Ein Gehaltscheck der Plattform „kununu“ zeigt: Tief im Osten und Westen wird am wenigsten verdient. Ein Bundesland im Osten holt jetzt aber überraschend stark auf.
Wer die Wahl hat, sollte gut überlegen. Denn das Gehalt hängt nicht allein vom Job oder der Branche ab, sondern auch stark davon, in welcher Stadt oder welchem Bundesland jemand arbeitet. Spitzengehälter wurden auch 2025 vor allem in den westdeutschen Bundesländern gezahlt. Dabei bleibt Hessen wie im Vorjahr das Bundesland mit dem höchsten Durchschnittsgehalt. Dort erhalten Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 55.449 Euro brutto im Jahr. Das geht aus dem „Gehaltscheck 2026“ der Plattform „kununu“ hervor, für die insgesamt 1,13 Millionen Gehaltsangaben ausgewertet wurden. Berücksichtigt wurden dabei ausschließlich Daten, die Vollzeitbeschäftigte dort eingegeben hatten. Zwar zeichnet diese Analyse deshalb kein statistisch exaktes Bild von den tatsächlichen Einkommen in Deutschland. Wegen der Datenmenge sind aber Rückschlüsse zu regionalen Unterschieden möglich - und zur Zufriedenheit der Beschäftigten mit dem eigenen Gehalt.
Sachsen im kununu-Ranking Vorletzter
In Hessen treibt vor allem die Finanzmetropole Frankfurt am Main das allgemeine Einkommensniveau nach oben. Dicht dahinter folgen im kununu-Ranking die Bundesländer Hamburg (54.332 Euro), Baden-Württemberg (53.890 Euro) und Bayern (53.634 Euro). Gerade in Süddeutschland zahlen Industrie, Automobilbranche, Maschinenbau und Technologieunternehmen überdurchschnittliche Gehälter. Am anderen Ende der Skala steht Mecklenburg-Vorpommern mit 42.660 Euro. Auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen liegen mit Durchschnittsgehältern zwischen 43.500 und 44.100 Euro deutlich unter dem Bundesdurchschnitt. Die Spannweite zwischen dem Spitzenreiter Hessen und dem letztplatzierten Mecklenburg-Vorpommern beträgt damit fast 13.000 Euro jährlich. Sachsen liegt mit einem Durchschnittsgehalt von 43.581 Euro an vorletzter Stelle.
Tief im Osten und Westen wird am wenigsten verdient
Ein Städtevergleich offenbart dabei: Tief im Westen und Osten wird am wenigsten verdient. Stuttgart führt das diesjährige kununu-Städteranking mit einem Durchschnittseinkommen von 59.189 Euro an und zieht damit an Frankfurt vorbei. Auf dem dritten Platz steht München mit seiner starken Elektronik- und Automobilindustrie und mit einer stetig wachsenden Start-up-Szene. Zudem landen mit Bonn und Düsseldorf zwei rheinische Städte unter den fünf einkommensstärksten Großstädten des Landes. Deutlich geringer fällt das Gehalt hingegen in ostdeutschen Städten sowie in den Ruhrgebietsmetropolen aus. Sowohl Dresden (46.743 Euro), Potsdam (46.162), Leipzig (45.127 Euro), Erfurt (43.549), Halle (43.157), Chemnitz (41.923) und Rostock (41.768 Euro) liegen weiterhin klar unter dem Großstadtdurchschnitt. Tief im Westen bleiben indes Bochum, Duisburg und Essen im unteren Bereich des kununu-Städterankings. Insgesamt ergibt sich im Metropolen-Ranking zwischen der am besten zahlenden Großstadt Stuttgart und dem Schlusslicht Leipzig ein Gehaltsgefälle von 31,2 Prozent oder fast 14.000 Euro jährlich - und das, obwohl Leipzig wirtschaftlich wächst, Talente anzieht und kulturell attraktiv ist.
Hier holt der Osten am stärksten auf
Doch der Osten holt auf. Mit einem Plus von 3,2 Prozent verzeichnete Sachsen-Anhalt 2025 den stärksten Gehaltsanstieg aller Bundesländer. Das ist besonders bemerkenswert, weil das Land bislang zu den Regionen mit den niedrigeren Durchschnittseinkommen zählte und noch immer zählt. Der Abstand zu anderen Bundesländern verringert sich langsam, aber sicher. Ebenfalls deutlich zugelegt haben laut kununu Berlin (plus 3,1 Prozent), Bremen (2,9 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (2,8 Prozent) sowie Hamburg und Schleswig-Holstein mit jeweils plus 2,7 Prozent. In Sachsen beträgt das Plus 2,1 Prozent.
Hohes Gehalt führt nicht automatisch zu hohem Lebensstandrad
Hohe Gehälter sind jedoch nur das eine. Die allgemeine Zufriedenheit mit dem Gehalt ist das andere. Dabei zeigt die kununu-Auswertung, dass die Beschäftigten nicht zwingend dort am zufriedensten sind, wo man am meisten verdient wird. „Denn ein hohes Durchschnittsgehalt bedeutet nicht automatisch einen höheren Lebensstandard“, heißt es. In Bundesländern wie Bayern, Hessen oder Hamburg gehe nämlich für Miete, Mobilität und Lebenshaltungskosten ein Großteil des Einkommens drauf. In ostdeutschen Bundesländern hingegen seien zwar die Gehälter niedriger, dafür aber oft auch die Kosten für Wohnen und Alltag niedriger. „Gleichzeitig ist allerdings zu beobachten, dass in östlichen Großstädten wie Leipzig die Mietpreise in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind.“
Hamburger am zufriedensten
Hamburg führt die Bundesland-Liste mit einer Gehaltszufriedenheit von 58,49 Prozent an. Knapp dahinter liegt Baden-Württemberg (58,43 Prozent). Hessen - das Bundesland mit dem höchsten Durchschnittsgehalt - belegt mit 58,06 Prozent bei der Zufriedenheit Platz drei. Auch in Bremen liegt die Zufriedenheit mit dem eigenen Gehalt bei vergleichsweise guten 57,86 Prozent - trotz eines vergleichsweise moderaten Durchschnittsgehalts von 49.415 Euro. Das gilt auch für Sachsen, das mit nur 43.583 Euro brutto im Schnitt immerhin mit einer Zufriedenheit von 56,67 Prozent auf Platz 8 kommt. „In diesen Regionen scheint das Verhältnis zwischen Einkommen, Arbeitsbedingungen und Lebensstandard für die deutliche Mehrheit der Beschäftigten zu stimmen“, analysieren die kununu-Experten. In Thüringen (52,87 Prozent), Sachsen-Anhalt (53,38 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (54,35 Prozent) werden die eher niedrigen Gehälter hingegen offenbar stärker als Belastung wahrgenommen. „Dennoch ist sogar hier die Mehrheit mit ihrem Gehalt zufrieden“, so die kununu-Experten. Entscheidend für die individuelle Gehaltszufriedenheit ist also, wie viel vom Brutto am Ende nach Abzug der Fixkosten tatsächlich übrig bleibt und wie jemand seine finanzielle Situation bewertet. (juerg)





