Perspektiven für das Vogelhaus

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Jahrelang tat sich nichts rund um das Trafohaus im Ortsteil Mühlbach/Hausdorf. Jetzt liefert das Technikdenkmal sogar Diskussionsstoff für Stadträte.

Frankenberg.

Bereits 2017 hatte der Technische Ausschuss des Frankenberger Stadtrates beschlossen, die ehemalige Trafostation im Mühlbachtal zu einem Vogelturm umzubauen. Passiert ist aber nichts. Das lässt dem 2019 gewählten Ortschaftsrat keine Ruhe. "Wenn etwas beschlossen wurde, dann muss es auch umgesetzt werden", sagte Rico Walter-Bretschneider, der für die Freien Wähler Frankenberg im Ortschaftsrat sitzt, schon vor einem Jahr. "Es gehört zu unseren Aufgaben, die Einhaltung solcher Beschlüsse zu überwachen."

Die stillgelegte Trafostation an der Frankenberger Straße steht als "Zeugnis für die Elektrifizierung des Ortes" unter Denkmalsschutz. Längst verfällt der Technikveteran. Ein Vogelkundler hatte schließlich die Idee, die Station zu einem Vogelturm umzubauen. Kleinvögel könnten hier nisten. Auch Fledermäuse würden nahe der alten Schmiede des Ortsteils unterkommen. "Der Turm soll durch die neue Zielstellung im Interesse der naturschutzfachlichen Aufwertung und unter Beachtung der denkmalpflegerischen Belange baulich instand gesetzt und als Brut- und Aufenthaltsstätte hergerichtet werden", hieß es seinerzeit in dem Beschlussvorschlag im Ausschuss. "Die Stadtverwaltung hat das Projekt nicht so verfolgt, wie es im Ortsteil gewünscht wird", räumte Bürgermeister Thomas Firmenich (CDU) das Versäumnis in dieser Woche ein. Doch inzwischen werde hinter den Kulissen an einer Lösung gefeilt. Fördermittel für Denkmalschutz, so lautet das Zauberwort. Für diese neue Variante gab es in der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses breite Zustimmung, wie "Freie Presse" erfuhr. Bis Ende Oktober will die Verwaltung einen entsprechenden Förderantrag stellen. Firmenich hält einen Bescheid über 10.000 Euro im kommenden Jahr für realistisch. Die Denkmalschutzbehörde habe positive Signale ausgesandt. Baubeginn könnte 2022 sein.

Eigentlich war die Finanzierung des Vorhabens bereits weitgehend gesichert. Denn die seinerzeit auf etwa 60.000 Euro geschätzten Kosten sollten zu einem großen Teil aus der Ausgleichszahlung für die nahe Windkraftanlage am Altenhainer Weg gedeckt werden. "Dieses Geld steht zwar in der städtischen Bilanz", sagte Firmenich. "Allerdings sind die 33.000 Euro nicht bei den Haushaltspositionen erwähnt." Die Mittel müssen erst wieder sachlich in den Haushalt eingestellt werden. Der Betrag könne aktuell nicht abgerufen werden, so der Ortschaftsrat. "Die Maßnahme wäre damit zum jetzigen Zeitpunkt, trotz des Beschlusses des Technischen Ausschusses, nicht mehr durchführbar."

Wegen der drohenden Verzögerung bis 2023 hat die dreiköpfige Fraktion Die Linke/SPD im Stadtrat einen Antrag gestellt, neu aufgetauchte 70.000 Euro Mittel zur Stärkung des ländlichen Raumes komplett für Sanierung und Umbau des Trafohäuschens auszugeben. Fraktionschef Jörg Hommel (Die Linke/SPD) begründete den Vorschlag seiner Fraktion wie folgt: "Der Vorteil, genau diese Mittel aus unserem Antrag zu verwenden, gibt dem Ortschaftsrat die Sicherheit der Umsetzung des Projektes der Ortschaft." Dieser Initiative ging ein einstimmig gefasster Beschluss des Ortschaftsrates vom 30. Juni voraus. Die Runde unterstrich, dass der Turm repariert werden soll und dafür Kosten in Höhe von 63.500 Euro sowie 6500 Euro für den Bau eines Weges anfallen werden.

Sollten Mühlbach/Hausdorf die 70.000 Euro erhalten, beschloss der Ortschaftsrat ebenfalls, die 33.000 Euro Ausgleichsmittel im Rahmen der ländlichen Entwicklung nach Dittersbach weiter zu geben, für die Reparatur des Dachs der Feuerwehr.

Firmenich rechnet anders. Zu den 10.000 Euro Fördermitteln addiert er die 33.000 Ausgleichsmittel. Nur die Lücke bis zu den 70.000 Euro Baukosten solle dann mit Hilfe der Mittel zur Stärkung des ländlichen Raumes gefüllt werden. Über die Verwendung dieser 70.000 Euro habe jedoch der Stadtrat zu beschließen, so die Verwaltung.

Je mehr von den Strukturfördermitteln übrig bliebe, desto besser. Denn ein weiteres Loch ist noch in Dittersbach zu füllen. Dort muss der erhöhte Eigenmittelanteil für die neue Löschwasserzisterne gedeckt werden. Laut Stadtverwaltung hat das Landratsamt die Förderquote von 75 auf 40 Prozent reduziert, sodass die Stadt nunmehr 164.000 Euro Eigenmittel zahlen muss. Ursprünglich wollte Firmenich 60.000 der besagten 70.000 Euro zur Deckung des erhöhten Eigenmittelanteils für die Zisterne verwenden.

Noch vor der jüngsten Beratung des Technischen Ausschusses am Mittwoch gab sich Jörg Hommel kämpferisch: "Wir werden den Beschluss unserer Fraktion zur Mittelbereitstellung für das Projekt in Mühlbach/Hausdorf nicht zurücknehmen", kündigte er an. Eine Anfrage, ob er auch nach der jüngsten Entwicklung noch dazu steht, ließ er bis Freitagabend unbeantwortet.

Öffentliche Sitzung des Stadtrates Frankenberg am 21. Juli ab 19 Uhr im Veranstaltungs- und Kulturforum Stadtpark, Hammertal 3.

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