Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden trägt künftig nicht mehr den Namen Erich Ponto. (Archivbild)
Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden trägt künftig nicht mehr den Namen Erich Ponto. (Archivbild) Bild: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Sachsen
Erich-Ponto-Preis wird nach NS-Kontroverse umbenannt

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Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden trägt künftig nicht mehr den Namen Erich Ponto. Die Entscheidung fiel nach einer Bewertung von Pontos Wirken in der NS-Zeit.

Dresden.

Der Nachwuchspreis des Staatsschauspiels Dresden soll nicht mehr den Namen des Schauspielers Erich Ponto (1884-1957) tragen. Der Förderverein des Theaters beschloss eine Umbenennung und reagierte damit auf neue Erkenntnisse zum Wirken Pontos in der NS-Zeit. Zwar trage sein Werdegang "eher Züge einer Anpassungsbiografie denn einer aktiven ideologischen Beteiligung", seine Teilnahme an Propagandafilmen des nationalsozialistischen Regimes bleibe jedoch unbestritten, hieß es zur Begründung.

Besonders Pontos Darstellung des Mayer Amschel Rothschild im Propagandafilm "Die Rothschilds" (1940) weise "deutliche Züge der Stereotypisierung jüdischer Menschen zum Zweck ihrer Diffamierung" auf. "Dass dieser Film in direktem Zusammenhang mit der antisemitischen Propaganda des NS-Regimes und der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens steht, ist ebenfalls unbestritten." 

Preisträger soll keine fortwährende Debatte zugemutet werden

Die Motive Pontos für seine Mitwirkung an den Filmen ließen sich nicht mehr aufklären, hieß es. Für den Förderverein habe sich dennoch die Frage gestellt, ob man Preisträgern die fortwährende Auseinandersetzung mit seiner Beteiligung an NS-Propagandafilmen zumuten könne.

Deshalb habe der Vorstand dafür gestimmt, den Preis als "Nachwuchspreis des Fördervereins Staatsschauspiel Dresden" zu vergeben. Die Mitgliederversammlung habe dem mit großer Mehrheit zugestimmt. Die künftige Namensgebung sei aber noch offen.

Ponto bleibt aber Ehrenmitglied des Staatsschauspiels

Nach einer Entscheidung der Leitung des Staatsschauspiels soll Ponto jedoch weiter als Ehrenmitglied des Hauses geführt werden – mit einer entsprechenden Kontextualisierung versehen. Denn "trotz seiner Anpassungsbiografie" sei er eine bedeutende Persönlichkeit in der Geschichte des Dresdner Theaters als Schauspieler und Intendant gewesen, teilte die Bühne mit.

"Der Blick auf die NS-Vergangenheit ist Teil unserer Orientierung für die Gegenwart. Im Rahmen der Recherchen des Historischen Archivs der Sächsischen Staatstheater konnte festgestellt werden, dass Erich Ponto weder Mitglied der NSDAP noch einer ihrer Vorfeldorganisationen war", betonte Intendant Joachim Klement. Auch wenn sich Ponto in der Nachkriegszeit um kritische Distanz bemüht habe, sei eine eindeutige Stellungnahme zur eigenen Verantwortung als Künstler öffentlich ausgeblieben. 

Wertschätzende Zeugnisse über Ponto auch von NS-Gegnern 

Allerdings hätten die Recherchen auch gezeigt, dass es wertschätzende Zeugnisse von Zeitgenossen über ihn gab, darunter von Verfolgten des NS-Staates, argumentierte Klement. "Das sind die Gründe, warum das Staatsschauspiel Dresden Erich Ponto die Ehrenmitgliedschaft nicht nachträglich aberkennen wird."

Ponto wirkte von 1914 bis 1947 am Schauspielhaus Dresden und galt als großartiger Charakterdarsteller. In der NS-Zeit wirkte er in vielen Unterhaltungsfilmen wie der "Feuerzangenbowle" oder "Das fliegende Klassenzimmer" mit. Er spielte aber auch in nationalsozialistischen Propagandastücken und -filmen, neben den "Rothschilds" etwa in "Ich klage an" und "Blutbrüderschaft". 1945 und 1946 war er Generalintendant der Bühnen in Dresden, dem späteren Staatsschauspiel Dresden. (dpa)

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