Im und rund um den Leipziger Hauptbahnhof kommt es jährlich zu Tausenden Straftaten. Die Bahn will dort deshalb jetzt durchgreifen.
Geht es nach der Anzahl der Gewaltdelikte, ist der Leipziger Hauptbahnhof der gefährlichste in Deutschland. 859 Körperverletzungen durch Schläge, Tritte oder Messerstiche, Raubüberfälle oder Nötigungen durch Gewalt zählte die Polizei dort im vergangenen Jahr. Das ist eine deutliche Steigerung im Vergleich zum Vorjahr - und das übertrifft die Anzahl der Gewalttaten an jeder anderen Station. Auf dem zweiten Platz steht wie schon im Vorjahr Dortmund mit 735 Gewaltdelikten, dahinter folgt der Berliner Hauptbahnhof mit 654. Das geht aus Zahlen der Bundespolizei hervor.
Schon mit Messerverbot reagiert
Die Sicherheitsbehörden hatten auf die Schreckensbilanz im vergangenen Jahr schon mit einem zeitweisen Messerverbot reagiert: So durften auf dem Leipziger Hauptbahnhof vom 14. November bis zum 22. Dezember jeweils Freitag bis Sonntag in der Zeit von 15 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages keine Messer oder anderen gefährlichen Gegenstände mehr mitgeführt werden. Als gefährliche Gegenstände gelten unter anderem Scheren, Bögen, Pfeile, Hackwerkzeuge wie Äxte oder Beile und Schwerter, Säbel, Kubotan-Stifte und Eispickel. Der Bahnhofsvorplatz war von diesem für das Wochenende geltenden Verbot aber ausgenommen.
Jetzt sollen Quattro-Streifen für mehr Sicherheit sorgen
Jetzt legt die Deutsche Bahn nach. Sie hat ein Sofortprogramm speziell für 25 ausgewählte Stationen mit hohen Kriminalitätsraten aufgelegt, dass dort die Sicherheit und Sauberkeit erhöhen soll. So sollen zum Beispiel in und um den Leipziger Hauptbahnhof künftig sogenannte Quattro-Streifen eingesetzt werden. Das teilte die Deutsche Bahn (DB) mit. Dabei sollen Beamte der Landespolizei, der Bundespolizei sowie Mitarbeitende des Stadtordnungsdienstes und der DB Sicherheit gemeinsam auf Streife gehen. Details zu ihren Sicherheitsverschärfungen will die DB aber erst nächste Woche Donnerstag erläutern.
Die Quattro-Streifen sind bereits an den Hauptbahnhöfen Hamburg und Bremen im Einsatz. An beiden Bahnhöfen seien die Gewaltdelikte im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel zurückgegangen, resümierte das Bundesinnenministerium letztes Jahr. Das sei unter anderem auf die Polizeistreifen zurückzuführen. Gemeinsam mit der Bundespolizei arbeitet der Konzern eigenen Angaben zufolge zudem daran, weitere Bahnhöfe mit Kameras und Videotechnik auszustatten
Wahres Ausmaß der Kriminalität noch höher
Tatsächlich ist die Kriminalitätsrate auf und rund den Leipziger Hauptbahnhof noch viel höher, als die jetzt vorgelegten Zahlen der Bundespolizei zu den Gewaltdelikten vermuten lassen. So hat die Bundes- und Landespolizei nach eigenen Angaben 2024 insgesamt 4400 Gewaltdelikte auf und im gesamten Umfeld des Leipziger Hauptbahnhofs registriert. Darüber hinaus gab es dort demnach 570 Drogen- und 2000 Eigentumsdelikte wie Raub und Diebstähle sowie 95 Verstöße gegen das Ausländerrecht. Bei den Raubdelikten im Umfeld des Bahnhofes seien vielfach Messer und Pfefferspray eingesetzt worden, hieß es im Bericht der Gemeinsamen Einsatzgruppe Bahnhof-Zentrum für das Jahr 2024. Zahlen für das Jahr 2025 liegen dazu noch nicht vor. (juerg)





