Schon Zwillinge sind selten. Drei jetzt in Sachsen geborene Drillinge sind aber fast schon eine kleine biologische Sensation.
Hardy, Levi und Bernie sind einen Monat alt und im Universitätsklinikum Dresden zur Welt gekommen. Sie sind eineiige Drillinge. Das heißt, sie sind aus einer einzigen befruchteten Eizelle entstanden, die sich zunächst einmal und dann noch einmal geteilt hat. Statt zusammenzubleiben wie sonst im frühen Embryo üblich, entwickelten sich aus den drei Zellen drei separate Embryonen, die das gleiche Erbgut tragen und demzufolge fast identisch aussehen. „Üblicherweise entstehen Drillinge aus zwei oder drei separaten Eizellen, sodass diese Geburt nun außergewöhnlich ist“, erklärt eine Klinik-Sprecherin.
Wahrscheinlichkeit liegt Schätzungen zufolge nur bei bis zu 1 zu 200 Millionen
Genaue Statistiken dazu, wie besonders diese Geburt genau ist, gibt es zwar nicht, weil das Phänomen zu selten ist. Auch gehen die Schätzungen dazu weit auseinander. Experten gehen aber von einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100 bis zu 1 zu 200 Millionen aus. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit für einen Sechser mit Zusatzzahl im Lotto liegt statistisch bei 1 zu 140 Millionen.
Das macht Hardy, Levi und Bernie zusätzlich besonders
Noch ein Umstand macht Hardy, Levi und Bernie aber zu einem ganz ungewöhnlichen Superdreier: Sie entstanden völlig natürlich, ohne künstliche Befruchtung. Am 7. November holte nun ein knapp 20-köpfiges Team die drei Babys in der Uniklinik Dresden per Kaiserschnitt zur Welt. Mario Rüdiger, Leiter der Neonatologie an der Klinik: „Die Jungs waren trotz der frühen Schwangerschaftswoche in gutem Zustand. Dennoch benötigten sie als sehr unreife Frühgeborene eine besondere Behandlung.“
Anzahl der Mehrlingsgeburten steigt
Ob Zwilling, Drilling oder mehr, eineiig oder nicht – bei Mehrlingsgeburten ist das Risiko, dass es zu Komplikationen bei der Geburt kommt, sowohl für die Schwangere als auch die Babys hoch. Die Natur hat es deshalb so eingerichtet, dass anders als bei anderen Säugetieren die Mehrlingsgeburt bei Menschen die Ausnahme sind. Seit den 1970er-Jahren nimmt die Anzahl der Mehrlingsgeburten aber weltweit zu - und sie wird wohl weiter steigen, wie Studien prognostizieren.
Darum gibt es zunehmend Zwillinge und Drillinge
Wissenschaftler nennen vor allem zwei Gründe für diese Entwicklung. Zum einen hat die Anzahl der Kinderwunschbehandlungen in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen. Bei einer Hormonbehandlung werden die Eierstöcke stimuliert. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Reifung mehrerer Eizellen kommt. So bekommt im Schnitt ein Viertel der behandelten Frauen Mehrlinge. Ähnlich wahrscheinlich ist das bei einer künstlichen Befruchtung durch In-vitro-Fertilisation, bei der zwei oder drei zuvor im Reagenzglas befruchtete Eizellen in die Gebärmutter eingesetzt werden – maximal drei sind zulässig, üblich sind zwei.
Alter spielt eine Rolle
Der zweite Hauptgrund: Das Durchschnittsalter der Frauen bei der ersten Schwangerschaft in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Da mit höherem Alter der Körper der Frau mehr Hormone ausschüttet, die einen Eisprung auslösen, geben die Eierstöcke mit höherer Wahrscheinlichkeit auch mehrere Eizellen zur Befruchtung frei. Darüber hinaus sind die Frauen inzwischen oft besser ernährt und daher empfänglicher. Zudem hat sich die medizinische Versorgung zu früh geborener Kinder verbessert. Das erhöht die Chancen, dass mit Drillingen schwangere Frauen auch wirklich Mütter von Drillingen werden.
Uniklinik Dresden auf Risikoschwangerschaften spezialisiert
Das Universitätsklinikum Dresden ist ein Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe – dem sogenannten Level 1 – und kann dadurch eine optimale Versorgung bieten - vor, während und nach der Geburt, egal ob es sich um eine Risikoschwangerschaft handelt oder um eine ganz normal verlaufende Schwangerschaft. Im Jahr 2024 kamen dort 87 Kinder mit einem Gewicht unter 1500 Gramm zur Welt, in diesem Jahr sind es erneut schon 86 Kinder.
Hardy, Levi und Bernie nehmen prima zu
Auch Hardy, Levi und Bernie hatten Glück. Zwar mussten die drei per Kaiserschnitt geholt werden. Die ersten Tage verbrachte das Trio auf der Intensivstation. „Seitdem haben sie aber gelernt, ohne Unterstützung zu atmen sowie die Milch ihrer Mutter alleine zu trinken“, erklärt eine Klinik-Sprecherin. „Zudem haben sie ordentlich zugenommen.“ Bernie war bei der Geburt nur 980 Gramm schwer bei 34,5 Zentimeter Größe, gefolgt von Levi (1140 Gramm) und Hardy (1210 Gramm). Inzwischen wiegen alle drei Babys mehr als 2200 Gramm.
Die Eltern Markus (35) und Synthia (29) werden ihr Trio schon bald mit nach Hause nach Dippoldiswalde nehmen dürfen. Dort warten bereits zwei weitere Geschwister auf ihre kleinen Brüder. (juerg)






