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Grünen-Kandidatin Lea Fränzle: Die grüne Weltveränderin

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Lea Fränzle aus Freiberg ist die jüngste Direktkandidatin im Wahlkreis Mittelsachsen zur Bundestagswahl.

Flöha.

"Welt verändern" steht auf einem der Armbänder, die Lea Fränzle am linken Handgelenk trägt. Die Farbe des Stoffs ist schon etwas verblasst. Doch die Losung auf Band, welches von einem Kongress der Grünen Jugend stamme, hat für die 24-Jährige nichts an Strahlkraft eingebüßt. Im Jahr 2015 mit Beginn ihres Studiums habe sie sich der Grünen Jugend angeschlossen, weil sie sich bei Themen der Energie- und Umweltpolitik engagieren wollte. "Das war für mich eine Art Interessengemeinschaft", sagt die gebürtige Leipzigerin. Erst später habe sie zu den gesellschaftspolitischen Themen und damit zur Partei Bündnis 90/Die Grünen gefunden. Umwelt- und Energiepolitik sind ihr aber bis heute wichtig, zum Beispiel, wenn sie als Kreisrätin in Mittelsachsen für den Ausbau der erneuerbaren Energien wirbt. Und sie in der Debatte um Auflagen für den Bau von Windrädern auch mal aufbrausend reagiert, weil "vielen Älteren der Zustand des Planeten egal ist".

Die sonst eher faktenorientiert argumentierende Nachwuchspolitikerin, die sich nun um das Direktmandat für den Bundestag im Wahlkreis Mittelsachsen bewirbt, hat sich im Lager der politischen Wettbewerber durchaus schon einen Namen gemacht, der mit Eigenschaften wie selbstbewusst und unnachgiebig verknüpft ist. Sie habe kein Feindbild wie das von den sogenannten "alten, weißen Männern". Aber das Klischee sei im Kern öfters auch in der Regionalpolitik anzutreffen, sagt die jüngste der sechs Frauen und Männer, die als Direktkandidaten im Wahlkreis 161 nominiert sind.

Bei den Bündnisgrünen spiele das Alter aber keine Rolle, genauso wenig wie ein bestimmter Dresscode. "Da sind wir auf einer Ebene. Und nur weil ich jung und eine Frau bin, sind das keine Gründe, mich im politischen Engagement zurückzuhalten oder mich einschüchtern zu lassen."

Und mitmischen darf sie bei den Grünen in Mittelsachsen längst. So ist Lea Fränzle im Jahr 2018 Geschäftsführerin in Teilzeit des Grünen-Kreisverbandes geworden, unter anderem um Strukturen in der Partei aufzubauen. Ein Jahr später zog die angehende Umweltingenieurin als jüngste Kreisrätin in den mittelsächsischen Kreistag ein und ist seither Teil der fünfköpfigen Fraktion. Mit mehr als 88 Prozent der Stimmen haben Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen sie im März dieses Jahres als Bundestagskandidatin nominiert.

Den Rückhalt für diese Bewerbung habe sie nicht nur in der Partei, sondern auch in der Familie, von den Eltern und ihrem Bruder, erklärt die ledige junge Frau. Ihr Elternhaus beschreibt Lea Fränzle als "politisch, aber nicht parteipolitisch". Sie sei das einzige Familienmitglied, welches einer Partei angehört. "Für mich hat sich das mit 19 Jahren so ergeben, es erschien mir als natürliche Variante", erzählt die 24-Jährige. Bis zu ihrem Abitur an einem Gymnasium mit einem vertieften mathematisch-naturwissenschaftlichen Profil in Leipzig habe sie sich unter anderem bei No-Legida-Demos und der Jugendverbandsarbeit engagiert. Dieser Einsatz habe sich nach Beginn des Studiums an der TU Bergakademie Freiberg fortgesetzt, so als Sprecherin der Grünen Jugend Freiberg sowie im Landesparteirat der Grünen.

Für die Bewerbung um ein Kreistagsmandat musste man sie nicht überreden. "Ich hatte Lust auf die parlamentarische Arbeit in diesem kleinerem Rahmen und wollte Repräsentantin der jungen Menschen sein", sagt Lea Fränzle. In einem Landkreis mit zwei Hochschulen halte sie es auch für naheliegend und selbstverständlich, dass Studierende in dem politischen Gremium Mittelsachsens vertreten sind. Sie wolle sich für die Energiewende auf lokaler Ebene, im konkreten Fall im Umweltausschuss des Kreistags, einsetzen.

Bei der Kandidatur für den Bundestag gehe es ihr nicht um "Karrierebestrebung", auch wenn die Prognosen für ihre Partei insgesamt zuletzt gut ausgefallen sind. "Es freut mich, dass es in der Breite ankommt, dass wir beim Klimawandel handeln müssen", sagte Lea Fränzle. Bei der Aufstellung der Landesliste der Bündnisgrünen in Sachsen sei sie bewusst auf dem wenig aussichtsreichen Platz neun eingestiegen. "Ich habe mich aber direkt im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerberinnen durchgesetzt, worauf ich schon ein bisschen stolz bin und was man als Signal des Rückhalts im Landesverband werten kann." Mit der entsprechenden Anzahl an Zweitstimmen machen sich die Grünen im Freistaat Hoffnung, drei Mandate zu erringen. Die ersten drei Plätze der sächsischen Landesliste für die Bundestagswahl 2021 sind von Vertretern der Kreisverbände Chemnitz, Leipzig und Dresden besetzt.

Sollte sie nicht das Direktmandat für den Bundestag erreichen, kann sich Lea Fränzle vorstellen, künftig als Projektingenieurin in einem Büro zu arbeiten, so wie es schon im Praxissemester getan hat. Derzeit schreibt sie im Studium ihre Abschlussarbeit.

Wenn die Freibergerin hoch hinaus will, dann sorgt sie dafür selbst: beim Klettern. Dem Hobby geht sie in der Sächsischen Schweiz nach, man finde sie aber auch an der "Russenwand" bei Halsbrücke.

Lea Fränzle ist keine Politikerin, die nur am großen Rad dreht, wenn es zum Beispiel um den Ausstieg aus der Atomenergie geht. Sie befasst sich auch mit lokalen Themen vor ihrer Haustür. Dazu zählt der Neubau von Radwegen, wie zum Beispiel der in diesem Jahr eröffnete Radweg zwischen Freiberg und Halsbrücke. Dass hier eine alte Bahnstrecke eine neue Nutzung erfahren hat, stehe sinnbildlich für die von den Grünen angestrebten Veränderungen.

Auch privat bewege sie sich oft mit dem Fahrrad. Dass sie kein Auto hat, überrascht nicht. "Ich fahre Fahrrad oder Öffis", formuliert sie es salopp und meint damit den Öffentlichen Personennahverkehr. Der Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis gehört für Lea Fränzle zu den "Veränderungen, wie wir sie brauchen".

Kandidaten, Analysen, Hintergründe zur Bundestagswahl 2021: www.freiepresse.de/bundestagswahl

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