie hatte der Verein "Leser helfen" im vorigen Jahr Spenden gesammelt.

Das Haus der Hadlichs ist unsaniert. Dazu gehört ein etwa 1400 Quadratmeter großes Grundstück.
Das Haus der Hadlichs ist unsaniert. Dazu gehört ein etwa 1400 Quadratmeter großes Grundstück. Bild: Ronny Küttner

Dieses Jahr will der Verein den Hermannsdorfer und seine vier Kinder unterstützen. Ihnen soll das Geld aus der lokalen Spendenaktion in diesem Jahr zugutekommen. Denn heute weiß der 39-Jährige: "Das Leben geht nicht immer geradeaus." Vor fünf Jahren hatte er mit dem gerade gebraucht erworbenen Familienauto einen schweren Unfall - verursacht durch Glatteis. Das Auto überschlug sich mehrmals. Wie durch ein Wunder wurde er selbst dabei nur leicht verletzt. Das Auto aber war ein Totalschaden. Ein mehr als 14 Jahre alter Opel mit sieben Sitzen wurde das neue Familienauto.

2021 verlässt ihn seine Frau, er bleibt mit den vier Kindern allein. Ein Jahr später erkrankt er an einer Depression - eine Folge der enormen Belastungen als alleinerziehender Vater. 2023 erleidet er einen Schlaganfall. Es folgen ein langer Krankenhausaufenthalt und eine anschließende Rehabilitation. Seither sind einige Funktionen seiner linken Körperhälfte eingeschränkt.

Rückkehr in den Beruf als Ingenieur unmöglich

Vor allem die mangelnde Feinmotorik sowie die eingeschränkte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit machen eine Rückkehr in seinen Beruf als Ingenieur unmöglich. Johannes Hadlich wird Erwerbsunfähigkeitsrente zugesprochen. Für ihn und seine vier Kinder bedeutet dies, dass nun jeder Euro zweimal umgedreht werden muss.

Doch damit noch längst nicht genug der Schicksalsschläge: Im Oktober 2024 diagnostizieren die Ärzte bei ihm Krebs. Es folgen Operation und Chemotherapie.

Alltag bei den Hadlichs: Bastel- beziehungsweise Reparaturarbeiten gehören genauso dazu wie Computerspiele.
Alltag bei den Hadlichs: Bastel- beziehungsweise Reparaturarbeiten gehören genauso dazu wie Computerspiele. Bild: Ronny Küttner

Wie es ihm heute geht? "Das ist tagesform- und wetterabhängig", berichtet der Hermannsdorfer. Und: "Ich habe nicht mehr so viele Kraftreserven." So wird nicht nur der Alltag zur Herausforderung. Dazu kommen noch unzählige "Kleinbaustellen" im weitgehend unsanierten Einfamilienhaus sowie auf dem annähernd 1400 Quadratmeter großen dazugehörigen Grundstück. "Das sind alles keine großartigen Sachen", sagt er selbst. Spricht unter anderem von herabfallenden Putzteilen an der Hauswand und einem neuen Farbanstrich für das Haus beispielsweise. "Aber ich schaffe es eben nicht mehr."

Unterstützung kommt von großer Gemeinschaft

Umso dankbarer ist er für die Hilfe aus seiner Familie, von Freunden und aus der Nachbarschaft. "Das ist eine super Gemeinschaft", freut er sich. Obwohl es ihm vor allem nach dem Schlaganfall unglaublich schwer gefallen sei, die Hilfe überhaupt anzunehmen. "Das musste ich erst lernen", räumt der 39-Jährige ein. (af)

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