Freie Presse auf Google News folgen
Hier steht, was wirklich wichtig ist. Aber wer ein empfindsames Gemüt hat, sollte besser nicht weiterlesen.
Achtung: Bitte überlegen Sie genau, ob Sie die folgende Glosse lesen. Der Inhalt könnte für manche Menschen emotional herausfordernd werden. Denn es geht um sensible Inhalte. Wenn Sie ein empfindliches Gemüt haben, gehen Sie bitte wie folgt vor: Legen Sie den Lokalteil Ihrer Lieblingszeitung flach vor sich und greifen Sie die rechte untere Ecke. Anschließend heben Sie die Seite an und bewegen den Arm mit mäßigem Schwung nach links. Glückwunsch, Sie haben die Glosse überblättert! Die gleiche Handlungsempfehlung gilt übrigens für Menschen, die keine satirischen Texte mögen. Sollten Sie Online-Leser sein, werfen Sie einfach Ihr mobiles Endgerät oder ihren PC aus dem Fenster.
Umgehungsstraßenpläne verworfen, Lokalredaktion verzweifelt
Für alle, die stabil genug sind, um noch bis hierher weitergelesen zu haben: Jetzt kommt‘s. Es geht heute um die Straße, die nicht genannt werden darf. Ihr-wisst-schon-welche: Die Freiberger Umgehungsstraße. Autsch. Machen wir es kurz und schmerzlos: Die Landesdirektion Sachsen (LDS) hat auf Antrag des Landesamts für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) entschieden, den Planfeststellungsbeschluss von 2010 aufzuheben. Zu lang? Dann sagen wir es halt anders: Nix Umgehungsstraße. Jedenfalls nicht in der bisher geplanten Form.
Diese Entscheidung hat natürlich weitreichende Folgen. Vor allem für die Lokalredaktion der „Freien Presse“. Denn eins der wichtigsten Glossenthemen fällt jetzt weg. In mehreren nächtlichen Redaktionssitzungen wurde allerdings entschieden, das Format „Satire zum Wochenende“ dennoch nicht abzuschaffen. Erstens, weil der weiße Fleck in der Zeitung und im Internet irgendwie hässlich wäre und zweitens, weil die Erfahrung zeigt, dass sich genügend andere Steilvorlagen für satirische Texte bieten. Angeblich soll es auch in anderen Städten umstrittene Straßenbauprojekte geben. Diese dürfen hier allerdings mit Rücksicht auf die Gefühle der Einwohner nicht näher benannt werden. Schönen Gruß nach Flöha.
Manche meinen ja, die Straßen dienen den Menschen, damit sie darauf herumfahren können. Doch in Wirklichkeit ist es umgekehrt. Die Menschen dienen den Straßen. Sei es als Bauarbeiter, sei es als Steuerzahlerinnen, sei es als ganz normale Leute, die einfach nur im Stau stehen.
Nun will man sich ja nicht gleich nach Corona zurücksehnen (Braucht man auch nicht. Kommt von allein wieder, beziehungsweise, es war nie weg). Aber irgendwie hatte es doch seinen Charme, im Homeoffice zu sitzen anstatt im Auto. Der Kaffee war dort einfach besser, und wenn die Kollegen (m/w/d) zu sehr nervten, konnte man sie einfach ausschalten. Also, in der Videokonferenz. Und wer unterwegs war, hatte auf den Straßen viel Platz.
Paris, London oder Freiberg? Man weiß es nicht.
Natürlich ließe sich ein solcher Zustand auch ohne Pandemie wiederherstellen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem autofreien Sonntag, den man idealerweise auf den Montagmorgen legen könnte?
In Freiberg würde ein solcher autofreier Tag dazu führen, dass die Menschen endlich schneller vorwärts kommen. Zu Fuß geht‘s schneller als mit dem Auto. Vor allem zur Rushhour am Morgen und Nachmittag. Da denkt man ja jedes Mal, man wäre aus Versehen nach Paris oder London gereist, so viele Autos fahren da. Besser gesagt, sie fahren nicht.
Für all jene, die sich in dieser Situation nach einer Umgehungsstraße sehnen, ist ja die Nachricht von der Planfeststellungsbeschlussaufhebung eine gute Nachricht: Sie dürfen weiterträumen. Und es besteht keine Gefahr, dass ihre Träume in nächster Zeit obsolet werden, weil sie sich erfüllt haben. Die Freiberger haben jetzt also keine Umgehungsstraße, einen Altstadtring, auf dem man kein Ringel fahren kann, sowie mehrere Linksabbiegespuren, auf denen man nicht links abbiegen darf. Dazu noch die Fußgängerampeln, deren Schaltzeiten nicht für Fußgänger gemacht sind, und die nicht vorhandenen Zebrastreifen. Verkehrsmäßig ist die Stadt also geradezu der Kracher. Da wird man sogar in Flöha neidisch. Die Lösung: Daheeme bleiben, wenn man kann. Zeitung zurückblättern und doch noch die Glosse lesen. (eva)





