So kannten ihn viele Zuschauer: André aus „Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt“ hatte meist ein schelmisches Grinsen auf den Lippen.
So kannten ihn viele Zuschauer: André aus „Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt“ hatte meist ein schelmisches Grinsen auf den Lippen. Bild: Screenshot/RTLZwei
Sachsen
Drama in Leipzig: André aus RTLZwei-Doku „Hartes Deutschland“ ist tot

Vor dem Leipziger Hauptbahnhof war sein Revier: Viele Zuschauer kennen den Obdachlosen aber vor allem aus der RTLZwei-Doku „Hartes Deutschland“. Jetzt ist André überraschend gestorben.

Leipzig.

Er saß immer mit einem Becher, den er an einer Angel befestigt hatte, zwischen Leipziger Hauptbahnhof und Nikolaistraße auf einer Mülltonne und bat um Spenden. Schon seit einiger Zeit war er aber an seinem Stammplatz nicht mehr zu sehen. Wie RTLZwei nun auf Anfrage der „Freien Presse“ bestätigte, ist André gestorben. Der drogenabhängige Obdachlose aus der RTLZwei-Reihe „Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt“ wurde nur 42 Jahre alt.

Ins Koma gefallen

„Wie in unserer Sendung dokumentiert, fiel André ins Koma und verstarb kurze Zeit später in einem Krankenhaus“, erklärte ein Sprecher des Senders jetzt der „Freien Presse“. „Wir haben André mehr als sechs Jahre mit der Kamera begleitet und sind von seinem Tod sehr betroffen. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.“

Magendurchbruch mit Glück noch überlebt

Völlig abgemagert und schon nur noch ein Schatten seiner selbst: der drogenabhängige Leipziger André in der RTLZwei-Doku „Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt“.
Völlig abgemagert und schon nur noch ein Schatten seiner selbst: der drogenabhängige Leipziger André in der RTLZwei-Doku „Hartes Deutschland - Leben im Brennpunkt“. Bild: Screenshot/RTLZwei

Zu den genauen Todesumständen äußert sich RTLZwei auf Anfrage nicht. Schon in den letzten Leipziger Folgen der Doku-Reihe „Hartes Deutschland“ war aber ersichtlich, dass es um André nicht gut steht. Im Frühsommer 2024 hatte er einen Magendurchbruch. „Ich habe in meinem Magen ein Loch gehabt und alles, was oben reinkam, ging nicht durch den Darm wieder raus, sondern das kam alles in meinen Bauchraum“, erzählte André damals. In der Klinik musste er tagelang künstlich ernährt werden. Nur mit viel Glück überlebte er. Zuletzt wog er nur noch 43 Kilo, war nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die Sucht war stärker

Im Juni 2024 zeigte sich André dann nachdenklich: „Ich finde, es ist ein gutes Alter, um vielleicht mal was anderes zu machen“, sagte er damals. Der Klinikaufenthalt schien ihn verändert zu haben. Er habe wieder Kontakt zu seiner Familie, das wolle er nicht aufs Spiel setzen: „Ich will keinen mehr enttäuschen. Ich hab viel zu viele Menschen in meinem Leben enttäuscht, damit ist jetzt auch Feierabend“, erklärte er. Doch obwohl er Hilfe bekam und mit einem Substitutionsprogramm startete, kam André gegen seine Sucht nach Heroin und Crystal Meth nicht an.

Über Jahre hinweg hatten RTLZwei-Reporter André begleitet. Sie erlebten seine Höhen, vor allem aber seine Tiefen. Eine Weile hatte André gemeinsam mit seinem Halbbruder René und weiteren Obdachlosen Unterschlupf in den leerstehenden Baracken hinter dem Leipziger Hauptbahnhof gefunden. Doch als dort die Bauarbeiten begannen, mussten alle das Gelände räumen.

25 Jahre drohenabhängig

Nach eigenen Angaben war André seit rund 25 Jahren abhängig von harten Drogen. Wegen seiner ungewöhnlichen Art, Spenden zu „angeln“, kannten ihn in Leipzig viele. „Ich bin in Leipzig bekannt, hier bin ich der Star“, sagte er vor einigen Jahren einmal über sich selbst. Oft grinste er schelmisch. Jetzt ist dieses Lächeln für immer erloschen. Am 20. Juni 2025 endete Andrés Leben, wie erst jetzt bekanntgeworden ist. (juerg)

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