Der Bärlauch gedeiht in den Auenwäldern bei Leipzig besonders prächtig - und lockt auch Kriminelle an, die das Kraut und die Knollen gleich säckeweise aus dem Wald schleppen. Fast 200 Kilogramm haben Sachsens Ordnungshüter allein in diesem Jahr schon wieder sichergestellt.
Wohl sonst nirgendwo in Sachsen wächst so viel Bärlauch wie im Leipziger Auwald. Dort gedeihen die Pflanzen auf den feuchten, nährstoffreichen Böden besonders gut, dort liegt der knoblauchartige Duft des Krautes manchmal förmlich in der Luft. Beliebt ist dieser Auwald deshalb nicht nur bei Sammlern, sondern auch bei organsierten Kriminellen. Sie reisen von weit her an, durchkämmen das Gebiet und schleppen dann das Kraut und die Knollen gleich säckeweise zu ihren Fahrzeugen.
Sammeln nur für den Eigenbedarf erlaubt und auch nicht überall
Die Polizei ist alarmiert - und mit dem Rad, zu Fuß und auch hoch zu Pferd im Auwald unterwegs, um Jagd auf Bärlauch-Diebe zu machen. Mitgenommen werden darf das Kraut aus Wäldern nämlich nur in kleinen Mengen in der Größe eines Handstraußes für den Eigenbedarf. In Naturschutzgebieten und Flächendenkmalen ist das Sammeln ganz verboten - auch Teile des Leipziger Auwaldes fallen darunter.
Wer größere Mengen für eine gewerbliche Nutzung sammeln will, muss vorher das Einverständnis des Waldeigentümers oder der Naturschutzbehörde einholen. Verstöße werden nach dem Sächsischen Waldgesetz als Ordnungswidrigkeit behandelt und können mit einer Geldbuße bis zu 2500 Euro geahndet werden, in besonders schweren Fällen mit bis zu 10.000 Euro.
Bei Verkehrskontrolle Diebe erwischt
Kriminelle scheint das aber nicht zu schrecken. So haben Ordnungshüter allein in diesem Jahr schon wieder fast 200 Kilogramm Bärlauch bei Dieben sichergestellt. In der Nacht von Sonntag zu Montag wurden bei einer Verkehrskontrolle jetzt drei Russen erwischt, die 54 Kilogramm der Pflanze in ihrem Auto transportiert hatten, wie die Polizei mitteilte. Im russischsprachigen Raum gilt Bärlauch als Delikatesse.
Schon am vergangenen Donnerstag hatte ein Unbekannter im Leipziger Auwald fast 46 Kilogramm Bärlauchknollen aus dem Waldboden ausgegraben. Die Person konnte aber unerkannt flüchten. Zuvor hatte die Polizei bereits Mitte Februar im Norden Leipzigs und im Südraum bei Böhlen jeweils zwei Tatverdächtige stellen können. In dem einen Fall hatten die Diebe 40 Kilogramm Bärlauchknollen ausgegraben und zum Abtransport bereitgestellt. In dem anderen Fall sind es laut Polizei 44 Kilogramm gewesen. Die Beute wurde sichergestellt. Gegen die Diebe wird wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Verstößen gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt. 100 Kilogramm Bärlauchknollen bringen auf dem Schwarzmarkt nach Einschätzung der Polizei mehrere Tausend Euro ein.
Ordnungshüter auf Mithilfe der Polizei angewiesen
Der Bärlauch-Diebstahl hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Bis zu einer Tonne der Knollen und Blätter haben Täter bei einer einzigen Diebestour schon aus den Leipziger Wäldern gestohlen. 85 Tatverdächtige wurden laut Polizei bisher ermittelt. Sie fahren mit ihren Autos in die kleinen Wege des Auwaldes, entnehmen die Pflanzen und fahren wieder weg, wie Polizeisprecher Olaf Hoppe erklärt. Da das Gebiet so groß sei, sei man auch auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen.
Bärlauch wächst auch im Garten
Der Bärlauch ist eine Gemüse- und Heilpflanze, die mit Schnittlauch, Zwiebeln oder auch Knoblauch verwandt ist. Man kann Bärlauch grundsätzlich auch im Garten anpflanzen, Samen dafür gibt es Fachhandel. Wild wächst er bevorzugt in - ausreichend feuchten - Laubwäldern, in Gebüschen und natürlich Auenwäldern. Die Saison beginnt in der Regel im März und endet mit der Blüte im Mai. Wenn er geblüht hat, verliert er deutlich an Geschmack. (juerg/dpa)





