Montanregion Erzgebirge: Welterbe-Titel greifbar nahe

Annaberg-Buchholz/Dresden.

Die Montanregion Erzgebirge ist ihrem Ziel, in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen zu werden, einen großen Schritt näher gekommen. Der Weltdenkmalrat (Icomos) hat in seinem Gutachten eine positive Empfehlung an das Welterbekomitee gegeben. Dies bestätigte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Erzgebirge, Matthias Lißke. Die endgültige Entscheidung über die Aufnahme fällt Anfang Juli bei der nächsten Sitzung des Welterbekomitees in Aserbaidschan.

Deutschland darf in diesem Jahr zwei Anträge einreichen. Einer davon ist die Montanregion Erzgebirge mit 17 Objekten auf deutscher und fünf auf tschechischer Seite. Die ausgewählten Denkmale, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren in ihrer Gesamtheit die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des rund 800-jährigen sächsisch-böhmischen Erzbergbaus. In ihrer Verbindung verkörpern die 22 Objekte einen außerordentlichen universellen Wert.

Volker Uhlig, der Vorsitzende des Welterbevereins, sagte: "Nach der langen, intensiven Arbeit vieler engagierter Partner am Welterbeprojekt freuen wir uns über die fachliche Beurteilung des Welterbeantrages und sehen nun mit besonderer Spannung der Entscheidung der Unesco zur Aufnahme ins Welterbe entgegen." Unmittelbar vor der Entscheidung werden die Vertreter aus dem Erzgebirge Unterstützung von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer CDU) erhalten. "Ich werde mich bei der Tagung in Baku mit dafür einsetzen, dass wir den Titel nach Sachsen holen können", sagte Kretschmer. Voraussichtlicher Termin zur Aufnahme der Kulturlandschaften in das Unesco-Welterbe wird der 6. oder 7. Juli sein.

Den ersten Antrag hatten die Projektentwickler aus Sachsen und Böhmen 2016 wieder zurückgezogen. Die damalige Struktur des Antrages mit seinen sehr vielen Einzelobjekten hatten die Unesco und der Weltdenkmalrat bemängelt, allerdings auch Hilfe angeboten. Das geschieht nur ganz selten, aber schließlich konnte dank der Begleitung durch Icomos der Antrag 2018 überarbeitet und neu eingereicht werden. Die Prüfung durch den Weltdenkmalrat erfolgte dann vor Ort. Dabei wurden alle 22 Objekte und Bestandteile des Antrages besichtigt.

Ein möglicher Welterbetitel hätte nach Aussage von Lißke gleich mehrere wichtige positive Auswirkungen auf das Erzgebirge. "Mit einem solchen Titel würden wir wirklich in einer anderen Liga spielen", so Lißke. Dieser Titel, der den Wert einer einzigartigen Kulturlandschaft dokumentiert, würde dem Tourismus, aber auch der Wirtschaft insgesamt helfen. Schließlich sei das Erzgebirge eine Industrie-Kulturlandschaft - und das werde sie auch bleiben. Mit dem Titel stiegen zudem die Möglichkeiten, die wertvollen historischen Objekte des Bergbaues zu erhalten, weil es dafür dann bessere Fördermöglichkeiten gebe. Ganz wichtig ist dem Wirtschaftsförderer aber auch die Tatsache, dass das Erzgebirge über den langen Weg der Vorbereitung des Antrages viel stärker zusammengewachsen ist. "Das war für die Region unwahrscheinlich identitätsfördernd", betont Lißke.

Die Unesco-Welterbeliste gibt es seit 1978. Derzeit führt sie 1092 Stätten in 167 Ländern. Deutschland zählt aktuell 44 Welterbestätten. In Sachsen ist bislang nur der Muskauer Park Welterbe. (mit dpa)

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