Platz im Pflegeheim ist in Sachsen bundesweit am günstigsten

Weil die Kosten unaufhaltsam steigen, wird der Ruf nach Steuerzuschüssen lauter. Sachsen geht einen anderen Weg.

Als Anfang dieses Jahres die Kosten für Pflegeheimplätze in Sachsen zum Teil drastisch stiegen, gab es einen Proteststurm. Nun stellt sich heraus: Der Aufenthalt in einem sächsischen Heim ist dennoch so günstig wie in keinem anderen Bundesland. Das geht aus dem neuen Pflegereport der DAK-Gesundheit hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Demnach zahlte jeder Heimbewohner in Sachsen im ersten Quartal 2019 im Schnitt monatlich 1203 Euro, während in Nordrhein-Westfalen mehr als Doppelte verlangt wurde. Bundesweit betrug die Summe der Eigenbeiträge 1874 Euro. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern seien nicht nur durch Zuschüsse zu Investitionen, sondern auch durch andere Tarife und Personalschlüssel zu erklären.

Den größten Anteil machen dabei überall die Kosten für Unterkunft und Verpflegung aus. In Sachsen sind das durchschnittlich 551 Euro (bundesweit: 800) pro Monat. Für die Pflege werden im Schnitt 340 (662) Euro und für Investitionen 312 (412) Euro fällig. Ohne die Leistungen aus der Pflegeversicherung wären die Kosten noch einmal deutlich höher - beim Pflegegrad 2 beträgt die Pauschale, die die Heime erhalten, beispielsweise 770 Euro, bei Pflegegrad 3 bereits 1262 Euro.

Die Kostenspirale dreht sich unterdessen weiter. Wenn sich an dem jetzigen System der Pflegeversicherung nichts ändere, würden die Eigenanteile bis 2045 auf fast das Dreifache steigen, hat der Bremer Gesundheitsökonom Professor Heinz Rothgang ausgerechnet. "Diese Entwicklung entzieht einer Sozialversicherung die Legitimation", konstatierte DAK-Vorstandsvorsitzender Andreas Storm.

Der Kassenchef präsentierte ein Konzept, mit dem Pflegebedürftige langfristig entlastet und das Armutsrisiko vermieden werden könnten - vor allem durch Steuerzuschüsse. "Wie das Kindergeld ist auch das Pflegegeld eine Sozialleistung mit gesamtgesellschaftlichem Charakter, der eine Steuerfinanzierung rechtfertigt", sagte Storm.

Wesentlicher Bestandteil des Konzepts ist eine Deckelung der Eigenanteile für die Pflegekosten. Sie sollten am Anfang im Bundesdurchschnitt 450 Euro betragen und dann entsprechend der Lohnentwicklung dynamisch steigen. Gegenwärtig übernimmt die Pflegekasse einen fixen Anteil, während es für die Eigenanteile der Pflegebedürftigen keine Grenze gibt.

Mit seinen Forderungen sieht sich Storm nicht allein. In einer Umfrage des Allensbach-Instituts sprachen sich 75 Prozent für eine Begrenzung der Eigenanteile aus. Ebenso viele Menschen befürchten, dass sie im Falle einer Pflegebedürftigkeit finanziell nicht ausreichend abgesichert sind. Zuvor hatte bereits der AOK-Bundesverband einen höheren Bundesbeitrag zur Entlastung der Pflegebedürftigen gefordert. Sachsens Sozialministerium will dagegen mit einem Landesprogramm die Eigenanteile für Investitionen senken. Das Thema werde bei den Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spielen, heißt es.

Vergangenes Jahr zahlte die Pflegeversicherung rund 38 Milliarden Euro aus. In den nächsten fünf Jahren rechnen Experten mit einem Anstieg auf 50 Milliarden. Wegen der steigenden Kosten wurde der Beitrag zur Pflegeversicherung Anfang dieses Jahres auf 3,05 Prozent angehoben.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    4
    Interessierte
    16.10.2019

    Die Sachsen haben doch auch weniger Geld als die in NRW
    Deshalb bezahlen die Sachsen doch auch kleinere Mieten



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