Der Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien ist neuer Papst der katholischen Weltkirche.
Der Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien ist neuer Papst der katholischen Weltkirche. Bild: dpa
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Jorge Mario Bergoglio ist der neue Papst

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Nachfolger von Benedikt XVI. wird sich Franziskus I. nennen

Rom. Meilenstein für die katholische Kirche: Der argentinische Kardinal Jorge Mario Bergoglio ist als erster Lateinamerikaner Papst. Der 76 Jahre alte Jesuit gab sich den Namen Franziskus I., benannt nach dem heiligen Franz von Assisi.

«Betet für mich», sagte der bescheiden auftretende neue Papst nach der historischen Wahl von der Mittelloggia des Petersdomes. Das neue Oberhaupt von 1,2 Milliarden Katholiken trat in weißer Soutane, mit Brustkreuz und weißem Papst-Käppi vor die Gläubigen.

Bergoglio wird oft als Anwalt der Armen bezeichnet. Er folgt auf den deutschen Papst Benedikt XVI., der am 28. Februar nach einem Pontifikat von nur knapp acht Jahren zurückgetreten war. Er hatte seinen historischen Schritt mit nachlassenden Kräften begründet.

Erstmals seit dem Syrer Gregor III. im 8. Jahrhundert stammt ein Papst nicht aus Europa. Nie zuvor war ein Mitglied des Jesuitenordens Papst.

Bei seinem ersten Auftritt vor zehntausenden Menschen auf dem überfüllten Petersplatz bat das neue Kirchenoberhaupt, für ihn zu beten. Er sprach er mit den Gläubigen das Vaterunser und das Ave Maria für den zurückgetretenen deutschen Papst Benedikt XVI.

Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers Benedikts gehörte zu den kürzesten der Kirchengeschichte. Es dauerte etwas mehr als 26 Stunden, fünf Wahlgänge waren notwendig. Benedikt wurde im Jahre 2005 nach vier Wahlgängen gewählt.

«Liebe Schwestern und Brüder, guten Abend», lauteten am Mittwoch die ersten öffentlichen Worte des neuen Papstes, der in Deutschland studiert und promoviert hat. «Ihr wisst, dass es die Pflicht des Konklave war, einen Bischof von Rom zu bestimmen», sagte er, «und es scheint, dass meine Brüder Kardinäle diesen am Ende der Welt geholt haben.» Der Weg der Kirche von Rom solle ein Weg der Liebe und des Vertrauens werden, ein fruchtbarer Weg für die Evangelisierung.

«Habemus Papam» rief Kardinalprotodiakon Jean-Louis Tauran den jubelnden und Fahnen schwenkenden Menschen auf dem Petersplatz zu, die bei nasskaltem Wetter ausgeharrt hatten oder in Windeseile nach der Papstwahl hinzuströmten. Das neue Kirchenoberhaupt spendete den Apostolischen Segen Urbi et Orbi - der Stadt und dem Erdkreis.

Um 19.07 Uhr hatte weißer Rauch aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle die erfolgreiche Wahl eines Papstes verkündet. Auf dem Petersplatz brandete großer Applaus auf. Die Glocken des Petersdoms läuteten, bald auch die des Kölner Doms und anderer Kirchen in Deutschland. Das Erzbistum München ordnete die Beflaggung von Kirchen und Gebäuden an. In Berlin wurde zu einem Gottesdienst in die Sankt Hedwigs-Kathedrale eingeladen.

Die 115 wahlberechtigten Kardinäle waren am Dienstagnachmittag zusammengekommen, um abgeschottet von der Außenwelt einen neuen Mann auf den Stuhl Petri zu heben. Eine Zwei-Drittel-Mehrheit war für die Wahl notwendig.

Auf Franziskus I. warten gewaltige Aufgaben. Die katholische Kirche leidet nach Ansicht von Kritikern unter einem Reformstau. Auch die Kurie und die Vatikanbank gerieten in Verruf.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Papst Franziskus I. zu seiner Wahl. «Ich freue mich insbesondere mit den Christen in Lateinamerika, dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der Katholischen Kirche berufen worden ist», sagte Merkel in Berlin. «Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht.»

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wünschte dem neuen Papst Gottes Segen, «viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick».

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte dem neuen Papst und allen Katholiken weltweit. «Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus», sagte Ban laut Mitteilung am Mittwoch in New York.

Nach Ansicht der Deutschen Bischofskonferenz zeichnete sich der neue Papst durch «sein bescheidenes Auftreten und seine kraftvollen Predigten» aus. «Heimat- und naturverbunden ist der Heilige Vater. Bekannt ist er für die Besuche an den hohen kirchlichen Feiertagen in Krankenhäusern und Gefängnissen», erläuterte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch am Mittwochabend. «Das schlichte Glaubenszeugnis seiner ersten kurzen Ansprache und sein Gebet zeigen der Welt: Der Heilige Vater ist bereit, das wichtige Amt und die hohe Verantwortung in tiefem Gottvertrauen zu übernehmen», meinte Zollitsch.

Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julián Domínguez, die Sitzung. Er rief aus: «Es gibt einen Papst und der ist Argentinier!». Der Oppositionsführer und Abgeordnete Ricardo Alfonsín zeigte sich «ergriffen und glücklich» über die Wahl Bergoglios. «Als Argentinier fühle ich mich stolz, dass Kardinal Bergoglio der neue Papst ist», sagte der Sohn des ehemaligen Präsidenten Raúl Alfonsín.

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Prinzip Hoffnung

Ein Kommentar von Ulrich Hammerschmidt

Sicher, die Papstwahl ist eine Wahl, die nach demokratischen Regeln funktioniert. Eine demokratische Basis hat sie jedoch nicht. Denn die 115 wählenden Kardinäle, deren Mehrheit gestern ihren Amtskollegen Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst bestimmte, repräsentieren zwar die römisch-katholische Kirche - repräsentativ fürs Kirchenvolk sind sie aber nicht. Europäer dominieren die Führungsriege dieser Weltkirche. Südamerika oder Afrika zum Beispiel sind - gemessen an der Zahl der dort lebenden Gläubigen - nicht angemessen vertreten. Nun wurde ein Argentinier gewählt, immerhin - ein Mann, dessen Eltern aus Italien stammten. Wenn das kein göttlicher Kompromiss ist ...

Aus der Perspektive der profanen Welt und in aufgeklärten, modern-politischen Kategorien gedacht, wären die nicht zum Priesteramt zugelassenen Frauen zum Beispiel ein Grund, nach Reformen zu rufen. Doch soviel Weltlichkeit will diese Kirchspitze nicht. Man mag nun spekulieren, welchen Kurs der neue Pontifex diktieren wird - er wird mit Bestimmtheit ein Bewahrer sein, ein Konservativer, so oder so. Es sind von ihm nur kleine Schritte zu erwarten. In welche Richtung, zurück oder nach vorn - das wird das Prinzip Hoffnung bestimmen.

Was wird Franziskus I. bewegen? Vorangegangen, und das im doppelten Wortsinn, ist ihm Benedikt XVI. Der Papst aus Deutschland hat mit seinem Rücktritt das vorgelebt, was die katholische Kirche für ihre Zukunft dringend braucht: Transparenz und Glaubwürdigkeit. Joseph Ratzinger, der Altersschwache, hat sein Amt aufgegeben und damit ein Zeichen gesetzt: Seht, ich kann nicht mehr, ein Übermensch bin ich nicht. Soviel Offenheit gab es lange nicht. Er wollte keine Marionette sein und hat mit viel Kraft - und einem Hauch von Resignation - seine Kraftlosigkeit eingestanden.
Respekt! Wohl die meisten der Katholiken haben ihm diesen gezollt  - auch wenn sie an ihrer Kirche gezweifelt haben. Es ist die oberste Aufgabe des neuen Papstes, ihnen diese Zweifel zu nehmen. Mehr als eine Milliarde Menschen wartet darauf. Sie sind die Kirche.

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