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Große Unterschiede beim Strompreis in Südwestsachsen: Alle Versorger im Vergleich

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Die meisten Stromanbieter in der Region erhöhen ab Januar die Preise. Doch sowohl bei den Aufschlägen als auch beim Preis für die Kilowattstunde liegen die Versorger teilweise weit auseinander. Und: Es gibt auch Stadtwerke, die ihre Tarife stabil halten.

Chemnitz.

Viele Haushalte in Südwestsachsen müssen ab Januar deutlich mehr für Strom bezahlen, weil Energieversorger auf breiter Front die Preise anheben. Allerdings gibt es dabei große Unterschiede, wie ein "Freie Presse"-Vergleich der Grundversorgertarife in der Region zeigt. Die Bandbreite bei den Arbeitspreisen reicht von 42,30 bis zu 62,82 Cent je Kilowattstunde (kWh) an der Spitze - immerhin eine Differenz von 20,51 Cent zwischen dem günstigsten und teuersten Anbieter. Drei der insgesamt 16 Grundversorger in Südwestsachsen - die Stadtwerke Schneeberg, Annaberg-Buchholz und Olbernhau - haben auf Nachfrage erklärt, die Preise zum 1. Januar nicht anheben zu wollen, bei allen anderen steigen sie. Und das zum Teil sehr drastisch.

In Plauen steigt Arbeitspreis um 160 Prozent

Der höchste Anstieg findet sich bei den Stadtwerken Plauen, dort steigt der Arbeitspreis um 160 Prozent. Allerdings ist das Preisniveau dort bislang vergleichsweise niedrig, für die Kilowattstunde wird derzeit 23,62 Cent verlangt. Bei den Stadtwerken Glauchau, dem teuersten Grundversorger in Südwestsachsen, kostet die Kilowattstunde aktuell noch 39,53 Cent brutto (inklusive Steuern, Umlagen und Abgaben). Ab Januar sind es dann 62,82 Cent, ein Aufschlag von fast 60 Prozent.

Die Stadtwerke Glauchau begründeten die Erhöhung damit, dass über einen längeren Zeitraum täglich Teilmengen von Strom eingekauft wurden. Aufgrund der extremen Schwankungen des Börsenpreises seien so leider auch die Preishochs im Einkaufspreis enthalten. "Die Beschaffung für 2023 fällt zwar immer noch deutlich geringer aus als die Preisspitzen an den Börsen, ist aber doch erheblich gestiegen", schreibt das Unternehmen.

Auch andere Versorger argumentieren mit höheren Beschaffungskosten. Zudem werden gestiegene Netzentgelte, Umlagen und Abgaben wie etwa die Offshore-Umlage angeführt, die allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Anteil am Aufschlag haben. Bei den Stadtwerken Glauchau etwa erhöht sich das Netzentgelt, das alle Stromabnehmer für die Nutzung der Infrastruktur an den jeweiligen Netzbetreiber zahlen müssen, von 5,97 auf 6,84 Cent je kWh (brutto).

Hohe Börsenpreise fließen immer öfter ein in Kalkulation

Die Frage, weshalb die Versorger so unterschiedliche Verbrauchspreise verlangen, lässt sich jedoch nur pauschal beantworten. Die Anbieter erklären dies mit auf die Kundenstruktur abgestimmten Beschaffungsstrategien. Sie kaufen ihre erwarteten Absatzmengen zwar in der Regel mit langem Vorlauf von bis zu zwei, drei Jahren ein. "Aufgrund des nun bereits seit mehr als einem Jahr hohen Preisniveaus an den Terminmärkten fallen aber auch immer mehr teure 'Anteile' der Beschaffung in die Preiskalkulation", heißt es etwa beim Chemnitzer Versorger Eins Energie. Eine Rolle dürfte auch spielen, wie viele Neukunden in den letzten Monaten in die Grundversorgung aufgenommen werden mussten. Entsprechend müssen die Anbieter dann kurzfristig Strom nachkaufen.

Aus Wettbewerbsgründen keine Auskunft zu Einkaufspreisen

Wie und zu welchen Konditionen Strom beschafft wird, ob zu Tagespreisen oder per Zweijahres-Kontrakte oder ob der Strom vom Anbieter selbst erzeugt wurde, erfährt man jedoch nicht. Die Stadtwerke Meerane, der günstigste Grundversorger in Südwestsachsen, wollten sich auf Anfrage nicht zu ihrer Einkaufspolitik äußern. Eins Energy schrieb, dass man aus Wettbewerbsgründen weder zu Einkaufspreisen noch Gewinnmargen Auskunft gebe.

Dass die aktuellen Preiserhöhungen gerade mit dem Start der von der Bundesregierung geplanten Strompreisbremse zusammenfallen, facht derzeit eine Diskussion an. Denn es steht der Verdacht im Raum, dass Energieversorger ihre Tarife stärker erhöhen als sie müssten, weil die Verbraucher die Erhöhung aufgrund des Preisdeckels ja nur teilweise zu spüren bekommen. Bei Eins Energie wies man den Vorwurf der Mitnahmeeffekte zurück. "Unsere Preiskalkulation" erfolge analog der letzten Jahre und "im Rahmen gesetzlicher Grundlagen", heißt es.

Die Strompreisbremse soll bei 40 Cent greifen, alle Anbieter in Südwestsachsen liegen mit ihren Preisen ab Januar darüber.

Bis zu einer Million Euro Bußgeld möglich

Nach dem aktuellen Gesetzentwurf zum Deckel soll das Bundeskartellamt die Preisbildung der Stromanbieter überwachen. Demnach sollen die Anbieter auch in Zukunft nachweisen müssen, ob eine Preiserhöhung auch gerechtfertigt war. Aber auch Verbraucherschützer haben angekündigt, genau hinzuschauen, ob es zu Mitnahmeeffekten bei den Anbietern kommt. "Das gilt es zu beobachten. Die Gesetzesentwürfe sehen aber Strafzahlungen in solchen Fällen vor. Derzeit sortiert sich der Markt gerade neu. Wir begleiten das Geschehen und sind mit Anbietern auch im Gespräch", sagte Lorenz Bücklein, Energieexperte bei der Verbraucherzentrale Sachsen. Laut dem Gesetzentwurf droht Energieversorgern, die unrechtmäßig Preise angehoben haben, ein Bußgeld von bis zu einer Million Euro.

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