Seltenheit: Hainichener Kuh hat 13. Kalb geboren

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Das gab es seit vielen Jahren nicht: In der Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf ist Kuh "Fiona" auch nach 15 Jahren fit genug, um ein Kalb zur Welt zur bringen.

Hainichen.

Das kommt nicht alle Tage vor. Genau genommen gab es das seit mindestens zehn Jahren nicht bei der Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf: Mitte Februar hat dort eine Kuh ihr bisher 13. Kalb zur Welt gebracht. "Fiona" heißt das Muttertier, das bei den Hainichener Mitarbeitern seit mehr als 15 Jahren im Stall steht. "Fiona" und das (namenlose) Bullenkalb erfreuten sich bester Gesundheit, berichtete Rico Hainich, der für die Milchviehanlage zuständig ist. "Das macht uns schon stolz. Es ist ja eine starke Leistung, wenn ein Tier 13-mal gekalbt hat", so der Vorsitzende der Genossenschaft, Silvio Hainich.

Man habe zwar etliche Kühe, die bereits acht Kälber geboren haben, aber alles über zehn sei schon eine Seltenheit, erklärte Rico Hainich. Experten bestätigen das. Frank Becker vom Forschungsinstitut für Nutztierbiologie in Dummerstorf erklärte: Eine Kuh, die 13-mal kalbt sei "mit Sicherheit eine Ausnahme und eine Besonderheit". Professor Kay-Uwe Götz, Leiter des Instituts für Tierzucht an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, bezeichnete dies als "herausragend". Der bundesweite Durchschnittswert liegt laut Becker bei 2,5 Kälbern, die eine Kuh im Laufe ihrer Haltungsdauer zur Welt bringt.

Doch was macht "Fiona" zur Superkuh und wie haben das die Hainichener Landwirte geschafft, dass das Tier so lange gebärfähig geblieben ist? Die Genetik des Tieres spiele dabei sicher eine Rolle, hieß es. Und wenn auch die anderen Bedingungen stimmen - die Stallgestaltung, der Umgang, das Futter, die Pflege - und die Tiere keinen Stress hätten, sei das kein Problem, erklärt Rico Hainich. Man behalte die Milchkühe, so lange sie gesund sind. Und "Fiona" habe darüber hinaus immer ihre Milchleistung gebracht - im Schnitt 10.000 Liter im Jahr. "Es gibt keinen Grund, so ein Tier zu schlachten, solange es fit ist."

Insgesamt 1250 Milchkühe und gut 1000 Jungrinder und Kälber hat die Genossenschaft in den Ställen stehen. 30.000 Liter Milch verlassen täglich das Gelände, beliefert wird damit die Molkerei Ehrmann in Freiberg. Jahr für Jahr investiere man in Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls - und damit auch der Gesundheit, sagte Silvio Hainich. So etwa seien zuletzt die Böden im Stall angeraut worden, die Tränken vergrößert und die Liegematten erneuert worden. Für nächstes Jahr sind noch einmal größere Umbaumaßnahmen angedacht. Im Sommer gehört den Angaben nach auch der Weidegang zum Programm, zumindest für die sogenannten Trockensteher. Als Trockensteher werden die Tiere bezeichnet, die gerade keine Milch geben und nicht vor der Geburt eines Kalbes stehen.

Dinge, die offenbar dazu führen, dass die Tiere zunehmend länger fit bleiben. Man habe in der letzten Zeit vermehrt Kühe mit höherer Lebensleistung. Und das heißt, dass die Tiere natürlich auch älter werden. "Das ist auch unser Ziel", betonte Silvio Hainich. Es gebe inzwischen einen generellen Trend in der Landwirtschaft, mehr auf die Lebensleistung der Kühe zu achten, anstatt die Tiere nur auf jährliche Höchstleistung bei der Milch zu trimmen. Das bedeutet, die Tiere sollen lieber auf längere Sicht mehr Kälber zur Welt bringen, dafür wird pro Kalb eine etwas geringere Milchproduktion in Kauf genommen. Hier sei inzwischen ein Umdenken erfolgt, bestätigte Nutztierexperte Becker.

Die Agrargenossenschaft Hainichen-Pappendorf besteht seit rund 30 Jahren. Im Oktober 1991 erfolgte die Gründung. Heute bewirtschaftet die Genossenschaft knapp 3000 Hektar Land, mehr Fläche hat kein anderer Arbeitgeber in Hainichen und Umgebung zu bieten. Zur Belegschaft gehören 55 Vollbeschäftigte, 13 Teilzeitkräfte sowie sieben Lehrlinge.

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