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"Leser helfen": Ein Alltag voller Sorge und Liebe

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Früher hat Gabriela Dolge aus Borstendorf als Altenpflegerin vielen geholfen. Inzwischen dreht sich ihr Leben nur noch um einen Patienten - ihren Sohn Max. Mit der Aktion "Leser helfen" wird Geld gesammelt, um beim Kauf eines behindertengerechtenAutos zu unterstützen.

Borstendorf.

Als gelernte Altenpflegerin hätte Gabriela Dolge gute Aussichten, einen Job zu finden. "Ich würde ja auch gerne arbeiten", sagt die Borstendorferin, die sich allerdings auf die Pflege eines Menschen konzentriert: Max. Weil ihr Sohn an einer Fehlbildung im Gehirn und einer neuromuskulären Störung leidet, kann er auch mit zehn Jahren weder sprechen noch laufen oder sitzen. Eine stark ausgeprägte Epilepsie macht alles noch schlimmer. "Die Anfälle können jederzeit passieren", sagt Gabriela Dolge, die deshalb rund um die Uhr für Max da ist. Selbst, wenn er vormittags in einer Sonderschule für schwerbehinderte Menschen ist, sitzt die Mutter auf Abruf bereit. Ihr kompletter Alltag ist auf die Betreuung des Jungen ausgerichtet.

Morgens, 6.30 Uhr, klingelt der Wecker. Zwar kommt das Taxi, das Max zum Terra Nova Campus nach Chemnitz bringt, erst 8.15 Uhr. Aber Frühstück, Waschen und Anziehen - das alles braucht seine Zeit. Ist Max dann auf dem Weg, könnte Gabriela Dolge theoretisch kurz ausspannen. Ihr Mann Sven Dolge ist auf Arbeit, die 17-jährige Tochter Vanessa absolviert eine Ausbildung. Im Borstendorfer Haus, an dem die Familie viel zu bauen hat und unter anderem einen Treppenlift installieren will, ist es ruhig. "Aber ich finde keine Ruhe", sagt die Mutter: "Ständig muss ich an Max denken und daran, wie es ihm gerade geht." Trotz jahrelanger Untersuchungen haben die Ärzte noch nicht die richtigen Medikamente gegen diese besonders schwere Form der Epilepsie gefunden. So wie die Ärzte nie eine Antwort auf die Frage geben konnten, warum ihren Sohn dieses schwere Schicksal ereilte, so warten die Dolges bislang auch vergeblich auf die passenden Tabletten.

"Die Anfälle sind nicht weniger geworden, aber immerhin nicht mehr ganz so schlimm", sagt Gabriela Dolge. Im November musste Max zwar einmal sogar in die Notaufnahme gebracht werden, weil er immer mehr verkrampfte. Ansonsten waren die Nachrichten, die ihr die Betreuerin von Max jeden Mittag schickt, aber beruhigend. "Sie erzählt immer, was sie gerade gemacht haben." Für die Mutter ist das wichtig, denn wenn sie Max gegen 14.45 Uhr wieder aus dem Taxi hebt und die Treppe hinauf in die Wohnung trägt, kann er ihr nichts von seinen Erlebnissen berichten. Umso mehr Bedeutung hat sein Gesichtsausdruck, denn der gewährt durchaus Einblicke in sein Seelenleben. Am häufigsten ist ein Lächeln zu erkennen, wenn er auf dem Teppich im Wohnzimmer liegt. "Da freut er sich immer, denn hier kann er sich bewegen und hier hat er sein Spielzeug", berichtet die Mutter. Auch die Bewegung wird dort angeregt, denn nur indem er sich rollt, kommt Max vorwärts.

Im Kinderwagen, in den der Zehnjährige mit seinen 16 Kilogramm Körpergewicht noch passt, fühlt er sich dagegen mitunter eingeengt. "Wenn wir in den Urlaub fahren, ist das schwierig", erzählt Gabriela Dolge. Die Ausflüge lässt sich die Familie trotzdem nicht nehmen. So ging es dieses Jahr nach Kroatien. Auch die Ostsee oder die tschechische Heimat von Gabriela Dolge sind ihre beliebten Ziele. Solche Abwechslung ist nötig, auch wenn sich die Mutter seit der Geburt von Max längst an den Alltag in Borstendorf gewöhnt hat. Zu dem gehört auch der Spaziergang am Nachmittag. Die tägliche Runde führt die beiden oft den Schachwanderweg entlang hinaus in die nahe gelegene Natur. Auch Max scheint sich dort wohlzufühlen, denn das Sitzen im Kinderwagen stört ihn bei diesen Ausflügen nicht.

Beim Einkaufen ist Max ebenfalls dabei. Da geht es Gabriela Dolge wie mit dem Urlaub: "Ohne Max fahre ich nicht." So hat sie die Sicherheit, sofort helfen zu können, wenn es etwas passiert. Vor allem im Winter kann das nötig sein, wenn schon leichte Erkältungen zur Gefahr werden. Da Max nicht ausschnauben oder abhusten kann, wird der Sauerstoff manchmal knapp. "Dafür haben wir ein Beatmungsgerät", sagt die Mutter und zeigt auf die Technik, die jede Nacht gebraucht wird, weil ab und zu die Atmung von Max aussetzt. Doch ehe der Zehnjährige ins Bett gelegt wird, ist ein gemeinsames Abendbrot angesagt. Meistens werden Schnitten geschmiert, doch ein Ass hat die 42-Jährige dann immer noch im Ärmel, um die Augen von Max noch einmal leuchten zu lassen. "Kartoffeln mit Spinat und Ei, das ist sein Lieblingsessen."


Informationen zum Spenden

Für seine diesjährige große Spendenaktion hat der Verein "Leser helfen" neun regionale Hilfsprojekte ausgewählt. Profitieren werden von den Spenden in erster Linie Menschen, die schwerstbehindert sind und deren Alltag beziehungsweise deren Betreuung und Pflege zumindest erleichtert werden soll. Zudem fördert der Verein soziale Projekte, für die es aus staatlichen Töpfen kein Geld gibt, die aber eine Unterstützung verdienen. Allein bei den Spendenaktionen in der Adventszeit 2021 kamen mehr als 510.000 Euro zusammen.

Informationen über die aktuellen Hilfsprojekte finden Sie im Onlineangebot der "Freien Presse" im Internet. Hier haben Sie als Leser zugleich die Möglichkeit, Ihre Spende direkt zu überweisen.

 

Sie können zudem mit Angabe des jeweiligen Projektes oder projektungebunden als freie Spende Geld überweisen an:
Verein "Leser helfen"
IBAN: DE47 8709 6214 0224 4224 40

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