Würde man die "Rente mit 63" abschaffen, könnte das laut einer Studie Milliardensummen für den Fiskus bedeuten. (Symbolbild)
Würde man die "Rente mit 63" abschaffen, könnte das laut einer Studie Milliardensummen für den Fiskus bedeuten. (Symbolbild) Bild: Andreas Gebert/dpa
Deutschland
Studie: Aus für Frührente würde Milliarden sparen

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Die Regierung steht vor Entscheidungen über ein Reformpaket auch mit dem Thema Rente. Laut einer Studie würden Milliardensummen gespart bei einem Aus für die abschlagsfreie Frührente.

Gütersloh.

Mit einer Abschaffung der abschlagsfreien Frühverrentung für besonders langjährig Versicherte könnte die Staatskasse nach einer Berechnung um 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang entlastet werden. Jedes Jahr nutzen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige die Möglichkeit, nach mindestens 45 Beitragsjahren vor dem Regelrentenalter abschlagsfrei in Rente zu gehen, wie die Bertelsmann Stiftung berichtet.

Aus einer Kalkulation des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Stiftung gehe hervor, dass eine Abschaffung der beliebten abschlagsfreien Altersrente zudem ein Beschäftigungspotenzial von 125.000 Vollzeitkräften bedeuten würde.

Die Modellrechnung für Rentnerinnen und Rentner des Jahrgangs 1957 – aktuell der jüngste Jahrgang, der vollständig im Ruhestand sei – zeigt demnach, dass die gesetzliche Rentenversicherung um rund 10,4 Milliarden Euro für diesen Jahrgang entlastet werden könnte. Die Regelung für besonders langjährige Versicherte ist wegen ihrer Kosten umstritten. Die Bundesregierung will bald Entscheidungen über ein Reformpaket auch mit dem Thema Rente treffen.

Die aktuelle Regelung war 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden und zielt auf "besonders langjährig Versicherte", die mindestens 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Vor 1953 Geborene konnten ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen. Für Jüngere, die zwischen 1953 und 1963 geboren wurden, steigt diese Altersgrenze schrittweise an. Vom Geburtsjahrgang 1964 an liegt das frühestmögliche Zugangsalter dann bei 65 Jahren.

Forscher: Betroffene würden zehn Monate später in Rente gehen

Werde diese Möglichkeit zur Frührente gestrichen, so gehen die Wissenschaftler von der Annahme aus, dass sich der Renteneintritt in diesen Fällen im Schnitt um zehn Monate verschieben würde und die Betroffenen dann mit Abschlägen in den Ruhestand gehen. Die Entlastung würde den Angaben zufolge nicht sofort entstehen, sondern verteilt über dann jahrzehntelang geringere Rentenzahlungen. Derselbe finanzielle Effekt wie für den Jahrgang 1957 würde ähnlich auch für die Folgejahrgänge eintreten, betont die Untersuchung.

Die Einsparungen bei den Rentenausgaben würden zwar zu Beitragsausfällen in anderen Sozialversicherungszweigen führen - Mindereinnahmen etwa bei Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Einkommensteuer von zusammen rund 860 Millionen Euro. Aber: "Unter dem Strich bliebe eine Einsparung für die Staatskasse von rund 9,5 Milliarden Euro."

Nicht nur finanzielle Gründe sprechen dafür, die in der politischen Debatte oft als "Rente mit 63" diskutierte Regelung zu überdenken, wie die Forschenden meinen. Falle diese Form der Frühverrentung weg, könne der Arbeitsmarkt länger über höher qualifizierte Arbeitskräfte verfügen. Für Härtefälle sei eine Kompensation sinnvoll. (dpa)

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