Wie Gornsdorfs neue Bürgerstiftung funktioniert

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Reiner Fischer hat seinem Heimatdorf viel Geld hinterlassen. Die Stiftung verschafft der Gemeinde mehr Spielraum bei Ausgaben - zum Beispiel für den Nachwuchs.

Gornsdorf.

Reiner Fischer wäre am heutigen Dienstag 83 Jahre alt geworden - auch wenn das Geburtsdatum, das auf seinem Grabstein zu lesen ist, auf ein höheres Alter schließen lässt. Dort steht: 1937- 2020. Demnach wäre er nun 84. Ein Fehler, dessen Entstehung sich bislang nicht vollständig aufklären ließ. Die "Freie Presse" hatte vor gut zwei Wochen über das bemerkenswerte Testament des verstorbenen Gornsdorfers berichtet. Das Dokument, das im Artikel abgebildet wurde, stand jedoch im Widerspruch zum Foto vom Grabstein. Andrea Arnold, Gornsdorfs Bürgermeisterin, versichert nun: Richtig sind die Daten, die im Testament eingetragen sind, also 1938-2020.

Fischers heutiger Geburtstag, der 5. Oktober, wurde als Gründungstag der neuen Bürgerstiftung Gornsdorf gewählt, weil diese ohne Fischers Geld nicht existieren könnte. In seinem Testament hatte er festgelegt, dass die Gemeinde Gornsdorf 100.000 Euro aus seinem Erbe erhält. Weitere 100.000 Euro hat er der Kirchgemeinde hinterlassen.

Noch hat die Bürgerstiftung Gornsdorf ihre Arbeit nicht aufgenommen. Andrea Arnold geht davon aus, dass die Mittel bis Ende 2021 ausgezahlt werden. Dann könne der Stiftungsrat zusammenkommen, um beispielsweise zu diskutieren, wie weitere Zustifter, etwa Firmen, zu gewinnen sind. Potenzielle Gönner hätten sich noch nicht gemeldet, sagt Arnold. Aber die Idee, Fischers Geld in eine Stiftung zu investieren, sei im Ort auf viel Zustimmung gestoßen.

Für den Umgang mit Spenden gilt: Wenn eine Spenderin einen konkreten Zweck nennt, gibt die Stiftung die Summe für genau diesen Zweck aus. Auch Beträge bis 499 Euro fließen grundsätzlich in die Ausgaben, die gemeinnützigen, kulturellen, sozialen und Umweltprojekten zugutekommen. Liegt die Summe über 499 Euro und wird kein Zweck genannt, fließen 80 Prozent ins Stammkapital und 20 Prozent in die Ausgaben.

Die Gemeinde hätte Fischers Geld theoretisch in den Haushalt übertragen können. Aber das, erzählte Arnold schon vor ein paar Wochen, wäre Fischer, diesem feinfühligen und intelligenten Menschen, der im Ort sehr beliebt war, nicht gerecht geworden. Deshalb die Stiftung. Laut Andrea Arnold hat dieses Konstrukt einen entscheidenden Vorteil: Die Gemeinde will damit auf lange Sicht ihre freiwilligen Leistungen sichern. Dazu zählen unter anderem das Baby-Begrüßungsgeld oder Auszeichnungen für Nachwuchssportler. Bei diesen Posten muss eine Gemeinde zuerst kürzen, wenn sie in finanzielle Schieflage gerät. Liegt das Geld aber auf dem Konto einer Stiftung, können die freiwilligen Leistungen unabhängig von der Haushaltslage der Gemeinde gezahlt werden.

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