Die wegen Mordes an dem achtjährigen Fabian angeklagte Frau schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Die wegen Mordes an dem achtjährigen Fabian angeklagte Frau schweigt bislang zu den Vorwürfen. Bild: Bernd Wüstneck/dpa
Panorama
Fall Fabian: Viele Spuren und noch mehr Fragen

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Forensiker gingen nach dem Gewaltverbrechen an dem achtjährigen Fabian Hunderten Spuren nach. Dabei wurden auch zahlreiche DNA-Proben analysiert. Es gibt Spuren, die aber viele Fragen offen lassen.

Rostock.

Bei den Ermittlungen im Fall des getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow sind bislang mehr als ein Dutzend unterschiedliche Messer als mögliche Tatwaffe untersucht worden. Bei keinem sei aber menschliches Blut nachgewiesen worden, sagte eine DNA-Forensikerin des Landeskriminalamtes bei der Vorstellung der bisherigen Ergebnisse am Landgericht Rostock. Bei weiteren, im Nachgang eingereichten Messern stehe ein abschließender schriftlicher Befund noch aus.

Nachgewiesen wurden dagegen laut Gutachterin DNA-Spuren des getöteten Fabian im Auto der wegen Mordes angeklagten 30-jährigen Frau. Auch sei auf einem Blatt einer Küchenpapierrolle, die in einem Ablagefach des Autos gelegen habe, eine Blutspur von Fabian festgestellt worden. Über das Alter der Blutspur könne nichts gesagt werden. DNA-Spuren könnten sich aber über einen Zeitraum von zwei Monaten halten. Die Angeklagte ist mit Fabians Vater liiert. Der Achtjährige war zuletzt im Sommer 2025 bei ihr. 

Der tote Junge wurde am 14. Oktober nach vier Tagen intensiver Suche entdeckt. Er lag rund 15 Kilometer südlich von Güstrow an einem Tümpel bei Klein Upahl. Die Angeklagte soll Fabian laut Staatsanwalt am 10. Oktober 2025 mit ihrem Auto abgeholt und später an dem Tümpel im Landkreis Rostock erstochen haben. Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt.

Fasern von Pullover und Reithose 

Ein am siebten Verhandlungstag ebenfalls vorgestelltes Textilgutachten ergab mögliche Hinweise auf Kleidungsstücke der Angeklagten. Unter dem rechten Daumennagel des Kindes sei eine lila-blau eingefärbte Baumwollfaser festgestellt worden, bei der es Übereinstimmungen zu einem Pullover der Tatverdächtigen gebe, sagte der zuständige Sachverständige. Zudem sei an einem Textil-Ärmelbündchen des Opfers eine grau-grünliche Polyesterfaser gefunden worden, die von einer Reiterhose der Angeklagten stammen könne. 

Der Experte machte aber klar, dass eine Bewertung der Funde sehr schwierig und kaum möglich sei. Es könne etwa nicht gesagt werden, wie es zu einer Spurenübertragung gekommen sei. 

Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die Zuschauer vor Beginn des Prozesses vor schwer zu ertragenen Fotos, die gezeigt würden.
Der Vorsitzende Richter Holger Schütt warnte die Zuschauer vor Beginn des Prozesses vor schwer zu ertragenen Fotos, die gezeigt würden. Bild: Bernd Wüstneck/dpa

Warnung des Richters: Fotos schwer zu ertragen

Im Saal 2.002 wurden auch Fotos von Fabians Leichnam gezeigt. Der Richter hatte die Zuschauer im Saal zuvor gewarnt, dass die Fotos schwer zu ertragen seien. Wer das nicht aushalte, habe die Möglichkeit, den Saal zu verlassen. Fabians Mutter, die als Nebenklägerin am Prozess teilnimmt, war aus diesem Grund erstmals nicht persönlich zur Verhandlung gekommen. Fabians Leiche wurde angezündet und wies starke Verbrennungen auf. 

Vorgestellt wurden auch die Ergebnisse polizeilicher Ermittlungen zu den Einloggdaten von Handys in Funkzellen. Dabei mussten die Ermittler auf Daten der jeweiligen Provider zurückgreifen, die nach Zeugenaussagen des zuständigen Polizeibeamten aber "extrem lückenbehaftet" seien, denn die Anbieter würden die Daten eigentlich nur zu Abrechnungszwecken erheben.

Handy ausgeschaltet oder im Flugmodus 

Die SIM-Karte des Mobiltelefons der Angeklagten habe am Tattag, dem 10. Oktober, weder in Güstrow noch am Tatort festgestellt werden können. "Das geben die Daten nicht her", sagte der 31-jährige Beamte. Allerdings seien an diesem Tag zwischen 11.21 Uhr und 12.42 Uhr keine Daten auf dem Handy feststellbar. Das Smartphone sei in der Zeit entweder ausgeschaltet oder in den Flugmodus gesetzt worden. 

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte ihr Smartphone aktiv ausschaltete und anschließend mit Fabian in ihrem Auto in Richtung Klein Upahl fuhr, wo sie das Kind demnach mit einem Messer tötete. Als Todeszeitpunkt nennt die Anklage einen Zeitraum zwischen 10.50 bis 13.00 Uhr. Die Angeklagte selbst war es, die am 14. Oktober den Fund der Kinderleiche bei der Polizei meldete. Sie hielt sich an dem Tag auch ausweislich der Funkzellenauswertung am Fundort auf.

Privatermittler aktiv

Ein Online-Account des Kindes wurde auch nach dem 10. Oktober noch aktiv genutzt, wie die Recherchen der Ermittler ergaben. Allerdings handelte es sich dabei am 12. und 13. Oktober nicht um Fabian, wie die Polizei damals noch gehofft hatte, sondern um einen Privatermittler, der von der Mutter oder ihrem Umfeld die Zugangsdaten bekommen hatte. 

Wenig Erkenntnisse über den Tattag erbrachte die Auswertung der digitalen Daten des Fahrzeuges der Angeklagten. Das System des Autos dokumentiere zwar sogenannte "Events" wie das Öffnen und Schließen von Türen oder Gangwechsel, die dann mit Datum, Uhrzeit, Geschwindigkeit sowie exakten Geo-Koordinaten gespeichert wurden. 

Allerdings fehlten diese Daten für den 10. und 11. Oktober, bevor sie am 13. Oktober abrupt wieder vorhanden seien, sagte der technische Gutachter. Das sei komisch, aber dafür gebe es keine Erklärung. Eine bewusste Manipulierung sei nicht nachweisbar. (dpa)

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