Liberale wittern neue Chance

Die FDP stimmt sich auf ihrem Bundesparteitag in Berlin auf einen Wiedereinzug in den Bundestag ein. Mit wem würde sie koalieren?

Berlin.

Der Tag der Arbeit bringt die Tagesordnung der FDP durcheinander. Da die meisten Tageszeitungen weder am kommenden Montag, dem 1. Mai, noch am Sonntag erscheinen und die Liberalen somit eine lediglich abgespeckte Berichterstattung über ihren Berliner Bundesparteitag befürchten, planen sie am Freitag kurzerhand um. FDP-Chef Christian Lindner, dessen große Rede eigentlich erst heute stattfinden sollte, also nach seiner Wiederwahl, zieht seinen großen Auftritt spontan vor. Immerhin läuft sich die FDP bei ihrem dreitägigen Treffen auch für die Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen warm.

Lindner macht deutlich, wie er die heutige FDP sieht: Die Liberalen hätten sich verändert und seien jetzt, nach dreieinhalb Jahren in der außerparlamentarischen Opposition, eine "wettergegerbte" Partei, die "gar nichts mehr umhaut". Er betont: "Weil wir die Menschen von Ängstlichkeit und Skepsis befreien wollen, mussten wir uns erst einmal selbst befreien." Für ihre Niederlagen mache die FDP "niemanden als uns selbst verantwortlich. Das ist eine Frage der Selbstachtung." Aber die Liberalen zögen auch die richtigen Schlüsse.

Mit vorsichtigem Optimismus schaut der Parteichef nach vorn: "Das Comeback der FDP ist längst nicht erreicht, aber wir haben wieder eine Chance darauf", sagt er. Wer habe das im Herbst 2013 für möglich gehalten? "Heute sind wir wieder selbstbewusst in der Sache", aber demütig und humorvoll in der Haltung. Rasch ist Lindner dann bei den Gegnern. In einer Zeit des Wandels sei das "Weiter so" von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) genauso falsch wie das "Zurück" von SPD-Kandidat Martin Schulz. Dieser wolle zurück zu einer Agenda 1995. Merkel verwalte lediglich die Agenda 2010. Deutschland brauche aber eine Agenda 2030, sagt Lindner. Auch die derzeitige "links-grüne Opposition" bekommt ihr Fett weg. Diese sei "so spannend wie eingeschlafene Füße". Zur Grenzöffnung im September 2015 und zur Flüchtlingskrise kündigt er einen Untersuchungsausschuss an.

Anders als früher, als sich die FDP auf die Union als Regierungspartner festlegte, trifft Lindner am Freitag keine Aussage und betont die Eigenständigkeit seiner Partei: "In die Wahlen dieses Jahres gehen wir ohne Koalitionsaussage", ruft der 38-Jährige den rund 660 Delegierten zu, "wir lassen uns nicht zu nützlichen Idioten irgendwelcher beliebiger Mehrheiten machen." Seine eigene Mehrheit als wiedergewählter Parteichef fällt etwas später recht üppig aus. Die Partei bestätigt ihren Bundesvorsitzenden mit 91 Prozent im Amt - fast so viel wie vor zwei Jahren.

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2Kommentare
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  • 4
    0
    Freigeist14
    29.04.2017

    Kurt,der Käse-Maik und Bananen-Rolf schreien ja auch auf dem Wochenmarkt,das Ihre Produkte die besten und billigsten wären.

  • 6
    0
    29.04.2017

    Es ist wirklich seltsam, wie kommt Herr Lindner nur auf die Idee, die FDP würde im Deutschen Bundestag gebraucht. Wenn ich seinen Auftritten kurz zuhöre, weiß ich, für das Parlament ist der Mann nichts. Allerdings eine Eignung als Marktschreier auf einem Markt ist nicht zu übersehen.



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