Sachsen fordern von Politikern: Kümmert euch um die Bildung

Nach den Verlusten bei der Bundestagswahl hat sich die CDU-Landtagsfraktion bei den Bürgern umgehört. In der Deutlichkeit ist das Resultat überraschend.

Dresden. Die Sachsen fordern von der Landesregierung vor allem mehr Einsatz bei der Bildungspolitik. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der CDU-Landtagsfraktion. Demnach verlangen 86 Prozent der Befragten, dass sich die Politik um eine gute Schul- und Bildungspolitik stärker kümmern müsse. Nur zehn Prozent wollen keine Veränderungen, drei Prozent eher ein geringes Engagement.

Die bisherige Arbeit des Kultusministeriums wird aber nicht generell kritisch gesehen: Mehr als die Hälfte der 1002 Personen, die vom 25. September bis 7. Oktober befragt wurde, ist mit dem sächsischen Bildungssystem sehr oder eher zufrieden (54 Prozent). 37 Prozent sind der gegenteiligen Auffassung. Die Aussage, dass sowohl leistungsstarke als auch leistungsschwache Schüler gut gefördert werden, teilt knapp die Hälfte (49 Prozent) nicht.

Der CDU-Fraktion trauen zwar lediglich 32 Prozent der Umfrage-Teilnehmer zu, dass sie eine gute Bildungspolitik betreiben kann. Allerdings ist dies der beste Wert aller Landtagsfraktionen. Die SPD folgt auf Platz zwei (21 Prozent).

Nach der Bundestagswahl hatte die sächsische CDU unter anderem den Lehrermangel für ihr schlechtes Abschneiden verantwortlich gemacht. Durch die neue Umfrage fühlt sie sich nun bestätigt: Man habe feststellen können, dass man mit der Analyse richtig gelegen habe, sagte CDU-Fraktionschef Frank Kupfer am Freitag.

Bei einer dreitägigen Klausur hatten die CDU-Abgeordneten die Umfrageergebnisse diskutiert und sich auf Eckpunkte für den nächsten Doppelhaushalt verständigt. Dazu gehört, weiter wie bisher pro Jahr mindestens 75 Millionen Euro Schulden abzubauen. Grundsätzlich sagte Kupfer zu Forderungen nach einem Kurswechsel in der Finanzpolitik: "Wenn wir eine 180-Grad-Wende machen würden, dann hieße das, wir haben 27 Jahre die falsche Politik gemacht. Das haben wir aber nicht." Neue Ziele, wie zuletzt vom Koalitionspartner SPD gefordert, schloss Kupfer aus: "Wir haben einen Koalitionsvertrag, der gilt noch zwei Jahre - und den werden wir abarbeiten." Der Schuldenabbau ist für die Bürger allerdings nach der neuesten Umfrage eher zweitrangig. Priorität haben neben der Schulpolitik die Kriminalitätsbekämpfung und die medizinische Versorgung.

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4Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    gelöschter Nutzer
    12.11.2017

    Es scheint, als würden sich Teile der Sachsen-CDU zum ersten Male gezwungen sehen, sich ernsthaft mit etwas auseinanderzusetzen, was sie bislang als Spinnerei von (einigen) Eltern, Lehrern, Schulleitern und den Lehrergewerkschaften abgetan haben. Der Lerneffekt bei den Politikern ist allerdings überschaubar. Wenn das Ergebnis der Klausur zum künftigen Doppelhaushalt lautet: "Weiter so!", dann ist das an Ignoranz und Inkompetenz kaum mehr zu überbieten. Vor allem zeigt es die Arroganz dieser Partei, die unser Sachsen regiert, als wäre es ihr Eigentum. Ich schätze, das erstaunte Reiben der Augen bei den Parteioberen ob der Ergebnisse der nächsten Landtagswahlen wird dann wohl nicht mehr reichen, wahrscheinlich aber auch nicht mehr nötig sein.

  • 4
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    Zeitungss
    12.11.2017

    Wenn ein Arbeitnehmer solche Arbeit abliefert, darf er am nächsten Tag und in Folge, ausschlafen und sich mit den Gedanken an H 4 vertraut machen. Es geht aber auch GANZ ANDERS.

  • 5
    0
    Freigeist14
    11.11.2017

    "Sachsen-CDU will keine Wende-Festhalten an sparsamen Finanzkurs" wurde gestern getitelt. Also bleibt`s wie`s is. Vielleicht finden sich ja noch ein paar Quereinsteiger......Von erzkonservativen Hardlinern wie Kupfer erwarte ich eh´nix Neues.

  • 8
    0
    693774
    11.11.2017

    "Nach der Bundestagswahl hatte die sächsische CDU unter anderem den Lehrermangel für ihr schlechtes Abschneiden verantwortlich gemacht. Durch die neue Umfrage fühlt sie sich nun bestätigt: Man habe feststellen können, dass man mit der Analyse richtig gelegen habe, sagte CDU-Fraktionschef Frank Kupfer am Freitag."

    Es tut mir leid, gerade den Bedarf an Lehrern kann man mit 6-7 Jahren Vorlauf exzellent planen. Die Unfähigkeit, das auch zu tun spricht Bände über das intellektuelle Niveau unserer sogenannten "Volksvertreter". Wenn man schon solche relativ klar zu lösenden Probleme nicht in Griff bekommt, wie will man dann schwierigere Sachen klären? Wer wissen will, wie es in unserer Gesellschaft weitergehen wird, sollte sich den Film "Idiocracy" ansehen.



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