Nach Streit um Nazi-Symbole: Erste Entwürfe für Versöhnungsglocke

Lößnitz.

Jan Leichsenring spricht von einer Herzensangelegenheit. Vor einem Monat ist er mit der Idee an die Öffentlichkeit getreten, dem aus 23 Bronzeglocken bestehenden Carillon der Muhme eine symbolische 24. Versöhnungsglocke hinzuzufügen. Der Streit um Nazisymbole auf dem denkmalgeschützten Instrument im Turm der St. Johanniskirche hatte in der Lößnitzer Bürgerschaft Risse hinterlassen. Die neue Glocke soll sie kitten helfen.

Am Dienstagabend hat Leichsenring im Bürgerhaus am Markt gemeinsam mit seinen Mitstreitern Sören Wittstock und Gerd Schlesinger den Fahrplan zu einer Versöhnungsglocke vorgestellt. Diese soll die Informationstafeln ergänzen, mit denen die Stadtverwaltung künftig den historischen Kontext des Glockenspiels erklären will. Für die neue Glocke werden mindestens 5000 Euro benötigt, haben die Initiatoren ausgerechnet. Das Geld soll über eine Spendenaktion gesammelt werden. Der 24. Juni 2020 gilt als Stichtag. Gegossen im Herbst 2020 könnte die Versöhnungsglocke zum Lößnitzer Weihnachtsmarkt im nächsten Jahr erstmals öffentlich angeschlagen werden.

Insgesamt 20 Bürger waren gekommen, um sich über die Pläne zu informieren. Zustimmung ernteten die Entwürfe für die Glockenzier. Auf der Glockenkrone sollen die Figuren eines Mannes, einer Frau, eines Jungen und eines Mädchens die Bürgerschaft symbolisieren. Eine Trauernde mit Kranz soll für Mahnung, zwei sich nähernde Hände für Versöhnung stehen. Eine gebrochene Kette für den Streit, den es gab. (mu)

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    2
    Distelblüte
    01.11.2019

    @Malleo: Auf der Autobahnauffahrt steht allerdings keine Würdigung wie auf der Glocke. Solange die Naziglocke hängt und bespielt wird, ist die Versöhnungsglocke nur wie ein Pflaster auf einem Blinddarmdurchbruch.

  • 1
    2
    Malleo
    31.10.2019

    distel...
    Geheimhaltung von Reichsautobahnen auch nicht.
    Rückbau oder Erklärungsschild an jeder Auffahrt?

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    CPärchen
    31.10.2019

    Am Ende sollen es die Nutzer und Kirchensteuerzahler entscheiden, was passiert.

    Die gewählte Variante empfinde ich aber als sehr vernünftig. Man "sprengt" die Vergangenheit nicht weg, sondern setzt die Zeit fort.

  • 7
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    Distelblüte
    31.10.2019

    @Urlaub: Naziglocken lassen sich nicht ewig geheimhalten. Solche historischen Altlasten unter dem Deckel der Verschwiegenheit zu halten und zu ignorieren ist wie ein eitriger Pickel. Der geht auch nicht von alleine weg. Das muss aufgestochen und gereinigt werden.
    Ekliger Vergleich, ich weiß.

  • 11
    5
    Urlaub2020
    31.10.2019

    Wen ihr das nicht an die sprichwörtliche große Glocke gehängt hättet Wüste niemand davon typisch Deutsch



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