Sachsen
„Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“: Das änderte die DDR-Führung am Drehbuch

Der Klassiker mit Libuse Safránková und Pavel Trávnícek gehört zu Weihnachten wie Schwibbögen und Räuchermännchen. Doch ehe gedreht wurde, wollte das DDR-Regime Änderungen am Skript.

Moritzburg.

Seit Jahrzehnten gehört der Märchenfilm „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ fest zum TV-Programm der Weihnachtszeit dazu. Millionen Fans fiebern jedes Jahr erneut mit, wenn Aschenbrödel von ihrer bösen Stiefmutter getriezt wird, mit Hilfe der titelgebenden magischen Haselnüsse beim königlichen Ball erscheint und am Ende ihren Prinzen erobert. Doch was viele nicht wissen: Die DDR-Führung regierte ins Drehbuch des Klassikers hinein.

Das geht aus DEFA-Akten im Bundesarchiv hervor, über die etwa die BILD-Zeitung berichtete. Laut Unterlagen hatte man seitens der DEFA bei der deutsch-tschechischen Co-Produktion aus dem Jahr 1973 (wurde teils am Schloss Moritzburg bei Dresden gedreht) noch Änderungswünsche.

Aschenbrödel passte dem Regime ins Bild

Der Prinz (Pavel Trávnícek) passt Aschenbrödel (Libuse Safránková) den verlorenen Schuh an - eine Szene aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.
Der Prinz (Pavel Trávnícek) passt Aschenbrödel (Libuse Safránková) den verlorenen Schuh an - eine Szene aus „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Bild: -/Degeto/WDR/dpa/Archivbild

Der verantwortliche DEFA-Dramaturg für Kinderfilme der „Gruppe Berlin“, Klaus Richter de Vroe, hatte demnach Bedenken, was die Art und Weise anbelangte, wie das adaptierte Grimm-Märchen erzählt werden sollte.

Grund: Die Filme der DEFA sollten die Bevölkerung des Landes im Sinne der sozialistischen Diktatur umerziehen und das System stabilisieren. Dafür brauchte es Änderungen am Drehbuch.

In den DEFA-Akten des Bundesarchivs wird der Prinz spöttisch als „Tunichtgut“ bezeichnet.
In den DEFA-Akten des Bundesarchivs wird der Prinz spöttisch als „Tunichtgut“ bezeichnet. Bild: Bundesarchiv

Die Titelheldin passte dem DDR-Regime gut ins Weltbild: „Der Hauptvorteil liegt in der Zeichnung der Heldin“, heißt es in der vergilbten Akte. „Bei Grimm ist Aschenputtel ein schüchternes Wesen, das am Grab der Mutter weint, ,brav und gut‘, demütig und bescheiden, geduckt und verlassen. Dass der Prinz auf sie fliegt, ist für sie ein unerwarteter Glücksumstand, dessen Konsequenzen sie bis zuletzt brav und bescheiden ausweicht.“

Lob gab es auch für den Handlungsbogen: „Am Anfang spottet der Prinz über den grauen Hänfling, am Ende muss er sie lieben. Eine interessante Entwicklung des Verhältnisses zwischen den beiden.“ Auch dass der Prinz in den Augen des Dramaturgen als „Tunichtgut“ dargestellt wird, gefiel.

Dieses „Problem“ sah die DEFA

Fazit: „Mit der Märchengeschichte, wie sie für den Film erzählt wird, kann man also sehr einverstanden sein. Gerade, weil sie so stark vom Grimmschen Märchen abweicht.“ Jedoch sah de Vroe auch Änderungsbedarf.

„Aber aus ebendiesem Umstand ergibt sich auch ein Problem: Das Grimmsche Märchen ist den Kindern in der DDR sehr bekannt“, notiert er.

Und weiter: „Es hat poetische Elemente, die sich stark einprägen und deren absolutes Fehlen die Kinder bei uns enttäuschen würde. Das poetische Motiv der Tauben, das sich durch das ganze Märchen zieht, die einprägsamen Formeln: ‚Die guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen‘.“

Fans wissen es natürlich: Die Tauben schafften es in den fertigen Film. Sind sie es doch, die Aschenbrödel helfen, doch noch zum Ball aufbrechen zu können.

 

Nachdem die böse Stiefmutter jeweils eine Schüssel mit Mais und Linsen verschüttet und ihr aufträgt, beides wieder fein säuberlich zu sortieren, übernehmen das die gefiederten Helferlein - und Aschenbrödel kann ihrem Prinzen den Kopf verdrehen.

Übrigens: Die nächste Gelegenheit, den Film-Klassiker zu sehen, haben Sie am kommenden Sonntag, dem dritten Advent, um 17.25 Uhr auf dem MDR. Eine komplette Auflistung aller Sendetermine finden Sie in unserer Übersicht. (phy)

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