Gebhardt für ein Jahr zum Linksfraktionschef gewählt

Der 56-Jährige wurde am Dienstag mit 9 von 14 Stimmen gewählt. Neu im Fraktionsvorstand ist eine Linke aus Mittelsachsen.

Dresden.

Rico Gebhardt bleibt weiter Landtagsfraktionschef der Linken. Der 56-Jährige wurde am Dienstag mit 9 von 14 Stimmen gewählt. Vier Abgeordnete stimmten mit Nein, es gab eine Enthaltung. Gebhardt war der einzige Bewerber. Die Entscheidung zur erneuten Kandidatur sei ihm nicht leicht gefallen, sagte er danach vor der Presse. Er habe viel Zustimmung aus der eigenen Partei erhalten, auch Linke-Wähler hätten ihn gebeten, nicht hinzuschmeißen und "die Nahles" zu machen. Deswegen habe er sich "entschieden, nicht zurückzutreten, sondern die Verantwortung dahingehend zu übernehmen, dass ich jetzt erstmal die Fraktion weiterführe". Die Amtszeit des neuen Vorstandes wurde auf ein Jahr begrenzt. 

Gebhardt steht bereits seit August 2012 an der Fraktionsspitze. Als Spitzenkandidat hatte der gelernte Koch die Linke wie schon vor fünf Jahren auch dieses Mal wieder in die Landtagswahl geführt. Das dabei erzielte 10,4-Prozent-Ergebnis nannte er selbst noch am Wahlabend eine "Katastrophe". Nach dem Verlust von 8,5 Prozentpunkten im Vergleich zu 2014 schrumpfte die Linksfraktion von 27 auf nur noch 14 Abgeordnete - so klein war sie selbst als PDS/Linke Liste Anfang der 1990er Jahre nie gewesen. Sollte eine Kenia-Koalition aus CDU, Grünen und SPD zustande kommen, bliebe ihr im neuen Landtag nur noch die Rolle als kleinste Oppositionsfraktion. Die AfD-Fraktion ist mit 38 Abgeordneten jetzt fast dreimal so groß.

Ebenfalls ihr Amt behalten können die bisherige Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion, Sarah Buddeberg (12 Ja, 2 Nein), sowie Fraktionsvize Susanne Schaper (9 Ja, 3 Nein). Weitere Fraktionsvize wird mit Marika Tändler-Walenta (8 Ja, 5 Nein) die Kreisvorsitzende der Linken in Mittelsachsen, die neu im Landtag ist. Der Leipziger Marco Böhme, der sich ursprünglich ebenfalls als stellvertretender Fraktionsvorsitzender beworben hatte, zog seine Kandidatur kurzfristig zurück. Die Zahl der Fraktionsvize war angesichts der kleineren Fraktion von vier auf zwei halbiert worden. 

Gebhardt (1), Schaper (2), Tändler-Walenta (5) und Buddeberg (6) hatten zur Landtagswahl neben Parteichefin Antje Feiks (3) und Böhme (4) auf den ersten sechs Listenplätzen kandidiert. Die Neuwahl des Landesvorstandes der sächsischen Linken soll turnusgemäß auf einem Parteitag im November erfolgen. 

Gebhardt kündigte an, neben dem Fraktionsvorsitz auch noch das Amt des rechtspolitischen Sprechers zu übernehmen. Dieses hatte bisher Klaus Bartl inne, der nach 29 Jahren im Landtag dieses Mal nicht wieder zur Wahl angetreten war. Weil der Dresdner Anwalt André Schollbach, der eigentlich für die Nachfolge vorgesehen war, nicht den Sprung ins Parlament schaffte, verfügt die Fraktion über keinen einzigen Juristen mehr. (tz)

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...