Bandoneonfreunde treten letztmals öffentlich auf

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Sie sind und waren schon immer nur eine Gruppe von Musikern, die das Spiel der "Ziehkast'ln" beherrscht und zu ihrer Leidenschaft erklärt haben. Am Sonntag geben sie ihr letztes Konzert.

Grünhain/Erzgebirge.

Die Klänge eines Bandoneons oder einer Concertina gehen zu Herzen. Sofort denkt man an argentinischen Tango oder die vertrauten Klänge aus der Region, die auch der Bernsbacher Kurt-Herbert Richter hinterließ.

Diese und viele andere Lieder - von Anton Günther über Herbert Roth bis Hans Mosch - werden am Sonntagnachmittag auf dem Plateau des Spiegelwalds in Grünhain erklingen, wenn die Bandoneon- und Concertinafreunde aus dem Erzgebirge aufspielen. Und weil es sich bei beiden Instrumenten um sogenannte Handzuginstrumente handelt, sagt der Erzgebirger kurz "Ziehkastel" dazu. 14 Uhr geht es los, und es wird ihr letzter Auftritt sein. Das kündigt Karl-Heinz Graf an, der seit 2013 die Fäden der stets losen Gemeinschaft aus Spielfreunden aus dem Erzgebirge zusammenhält. Sie kommen aus Ehrenfriedersdorf, Beierfeld oder Erla-Crandorf zusammen, um zu musizieren.

"Leider ist es uns aus alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich, die Gruppe weiterzuführen", sagt Graf und bittet die Anhängerschaft um Verständnis. Alle der heute noch aktiven neun Mitglieder sind bereits weit über 60. "Der Dietz Werner aus Ehrenfriedersdorf ist schon 85", nennt er als Beispiel. Und Graf selbst sei auch schon 78, erzählt er: "Unser bislang ältester und aktiver Spieler war Erich Graupner. Der stand bis zu seinem 91. Lebensjahr mit uns auf der Bühne." Viele langjährige Mitstreiter leben nicht mehr, so Graf und nennt Namen wie Werner Hänel aus Grünstädtel, Horst Siegel aus Lichtenstein, Erich Seidenglanz aus Hermannsdorf und Rudi Vodel aus Pöhla, der musikalisch über viele Jahre den Ton angab.

Ins Leben gerufen wurde die Gruppe 2003 vom Thumer Jens Schmiedel, der damals mit seinem kleinen Sohn Paul auch den wohl jüngsten Concertinaspieler im Erzgebirge stets dabei hatte. Zehn Jahre später übernahm dann Karl-Heinz Graf die Organisation der "öffentlichen Proben", wie sie ihre Auftritte stets deklarierten. Denn: Ein Honorar hat die Spielerschar nie aufgerufen. "Wir haben es stets für uns und den Leuten zur Freude gemacht", so Graf. Rückblickend erinnert er sich gern an die beinahe schon legendären Nachmittage im "Staahaadler Aff" und an die Ausfahrten, die sie gemeinsam unternahmen, wie nach Prag und in den Thüringer Wald.

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