Warum es Geyers Schnitzer auf den Rathaus-Dachboden zieht

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Nach jahrzehntelangem Dornröschenschlaf wird eine riesige Laubsägearbeit wieder aufgebaut. Sie zeigt das Ulmer Münster. Gestiftet hat sie ein Nachfahre des ursprünglichen Erbauers. Wieso?

Geyer.

Wie viele Einzelteile es am Ende sein werden, das lässt sich nicht sagen. Stück für Stück holen Geyers Schnitzer die Bauteile einer riesigen Laubsägearbeit ans Licht, die Jahrzehnte in Kisten überdauert hat. Auf dem Dachboden des Rathauses sind sie dabei, eine Nachbildung des Ulmer Münsters wieder aufzubauen beziehungsweise erst einmal zu sichten, was noch erhalten ist. Auf das Ergebnis ist einer besonders gespannt: Sven Neumann, ein Nachfahre des einstigen Erbauers Robert Pfüller.

"Ich wusste schon als kleiner Junge, dass da auf dem Boden von meinem Opa Heinz besondere Kisten stehen", erzählt er. Doch der Inhalt war für ihn tabu. Die Nachbildung des Ulmer Münsters sei immer in Familienbesitz gewesen. Als Sven Neumann damit begann, das Haus seines Großvaters zu renovieren, geriet sie in sein Blickfeld. Nicht alles war verpackt, einiges habe er erst beim Rausreißen von Wänden entdeckt. "Die Grundplatte stand aber schon früher im Hausflur. Mein Opa hat dort immer seinen Arbeitskittel rangehängt", erzählt der 32-Jährige.

Nun versuchen Mitglieder von Geyers Schnitz- und Krippenverein, diese und den Rest wieder aufzuarbeiten. "Die große Platte ist ziemlich verbogen. Aber wir wollen versuchen, sie im Original zu erhalten", sagt der Vereinsvorsitzende Helmut Müller. Eine alte Anleitung dient den Schnitzern als Grundlage für das Projekt. An einer Wand haben sie zur Orientierung Fotos aus dem Museum Olbernhau aufgehängt, wo ebenfalls ein Ulmer Münster als Laubsägearbeit aus 3000 Einzelteilen steht. Warum ausgerechnet jenes Gebäude gleich mehrfach im Erzgebirge nachgebildet worden ist, dazu hat Sven Neumann eine Theorie. "Es ist das Gotteshaus mit dem größten Kirchturm der Welt", sagt er. Letzterer wurde 1890 fertiggestellt, misst 161,53 Meter. Offenbar war dieser Bau in der Zeit danach auch in der hiesigen christlichen Region sehr bekannt.

Das Geyerische Modell ist in den 1930er-Jahren entstanden, bringt es auf 2,60 Meter Länge, 2,75 Meter Höhe und etwa 1,50 Meter Breite. "Es besteht aus stabilem Buchenholz, die Teile werden ineinander gesteckt. Es ist wie ein Bausatz angelegt", sagt Helmut Müller. Allerdings muss alles gesichtet, vielleicht repariert und von einer Schmutzschicht befreit werden. "Größere Flächen können wir etwas abschleifen, bei den vielen Details wird es kniffliger", so Müller. Doch er und die anderen Schnitzer treffen sich nun Woche für Woche, um das Ganze wieder herzurichten. Das sei schon ein Haufen Arbeit und auch kompliziert. Zwar gibt es Nummern, "aber auf jedem Stück gleich drei".

Sven Neumann hat das Ulmer Münster aus dem Familienbesitz noch nie aufgebaut gesehen. Zum letzten Mal öffentlich gezeigt wurde es 1965 in einer Schnitz- und Pyramidenausstellung im Rathaus. Nach all den Jahrzehnten stellte sich nun die Frage: Was soll aus der Anlage werden? "Ich habe das mit meiner Tante besprochen", erzählt er. Es entstand der Wunsch, dass die riesige Laubsägearbeit wieder aufgebaut und auch gezeigt wird. "Ich allein würde das aber auf keinen Fall schaffen. Ich habe nicht das Werkzeug, das Können und den Enthusiasmus dafür", so der Erzgebirger. Daher holte er die Schnitzer ins Boot, will die Leihgabe als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen. Sie soll später ihren Platz in Geyers Lotterhof finden.

Zwar soll möglichst vieles im Originalzustand belassen werden. Aber in einem Punkt ist das laut dem Vereinsvorsitzenden Helmut Müller anders. "Die alte elektrische Beleuchtung wollen wir nicht mehr nutzen. Da werden wir was mit LEDs machen", sagt er.

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