Ein alleinerziehender Familienvater und seine vier Kinder brauchen dringend ein neues Auto. Doch bei der Spendenaktion geht es nicht nur um Geld. Die große Hilfsbereitschaft überwältigt.
„Das haut mich aus den Latschen.“ Johannes Hadlich aus Hermannsdorf ist überwältigt von der Anteilnahme, die er seit wenigen Tagen gemeinsam mit seinen vier Kindern durch die Aktion „Leser helfen“ erfährt. „Ich war mir nicht sicher, wie das alles so ankommen würde. Jetzt bin ich einfach überwältigt von der großen Bereitschaft, tatsächlich zu helfen“, erzählt der alleinerziehende Familienvater schon nach den ersten Tagen der Spendenaktion.
Am Sonntag beispielsweise habe unvermittelt ein älteres Ehepaar vor der Tür des Einfamilienhauses gestanden mit einem großen Beutel Süßigkeiten für die Kinder und mit kleinen Gebrauchsartikeln wie Shampoo zum Beispiel. „Ich bin gerade platt“, sagt der 39-Jährige.
Ein Schicksalsschlag jagt den nächsten
Seit fünf Jahren ereilt die Familie ein Schicksalsschlag nach dem nächsten: Alles beginnt mit einem schweren Unfall – verursacht durch Glatteis. Er selbst wird dabei wie durch ein Wunder nur leicht verletzt. Das Auto aber ist ein Totalschaden. Ein mehr als 14 Jahre alter Opel mit sieben Sitzen wurde das neue Familienauto. Ein Jahr später verlässt ihn seine Frau, er bleibt mit den vier Kindern allein. Er erkrankt an einer Depression und erleidet einen Schlaganfall. Es folgen Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation. Dennoch bleiben Funktionen der linken Körperhälfte eingeschränkt. Eine Rückkehr in seinen Beruf als Ingenieur wird unmöglich. Im Oktober 2024 diagnostizieren die Ärzte bei ihm Krebs. Es folgen Operation und Chemotherapie.
Mit seiner aktuellen Spendenaktion will der Verein „Leser helfen“ die Familie unterstützen, sammelt Geld, um den derzeit größten Wunsch des Familienvaters erfüllen zu können: ein Auto, in dem die ganze Familie Platz findet, das er problemlos fahren kann und das „vielleicht mal länger hält als drei bis fünf Jahre“. Denn das bisherige Familienauto hat nach insgesamt 19 Jahren im September mit einem Motorschaden nun endgültig den Dienst quittiert.
Deshalb behilft er sich momentan mit einem Leihwagen. Denn Fahrten stehen regelmäßig an: Angefangen bei den Kontrollfahrten ins Klinikum nach Chemnitz über die Fahrten zur Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge in Annaberg-Buchholz beziehungsweise zur Grundschule nach Elterlein bis zu Fahrten zur Musikschule und zum Einkaufen. Dabei ist der Einstieg in das Auto zu hoch für den 100 Prozent schwerbehinderten Familienvater. Ihm fällt das Kuppeln und Schalten schwer. Deshalb würde er sich freuen, wenn das neue Auto eines mit Automatikschaltung wäre.
Momentan gibt es aber für den 39-Jährigen sowie für die 13-jährige Erika, den siebenjährigen Heinrich, den elfjährigen Friedemann und den neunjährigen August erst einmal einen ganz anderen Grund zur Freude: Eine Familie aus Lugau hat für den Weihnachtszirkus in Zwickau vier Karten erworben, kann aber nun die Veranstaltung nicht besuchen. Daraufhin hat die Familie beschlossen, ihre Karten den Hadlichs zu schenken. Ein Geschenk, das Johannes Hadlich fast die Sprache verschlägt, als er davon erfährt. „Da kann ich mit den Kindern endlich mal wieder etwas unternehmen“, sagt er. Denn die Lugauer würden Familie Hadlich auch noch nach Zwickau und wieder zurück bringen.
Zirkusbetreiber spendieren fehlende Karte
Damit die Familie komplett fahren kann, braucht es allerdings noch eine Karte. Da kommt Familie Friedrich ins Spiel, die sich vor sechs Jahren mit ihrem eigenen Weihnachtszirkus in ihrem Sachsenpalast einen Traum erfüllt haben. Die Gastgeber spendieren die noch fehlende fünfte Karte für Familie Hadlich. Als sie von deren Geschichte erfahren, gibt es für sie kein langes Überlegen: Die fehlende Karte wird mit passender Platznummer reserviert. Damit steht fest: Am 2. Januar machen die fünf Hadlichs einen Familienausflug in den Weihnachtszirkus nach Zwickau. (af) www.freiepresse.de/leserhelfen






