Pragmatismus, bis es schmerzt

Wie es in Chemnitz zu einer Trauerfeier für einen Neonazi kommen konnte.

Chemnitz hat viel Talent. Das größte besteht derzeit darin, immer und immer wieder mit dem falschen Stück auf die Bühne zu drängen. Seht her, was ich alles fertigbringe! Eine Trauerfeier für einen Rechtsextremisten in einem stadteigenen, vom Steuerzahler subventionierten Fußballstadion. Wer bietet mehr?

Man kann den Sarkasmus nur schwer unterdrücken, der einen angesichts dieser Nachrichten überkommt. Gerade war es wieder ruhiger geworden nach den schrecklichen Ereignissen vom Spätsommer 2018. Man hielt das für die langsame Rückkehr der Normalität. Da feiert der CFC in seinem Stadion den verstorbenen Gründer einer berüchtigten Hooligan-Gruppe und einen der zentralen Köpfe der hiesigen Neonazi-Szene. Angeblich wusste sich der Verein nicht anders zu helfen, als dem "Wunsch" der Hooligan-Gruppen nachzukommen. Ob das stimmt oder eher einer Schutzbehauptung nahekommt, muss im Moment noch offen bleiben. Aber so wie so stellt sich die Frage: Was ist wirklich normal in dieser Stadt?

Fakt ist: Schon im August war die kurzfristige Mobilisierung tausender Menschen nach dem Tod von Daniel H. nicht ohne die rechten Netzwerke zu erklären, die in dieser Region seit langem zu Hause sind. Sie reichen von den Hooligan-Gruppen bis zum Unterstützernetzwerk des NSU. Über viele Jahre waren sie kaum wahrnehmbar, Mitglieder galten als geläutert. Doch der Samstag hat einmal mehr bewiesen, wie groß nach wie vor ihr Einfluss ist.

Doch wie geht das in einer Stadt, die behauptet, weder grau noch braun zu sein, die eine der größten Universitäten Ostdeutschlands und viele Technologiefirmen beheimatet? Die in Zukunft gern Europas Kulturhauptstadt wäre?

Die Antwort: Es ist ihr rigoroser Pragmatismus, dem es an Haltung fehlt. Unpolitisch, bis es schmerzt.

Wenn es immer nur darum geht, ob etwas funktioniert. Wenn es zum Beispiel egal ist, wer das Kind trainiert, Hauptsache es hängt nicht vorm Smartphone rum. Wenn man nicht wissen will, wer da eigentlich für vermeintliche Sicherheit sorgt. Wenn alles als legitim gilt, was den unmittelbaren Zweck erfüllt, dann kann das nicht nur zu wenig, sondern zutiefst schädlich sein für ein lebenswertes Stück Erde, wie es die Chemnitzer Region eigentlich ist. Dann kann es sie ruinieren.

Der "entpolitisierte" Umgang mit einem bekennenden Rechtsextremen, er war in diesem Fall zu vielen eigen. Dem Verein, Lokalpolitikern und leider auch unserem eigenen Haus, das die Sicherheitsfirma von Thomas H. für das Pressefest unter Vertrag hatte. Auch hier war es der Pragmatismus, dass die Firma ihren Job machte, der über den Widerspruch siegte.

Hooligans gibt es überall. Auch Rechtsextreme. Insofern ist Chemnitz keine Ausnahme. Besonders ist die Stadt, weil sie es scheinbar so hinnimmt, weil zu wenige Menschen zu sehen sind, die sich dagegen auflehnen. Wer Chemnitz endlich in einem anderen Licht erscheinen lassen will, der muss denjenigen Unterstützung bieten, die ein anderes Stück auf die Bühne bringen wollen. Er muss darin selbst auftreten.

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 10 Bewertungen
35Kommentare
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  • 4
    4
    BlackSheep
    13.03.2019

    @Freigeist14, und das fragen ausgerechnet Sie? Bei dem was ich geäußert habe geht es nicht um Glauben sondern Tatsachen. Würden Sie auch selber merken wenn sie mal über den Tellerrand schauen.

  • 6
    7
    Freigeist14
    13.03.2019

    Blacksheep@ " ...über Morde wird nur am Rande berichtet " . Glauben Sie eigentlich selber ,was Sie so vom Stapel lassen !?

  • 6
    7
    BlackSheep
    13.03.2019

    Interessierte hat doch Recht, über Morde wird nur am Rande berichtete und eine Trauerbekundung für einen rechten Fan zum Untergang des Abendlandes gemacht. Hier wird recht gut sichtbar warum Rechte zulauf haben, wenn Berichterstattung über aktuelles Tagesgeschen so abläuft, an der Wirklichkeit vieler Menschen vorbei, das ist doch klar das man woanders hingeht.

  • 3
    4
    Interessierte
    13.03.2019

    Und wenn in der einen Stadt das Problem ist und in der Nachbarstadt das gleiche Problem , dann ist das ja` ein gemeinsames Problem , was man aufgreifen sollte …

  • 8
    7
    Interessierte
    13.03.2019

    Es geht nicht darum , dass der MDR das nicht bringt , sondern darum , dass es immer und immer wieder Sachsen sein muß und neuerlich umso mehr "Chemnitz" - und man auf andere Städte gar nicht mehr schaut ...
    Vor paar Jahren waren es noch Clausnitz und Bautzen und die SSchweiz ...
    Was ist denn in Hessen , NRW , Bayern und NS in den Fußballstadien und auf den Straßen los , man guckt ja` diese Sender nicht so , man hat ja nur einen Kopf....

  • 11
    10
    Malleo
    12.03.2019

    Der Leitartikel des CR lässt keine Wünsche offen, schwer unterdrückbarer Sarkasmus für eine Trauerfeier jenes Verstorbenen, der in seiner politischen Einstellung offensichtlich nicht das Klischee lupenreiner Demokraten erfüllt.
    Dass der CFC, wie andere Clubs auch, in der Anhängerschaft rechts verortete Fans hat, die offensichtlich diese beim Club beherrschen, ist nicht zu leugnen.
    Das ist aber ein Umstand, der in einer pluralistischen Gesellschaft immer und überall vorkommen kann.
    Extremistisches Gedankengut und deren strafwürdige Folgen kann man per Gesetz ahnden, verbieten kann man es nicht.
    Wenn nunmehr der Club aber eine Strafanzeige gegen „unbekannt“ stellt, weil er sich „genötigt“ sah, diese zuzulassen, um Gewalt zu vermeiden, zeugt das von schlechten Stil, desaströser juristischer Beratung und man darf den Begriff ruhig aufnehmen- sie haben nichts verstanden!
    Wenn dieser Vorgang allerdings (genüsslich) zum Anlass genommen wird, dieser Stadt erneut zu bescheinigen, dass sie keine Haltung hat, sollte Widerspruch erlaubt sein.
    So gab es eine „falsche“ Haltung im August auf der Brückenstraße, der eine „richtige“ Haltung beim kostenlosen Konzert „Wir sind mehr“ folgte.
    Wer entscheidet darüber, welche die „wahre“ Haltung ist?
    Die Mehrheit?
    Wohl kaum.
    Eine Mehrheit entscheidet keineswegs über die Wahrheit, sondern allenfalls über Geltung.
    Um bei der Feststellung des Chefredakteurs zu bleiben: Welches (richtige) Stück soll denn auf der Bühne Chemnitz aufgeführt werden? Muss es regionalen oder darf es auch überregionalen Bezug haben?
    Darf es ein Stück des Politaktivisten Ruch mit dem Titel „Tötet Köppel“ (Straßenmagazin „Surprise“ 2015) sein, mit dem Schwerpunkten Denunziation, Täuschungen, schwarze Listen mit Vereinnahmung der „Nazis-raus“ Aktion der Co- Regisseurin Diekmann oder doch lieber die Story „Entfernung einer Gedenktafel für Carl Hahn sen.“ nachdem die links- grünen Historiker sich anmaßten, Vorgänge in der Vergangenheit nach heutigen Maßstäben zu beurteilen?
    (Mit C. Hahn jun. konnte ich zu diesem unerträglichen Vorgang in Ingolstadt persönlich sprechen)
    Vielleicht findet aber das dreiteilige Politdrama „Herbst 2015“, Autorin und Regisseurin Frau Merkel mit den inhaltlichen Schwerpunkten „Die postnationale, multikulturelle Gesellschaft“, „Abschaffung des freiheitlichen, säkularisierten Staates“ und „Wie spaltet man Europa“ den größten Zuspruch?
    Letzteres Drama findet jeden Tag statt und wird (auch) mit meinen Steuern finanziert.
    Das ist politisch schmerzhaft aber eine Demokratie schützt nur vor den Mängeln anderer Herrschaftsformen, nicht aber vor den eigenen.
    Zur Demokratie gehören aber auch Wahlen, vielleicht bekommen danach einige Regisseure in Berlin Berufsverbot und dürfen kein Stück mehr inszenieren.
    Und das lässt mich meine Schmerzen ertragen, wie den Pragmatismus der Chemnitzer.

  • 15
    1
    saxon1965
    12.03.2019

    Mal wieder zum Thema zurück...
    1.) Sollte man mal beleuchten, was der CFC gegenüber den Hooligans bzw. Thomas H. für "Verpflichtungen" hatte, dass man eine solche Trauerveranstaltung im Stadion abhält.
    2.) Welche Verknüpfungen da zwischen Hooligans, (Ex-) Fanbeauftragter, dem Verein und den Spielern bestehen.
    3.) Wohin OB Frau Ludwig abgetaucht ist?
    4.) Prinzipiell möchte ich anmerken, dass Hooligans für mich keine Fußballfans sind! Es geht um Sport und nicht um Randale.

  • 4
    5
    Hinterfragt
    12.03.2019

    @HHCL; "... begründet, wie ich zu diesem Schluss kam. ..."
    Da gibt es nichts zu begründen.

    Es ist hier in den Foren das Dauerproblem, dass man stellenweise nur darauf aus ist dem Gegenüber durch hineininterpretieren etwas zu unterstellen.

  • 8
    5
    HHCL
    12.03.2019

    @Deluxe: Ich hatte - glaube ich - begründet, wie ich zu diesem Schluss kam.

    Zeigen Sie mir mal einen meiner Kommentare, der nahelegt, das HH im meinem Nickname die Abkürzung für den deutschen Gruß sein könnte. Mal davon abgesehen, dass das so gar nicht genutzt wird, sondern eben die verklausuliert die 88.

    Ich habe auch nicht im Kaffeesatz gelesen, sondern die Kommentare des betreffenden Users.

  • 12
    1
    hartmann856
    12.03.2019

    @Interessierte
    Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist die Landesrundfunkanstalt für das Land Sachsen-Anhalt sowie für die Freistaaten Sachsen und Thüringen...
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutscher_Rundfunk

    Zudem steht es lokalen Sendeanstalten natürlich offen auch über überregionale Ereignisse zu berichten, die eine entsprechende Bedeutung haben.
    Da Morde und Vergewaltigungen, gerade, wenn sie von Ausländern begangen wurden, dankbar von rechtsradikalen bundesweit instrumentalisiert werden, ist es naheliegend, dass auch die lokalen Sendeanstalten dazu am Rande berichten.
    Nicht zuletzt mussten diese sich aus eben diesen Kreisen in letzter Zeit vermehrt den Vorwurf anhören, dass sie Straftaten von Ausländern verschweigen würden.

    Unabhängig davon ist Ihre Argumentationsweise purer Whataboutism.
    Wenn Sie zwei Kinder auf der Straße sehen un das eine schlägt dem andern ins Gesicht; dann stellen Sie diese sicherlich zur Rede? Wenn dann die Antwort lautet: Hat der Gestern auch gemacht, dann ist alles OK?

    Es geht in dem Kommentar um Chemnitz und nicht um Cottbus. Und ganz ehrlich, wenn ich an Cottbus denke, dann habe ich ein ganz ähnliches Bild betreffend ausgeprägte rechtsradikale Probleme in Kopf, wie es mittlerweile leider aber erwiesenermaßen zu Recht viele mit Chemnitz verbinden.
    Auch bundesweit sind in der Presse aktuell einige Artikel zu finden, die sich mit der Problematik in anderen Städten oder auch ganz generell im Fußball und der Hooliganszene beschäftigen. Manch einer meint gar die Lösung wäre, dass wir zu den rechtsradikalen Hooligans einfach noch linksradikale Hooligans in Chemnitz bräuchten.

    Dieser ganze Rechts-Links-Unsinn geht mir echt auf den Zeiger. Wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit Sachlichkeit, ein bisschen Empathie und Anstand?

  • 16
    1
    saxon1965
    12.03.2019

    @ Interessierte, auch wenn ich verstehen kann, dass sie das ungerecht finden, wenn über andere rechte Aktionen nicht gleichlautend berichtet wird. Was hier bei uns in Chemnitz geschehen ist, wird dadurch auch nicht besser.
    Es zeigt jedoch, dass die Bundespolitik gefragt ist, wenn man verhindern will, dass sich das Braun weiter ausbreitet.
    Und damit meine die Entziehung des Nährbodens, also der Ursachen!

  • 9
    8
    Deluxe
    12.03.2019

    Mein Kommentar ist zwar verlorengegangen, aber ich versuche es gern ein zweites Mal:

    Ich finde es seltsam, daß jemand Zahlenleserei betreibt und die 88 oder auch die 1924 politisch interpretiert, während er selbst den Name HHCL gewählt hat, in dem HH vorkommt.

    Man sollte bei dieser Art von Kaffeesatzleserei vielleicht auch langsam mal die Kirche im Dorfe lassen.

  • 1
    12
    Interessierte
    12.03.2019

    Warum bringt denn der MDRInfo dann Nachrichten von Thüringen - S.A. - Bayern-Hessen - NRW - Niedersachsen und von dem Mord von Mainz ????
    Vergewaltigung einer 14- und 11-Jährigen …
    Hier um 11.18
    https://www.mdr.de/mediathek/radio/mdr-aktuell/mdr-aktuell-radio-zum-nachhoeren-100.html#

  • 13
    4
    hartmann856
    12.03.2019

    @Interessierte: So richtig interessiert scheinen Sie ja nicht zu sein.

    Cottbus liegt in Brandenburg. Dort ist nicht der MDR der lokale dritte Fernsehsender, sondern der RBB. Von eben diesem verlinken Sie einen Artikel und behaupten im gleichen Atemzug das Geschriebene würde nirgend erwähnt?!

    Sie widersprechen sich direkt selbst und liefern auch noch die Quelle dazu und merken es nicht. Dicker kann das Brett vor dem Kopf wohl kaum sein.

  • 9
    1
    Freigeist14
    12.03.2019

    Malum89 ,das Sachsen ab 1932 braun wählte in der Mehrheit war keine Ausnahme ,die einen besonderen Hang der Bevölkerung widerspiegelte. Im November ´32 hatte noch die SPD im Raum Leipzig die Mehrheit .Bis auf die erzkatholischen Regionen Deutschlands und das rote Berlin wählte fast Gesamtdeutschland braun.

  • 5
    11
    Interessierte
    12.03.2019

    Dieses Bild gibt es auch von Cottbus …
    Warum das nirgends erwähnt wird , auch im MDR Info nicht , versteht man nicht ...
    https://mediathek.rbb-online.de/tv/Brandenburg-aktuell/Nazis-im-Fu%C3%9Fball/rbb-Fernsehen/Video?bcastId=3822126&documentId=61036540

  • 13
    0
    saxon1965
    12.03.2019

    @ HHCL: Da bin ich bei ihnen "Rechts und Links ist übrigens gar nicht das Problem (Anm.: ... und per se auch nicht verboten) , sondern wenn hinter beidem ein radikal steht."
    Es ist sicher dabei nicht ganz einfach sich als Gesellschaft zu positionieren. Auf der einen Seite darf Jeder denken was er will. Auf der anderen Seite schafft man auch durch voreilige Kriminalisierung gewissen Gedankengutes erst Kriminelle.
    Es könnte vielleicht ganz einfach sein, wenn Menschen das Gefühl hätten gerecht behandelt zu werden und keinen Grund mehr für Neid und Missgunst haben müssten.

  • 23
    1
    saxon1965
    12.03.2019

    Mittlerweile habe ich mich über Thomas H. belesen und ich muss mich auch sehr wundern, wie ein Sportverein sich so instrumentalisieren lässt. Was da im Stadion passiert ist, war weder eine private Kondolenz noch galt sie einem verdienten Vereinsmitglied, denn man musste doch bedenken von wem man da in der Vergangenheit Dienste und Unterstützung angenommen hatte.
    Auch kann ich dem Argument der Erpressung nicht folgen. Da hätte es doch Möglichkeiten der Gegenwehr gegeben.
    So kocht jedenfalls, wieder einmal in Chemnitz mit Chemnitzern und ihren Gästen, das Thema rechte Gesinnung, Rechtsextremisten und rechte Gewalt hoch. Bei aller Ablehnung dieses Gedankengutes, muss sich ein Staat und deren Verantwortlichen aber auch die Frage stellen, was sind die Ursachen für das Erstarken des rechten Randes der Gesellschaft. Natürlich sind die Ursachen primär. Auch damals gab es Gründe für den starken Zulauf der Nationalsozialisten.
    Für mich persönlich sind die Ursachen hauptsächlich in der Asylpolitik, den Ereignissen im Jahr 2015 und bis heute zu sehen. Dazu kommt noch eine höchst unsoziale Gesellschaftsform und in weiten Teilen unehrliche und korrupte Politiker. Immer mehr Menschen fühlen sich ungerecht behandelt und abgehängt.
    Niemand wird als Rechtsextremist geboren.

  • 15
    5
    HHCL
    12.03.2019

    @881924: Sollte dieser Name tatsächlich durch Zufall entstanden sein, bitte ich um Entschuldigung. Aber so richtig glaube ich einfach nicht daran.

    Zu ihrem aktuellen Beitrag: Es ist schon interessant, dass ihre Erwiderung auf das Beispiel von Distelblüte ist, er möge doch kriminelle Ausländer bei sich zu Hause aufnehmen.

    Er berichtete von einem jungen Kollegen, der mit "Heil ..." grüßt und niemand etwas dagegen sagte. Was hat das mit kriminellen Ausländern zu tun? Ihrer Meinung nach ist das offenbar völlig in Ordnung mit deutschem Gruß früh in den Betrieb zu gehen. Vielleicht informieren Sie sich mal was Leute, die so grüßten für einen Schaden angerichtet haben. Deutschland war zerstört, am Boden, jahrzehntelang geteilt! Millionen Menschen waren tot.

    "Und übrigens ich bin nicht rechts nur weil ich sage das z.B. straffällige Ausländer abgeschoben werden müssen! Und wenn ein Freund oder Kollege dann meint nein müssen sie nicht dann ist das doch okay in einer Demokratie aber er kann sie dann auch gerne Zuhause aufnehmen und mit guten Beispiel vorangehen."

    Sehen Sie und genau das ist dann meiner Meinung nach doch rechts. In diesem Staat gilt für alle das gleiche Recht. Ich habe ehrlich gesagt noch nie gehört, man möge bitte einen deutschen Kriminellen bei sich zu Hause aufnehmen, wenn man dessen Haftstrafe kritisiert. Dieses Argument kommt immer nur bei Ausländern. Sie erwarten unterschiedliche Behandlung und setzen andere Maßstäbe aufgrund der Herkunft.

    Was die "straffälligen Ausländer" betrifft: Ich bin auch dafür, dass diese Leute gehen müssen, wenn Sie gegen ihre Aufenthaltsbestimmungen verstoßen haben und halte das Vorgehen des Staates diesbezüglich oft für problematisch. Das geht mir aber auch bei deutschen Intensivtätern so, gegen die aus meiner Sicht auch nicht wirklich effektiv durchgegriffen wird. Mich stört der Umgang mit massiv straffälligen Leuten also unabhängig von deren Herkunft. Das ist der Unterschied.
    Die erste Frage von rechtsaußen beschäftigt sich immer mit der Herkunft und die weitere Meinung wird dann daran orientiert. Jeder der so argumentiert muss sich meiner Meinung nach die entsprechende Zuordnung gefallen lassen. Auch die links-grüne Zuschreibung "Ausländer = grundsätzlich gut" ist nicht hinnehmbar und schadet diesem Land ebenso. (Im Grunde ist sie auch rassistisch.) Rechts und Links ist übrigens gar nicht das Problem, sondern wenn hinter beidem ein radikal steht.

    Ich muss in Chemnitz nicht auf die Antifa achten; die ist hier bedeutungslos. Wenn ich in Hamburg oder Leipzig leben würde, wäre das anders. Darum geht es hier aber nicht. Es geht um den Chemnitzer Fußballclub und die Stadt Chemnitz und die Antifa bzw. Linksextreme treten hier kaum in Erscheinung. Zuletzt bei dem Konzert "Wir sind mehr", dass ich hier ausreichend kritisiert habe. Das war aber nach wenigen Stunden erledigt und ist nicht das generelle Problem dieser Stadt. Hier demonstrierten auch nicht viele Wochen lang immer freitags die Antifa. Dass Rechtsaußen offenbar weite teile des örtlichen Fußballclubs lenken, ist das Problem.

  • 14
    7
    hartmann856
    12.03.2019

    @Distelblüte: Danke für die Differenzierung. Ich stimme Ihnen da voll und ganz zu. Was ich zum Ausdruck bringen wollte war, dass ich mich ärgere, wenn von offizieller Seite gefordert wird, dass die Bürger sich dem Problem annehmen sollen. In dem Format wie Sie es beschrieben haben ist das absolut machbar und meines Erachtens eine Selbstverständlichkeit. Ich fühle mich hier in dieser Stadt leider aber doch bis zu weilen allein gelassen. Nach dem Mord im Sommer hat es nach meiner Wahrnehmung tatsächlich drei Tage gedauert, bis eine angemessene Polizeipräsenz zugegen war. Die Offiziellen waren auf Kuschelkurs gegangen (Kretschmer), haben die Vorfälle relativiert (Die Stadt Chemnitz) oder gar abstruse Verschwörungstheorien befeuert (Maßen). Die Rassisten hatten es geschafft, die ganze Aufarbeitung der Ereignisse mit der Konzentration auf einen einzigen Begriff ad absurdum zu führen. Großes Lob in dieser Sache noch einmal an die FP, die auf diese Nebelkerze konsequent und ganz im Gegensatz zu einem Großteil der Medienlandschaft bis zuletzt nicht angesprungen ist. Es ist für mich nicht akzeptabel, dass sich offizielle Instanzen mit Vereinigungen arrangieren die außerhalb unserer Verfassung agieren und die sich zu einer Ideologie bekennen, die in der deutschen Vergangenheit die systematische, industrielle Ermordung von Millionen von Menschen impliziert hat. Wie kann es sein, dass diese "Sicherheitsfirma" deren Inhaber ein stadtbekannter, bekennender Neonazi und Rassist war, offizielle Aufträge von der Stadt, vom CFC und von der FP erhalten hatte? Ich fordere, dass hier der Finger in die Wunde gelegt wird und ich fordere Unterstützung von Stadt, Land, Bund und Verfassungsschutz. Der Rechtsstaat kommt in meinen Augen seiner Verantwortung in Chemnitz nur zu langsam und mangelhaft nach.

  • 2
    6
    Hinterfragt
    12.03.2019

    @argus; Warum erst zum ORF schauen?

    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/tom-buhrow-distanziert-sich-von-framing-manual-fuer-die-ard-a-1254886.html

  • 10
    1
    HHCL
    12.03.2019

    @argus: Wer sind "Wir"? Sollten Sie die Leser meinen, zu denen ich gehöre: Ich spreche schon ganz gern selbstständig für mich.

  • 8
    15
    881924
    12.03.2019

    @Distelblüte: und genau so kann und sollte man dann aber auch gegen Linksextreme Antifa und co ankämpfen. Denn diese Gruppierungen sind zum Teil noch schlimmer, immer nur auf die ach so schlimmen Rechten zu hauen ist doch etwas zu einfach.

    Und übrigens ich bin nicht rechts nur weil ich sage das z.B. straffällige Ausländer abgeschoben werden müssen! Und wenn ein Freund oder Kollege dann meint nein müssen sie nicht dann ist das doch okay in einer Demokratie aber er kann sie dann auch gerne Zuhause aufnehmen und mit guten Beispiel vorangehen. Wissen Sie wie oft das schon vorgekommen ist? genau null mal! dann waren immer alle still.

  • 17
    2
    521672
    12.03.2019

    Hierzulande scheint mittlerweile ein Klima mit Parallelen zu den späten zwanziger Jahren entstanden zu sein. Einen Hauptgrund dafür sehe ich in nun fast 30-jähriger Allein- bzw. Dominanzherrschaft einer Partei in Sachsen und der Behauptung von „König Kurt“, Sachsen sei „immun“ gegen rechte Gesinnung. Diese Regierungshaltung führte dazu, dass sich feste Strukturen etablieren konnten und weite Teile der Bevölkerung eine dementsprechende Geisteshaltung haben. Insofern scheint es nicht weit hergeholt, dass rechte Kreise entsprechenden Druck zur Durchsetzung ihrer Forderungen aufbauen - subtiler wird da wegen der gesellschaftlichen Grundstimmung bereits ausreichen.
    Neulich hörte ich in einem Vortrag einer Person, die m. E. weiß, wovon sie sprach, dass jüdische Mitbürger in Sachsens Landeshauptstadt bereits wieder an das Kofferpacken denken. Ich finde diese Entwicklung mehr als bedenklich.

  • 10
    5
    argus
    12.03.2019

    Sehr geehrter Herr Chefredakteur,
    ja wir müssen in diesem „Stück“ bei jeder Gelegenheit selber auftreten – noch können und dürfen wir es.
    Wir danken Ihnen für diesen nüchternen und unaufgeregten Kommentar zu unserer Stadt und ihren Bürgern. Und wir sind sehr froh darüber, dass Ihre Zeitung mit ihren Redakteuren uns Leser (noch) immer ausgewogen und selbstbewusst-kritisch informiert.
    Eigentlich eine Selbstverständlichkeit? Bald nicht mehr - bei unserem Nachbarn und schon lange nicht mehr im Osten usw.

    P.S.: Wien – ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat am Freitag die bereits seit Jahren diskutierten neuen "ORF-Social-Media-Leitlinien" vorgelegt und auch gleich eine entsprechende Dienstanweisung an die Belegschaft des öffentlich-rechtlichen Senders übermittelt. ORF-Mitarbeiter sollen künftig bei Äußerungen auf Twitter oder Facebook auf Objektivität, Ausgewogenheit und Glaubwürdigkeit achten, so die Vorgabe.

    „DIENSTANWEISUNG DES GENERALDIREKTORS Nr. 4/19 vom 6.3.2019
    Geltungsbereich: ORF und Tochtergesellschaften
    von: Dr. Alexander Wrabetz

    Siehe auch. https://www.arminwolf.at/

  • 5
    0
    Malum89
    12.03.2019

    @Freigeist14, das mit dem Kernland der Sozialdemokratie stimmt bis etwa 1930, danach wurde es braun in Sachsen. Bei der ersten Reichstagswahl im Jahr 1932 bekam die NSDAP in Sachsen 41 Prozent, bei der zweiten im Herbst 1932 knapp 37 Prozent. Damit war sie deutlich stärkste Partei. Und die HJ z. B. wurde in Plauen gegründet. http://www.gonschior.de/weimar/Sachsen/Uebersicht_RTW.html

  • 22
    2
    Distelblüte
    12.03.2019

    @Hartmann856: Ich Stimme Ihrem Kommentar in den meisten Punkten zu. Aber ich denke, der letzten Absatz des Leitartikels war anders gemeint. Es geht nicht darum, sich rechten Schlägern im Straßenkampf entgegen zu stellen.
    Aber im Alltag NICHT zu schweigen, wenn Nachbarn, Freunde oder Kollegen meinen, das sei doch alles nicht so schlimm, keiner sei gleich rechts, wenn er mal deutlich sage, dass die Ausländer.... Usw. Da zu schweigen wird oft als Zustimmung gewertet. Ich riskiere lieber einen Streit, als um des lieben Friedens still zu sein.
    Ein Beispiel aus dem Betrieb meines Mannes: einer seiner jungen Kollegen grüßte morgens mit "Heil...". Keiner der Kollegen machte eine Bemerkung dazu. Ein absoluter Fehler. Der junge Kollege wird sich wohl gefreut haben, mit was er alles so durchkommt. Richtig wäre gewesen, ihn zur Rede zu stellen, den Chef zu informieren und das Thema offen zu kommunizieren.
    Eine unpolitische Haltung hat der rechten Szene erst ermöglicht, hier so stark zu werden. Sie hat ja nichts zu befürchten.
    Ich finde, es hat etwas mit Anstand zu tun, sich gegen rechte Auswüchse zu engagieren. Die meisten von uns waren viel zu lange still.

  • 3
    20
    Hinterfragt
    12.03.2019

    Pragmatismus, bis es schmerzt - ganz deutlich zu sehen ...

    "....zudem wurde eine Art Schweigeminute abgehalten, ein schwarzes Kreuz und ein Transparent waren ausgerollt worden, wie TV-Bilder zeigen. ..."

    Selbst im S/W - Fernseher gibt es nicht das beschriebene Bild.
    Qualitätsmedien vom Feinsten ...

    https://www.freiepresse.de/chemnitz/nach-trauerfeier-fuer-neonazi-cfc-trennt-sich-von-weiteren-mitarbeitern-artikel10465934

  • 19
    3
    Freigeist14
    12.03.2019

    Malum89 , ich muss Ihnen widersprechen ,daß Sachsen eine der frühen braunen Regionen schon vor 1933 war . Denn das waren Thüringen ,Ostpreussen ,Oberschlesien und natürlich München . Sachsen war das Kernland der Sozialdemokratie !

  • 9
    22
    881924
    11.03.2019

    Wie tief ihre haltlosen Vorurteile und die Abneigung gegen alles was nicht links ist sind sieht man schon an der Dummheit mir zu unterstellen das mein Nutzername bewusst gewählt wurde, es ist einzig und allein ein Produkt der FP.

    Auf den Rest von ihnen gehe ich daher gar nicht erst ein. Leben Sie weiter in ihrer Bunten Welt ohne Angst und ich in meiner mit offenen Augen, in 10 Jahren werden wir sehen wer Recht hatte.

  • 39
    19
    Malum89
    11.03.2019

    @881924 - Sie erwarten also "neutrale Berichterstattung" über Nazis?? Das ist ja gerade das Problem - Nazis und Rassisten sind einfach ekelhaft, da kann es keine zweite Meinung, keine Neutralität und keinen Pragmatismus geben. Den Kommentar haben Sie offenbar nicht verstanden, wollen Sie möglicherweise auch gar nicht. Warum gibt es so viele Nazis in Chemnitz (oder "gut rechts", wie Sie es nennen)? Wahrscheinlich, weil sich ihnen kaum jemand entgegenstellt, weil die CDU in Sachsen seit jeher auf dem rechten Auge blind ist, weil nach der Wende viele sozial abgestürzt und verwahrlost sind. Und nicht zuletzt wohl auch, weil die Nazis in Sachsen von jeher stark waren - eine der braunsten Regionen Deutschlands schon 1932. Das prägt, das wurde in der DDR nicht aufgearbeitet (da gabs sowas ja nur im Westen) und das trägt jetzt wieder übelriechende braune Früchte. Damals "wehrte" man sich gegen Juden, heute halt gegen Moslems - und der Hass auf Linke ist durchgängig geblieben. Der Schoß ist fruchtbar noch . . .

  • 36
    11
    HHCL
    11.03.2019

    @881924: Diese unglaubliche Verlogenheit der Argumentation: Für Sie bedeutet es Öl ins Feuer zu gießen, wenn man über reale Vorgänge in dieser Stadt berichtet bzw. diese kommentiert. Das hat dann nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, die Sie aber für die Trauerfeier in Anspruch nehmen wollen und einfordern. Für Ihre Meinung gelte die Meinungsfreiheit, andere Meinung verunglimpfen Sie.

    Dazu noch die dreiste Unterstellung, niemand habe nach dem Tod von Daniel H. nach dem "Warum?" gefragt. Das ist passiert; auch hier in dieser Zeitung, die außerdem im Gegensatz zu vielen anderen eben nicht unkritisch den Begriff "Hetzjagd" gebrauchte.

    Dazu dann auch wieder die Unterstellung, dass nur die, die damals durch die Straßen zogen "Bürger" seien. Es sind nicht DIE Bürger auf die Straße gegangen sondern einige Bürger. Nicht wenige sahen und sehen das kritisch und diese Leute sind auch Chemnitzer. Für diese Leute sprechen Sie nicht 881924! Auch wenn Sie sich dass immer herausnehmen.

    Sie beklagen, dass viel zu selten nach dem "Warum?" gefragt werde. Dann fangen Sie doch mal an und erklären Sie mal, warum Sie vor allem Angst haben, was nicht rechts und aus Karl-Marx-Stadt kommt. Warum für Sie nur "neutrale Berichterstattung" ist, was rechts ist, fremdes verteufelt und theatralischen Inszenierungen huldigt.

    Ihr Nutzernamen 88 1924 sagt ja wohl dann auch eigentlich schon alles. (Ich glaube nicht, dass dieser ein Zufallsprodukt ist.) Das jemand der sich hinter so einer Zahlenfolge verschanzt, glaubt für alle Chemnitzer Bürger sprechen zu können, ist das Ergebnis von genau der Haltung, die in dem - meiner Meinung nach - sehr treffenden Kommentar kritisiert wird.

    Für Chemnitz könnte es schon zu spät sein, wenn ich so lese und beobachte, was hier läuft.

  • 37
    9
    hartmann856
    11.03.2019

    Bis zum letzten Absatz geh ich mit. Aber warum soll sich der normale Bürger und Familienvater bitte schön Rassisten und Nazis entgegenstellen? Wie genau sieht da der Austausch der Argumente aus? Wir normalen Leute sollen uns also von zutätowierten Stiernacken in Jogginghosen die Fresse polieren lassen, während unser Ministerpräsident freundlich anregt, dass man sich doch vielleicht darauf einigen könnte, dass der Nazigruß nicht OK wäre? Und dass mit 2 Limousinenbesatzungen Personenschutz um ihn rum, die wir bezahlen? Für was haben wir bitte Verfassungsschutz und Polizei?

  • 35
    13
    osgar
    11.03.2019

    Nö @88, zu den Ereignissen vom WE kann es keine zweite Sichtweise geben.

  • 23
    45
    881924
    11.03.2019

    Dann bitte Herr Kleditzsch fangen Sie doch mal an Chemnitz in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Am WE hat sich wieder mal gezeigt das die FP genau so ÖL ins Feuer gießt wie Mopo, Bild Tagesschau und Co. Berichten Sie doch mal neutraler gerade von den Ereignissen am WE gibt es auch min. eine zweite Sichtweise die aber kaum jemand beurteilen kann der sich nicht min 20 Jahre mit dem CFC der letzten Jahre auseinander gesetzt hat von miterlebt gar nicht erst zu sprechen.

    Die Frage die viel zu selten gestellt wird ist das warum. Ich denke an 2018 und alles rund um den Tot von Daniel niemand fragt nach dem warum. Warum sind die Bürger denn auf die Straße gegangen? Warum sind wir in Chemnitz gut rechts aufgestellt? Warum haben die Menschen die Nase voll? Suchen sie nach den Ursachen!



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