Vor zwei Jahren hatte der Schweizer Bobpilot Michael Vogt im Eiskanal in Altenberg einen schlimmen Sturz, der seinen Anschieber fast das Leben kostete. Deshalb boykottiert er jetzt den Weltcup dort - und erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen den Betreiber der Bahn. Zu Unrecht?
Diesen Tag im Februar 2024 werden der Schweizer Bob-Star Michael Vogt und sein Anschieber Sandro Michel nie vergessen. Ihr Viererbob stürzt bei einem Trainingslauf im Altenberger Eiskanal in der Kurvenpassage 13/14, Anschieber Michel wird aus dem Bob katapultiert. Er schlittert die Bahn hinunter, ist benommen. Unten im Ziel rutscht der gut eine halbe Tonne schwere Bob dann aber vom steilen Auslaufgang wieder zurück, erwischt Michel mit voller Wucht und fügt ihm lebensbedrohliche Verletzungen zu. Rund zwei Jahre später kämpft Michel noch immer mit den Folgen.
Das wirft Vogt dem Betreiber vor
Nun gastiert der Weltcup-Zirkus nächste Woche erneut in Altenberg. Der Schweizer Bob-Star Michael Vogt wird aber nicht dabei sein. Er boykottiert seit dem Sturz diese Bahn - und erhebt erneut schwere Vorwürfe gegen den Betreiber des Eiskanals. „Ich fahre nicht auf einer Bahn, wo einer unserer Anschieber fast gestorben wäre und sich seither nichts geändert hat“, erklärte der 28-Jährige jetzt dem Schweizer „Blick“. Das Team wolle damit deutlich machen, dass man mit der Aufarbeitung des Unfalls in Deutschland nicht zufrieden sei. Von seinem nationalen Verband bekommt Vogt Rückendeckung. In einem Schreiben heißt es demnach: „Die Selektionskommission hat Verständnis für diese außerordentliche Situation.“ Auch Anschieber Sandro Michel hatte nach seinem Horror-Sturz den Weltverband IBSF und die Betreiber der Bob-Bahn scharf kritisiert.
Eiskanal-Chef: Aussage entspricht nicht der Realität
Die WiA (Wintersport Altenberg GmbH) als Betreiber des Eiskanals weist die Vorwürfe unterdessen entschieden zurück. „Wir respektieren die persönliche Entscheidung des Schweizer Bobpiloten Michael Vogt“, teilt WiA-Geschäftsführer Jens Morgenstern auf Anfrage der „Freien Presse“ dazu mit. „Allerdings entspricht die Aussage, dass seit 2024 keinerlei Fortschritte erzielt wurden, nicht der Realität.“ Es habe zum Beispiel schon drei große Sicherheitskonferenzen gegeben, konkrete Maßnahmen seien bereits umgesetzt oder befänden sich in der Umsetzung.
Zusatzpersonal soll Unfall wie 2024 jetzt verhindern
Eine dieser Maßnahmen: Im Auslauf gibt es inzwischen zusätzliches, speziell geschultes Personal, das verhindern soll, dass ein gestürzter Bob zurück rutscht und dabei jemanden verletzt. „Das ist in vielen Fällen bereits gelungen“, so Morgenstern. „Eine 100-prozentige Garantie kann es aber nicht geben – weder in Altenberg noch anderswo.“ Aber: Die Bahn sei im Sommer 2025 sowohl vom Bob- und Skeleton-Weltverband als auch von den Rodlern erneut für die laufende Saison freigegeben worden. Darüber hinaus kommuniziere man ganz offen, „was wir können, aber auch unsere Grenzen“.
Schweizer gehen statt mit Vogt mit Nachwuchspilot Rohn an den Start
So arbeitet der Bob- und Schlittenverband für Deutschland laut WiA gemeinsam mit dem Allianz Zentrum für Technik (AZT) an einem neuen Sicherheitskonzept: Einen Prototypen für einen besseren Kopfschutz für die Sportler gibt es bereits. Zudem wurde in Altenberg ein Gurtsystem für Bremser getestet, das das Herausschleudern verhindern soll. Bob-Star Vogt reicht das aber nicht. Statt beim Weltcup-Finale in Altenberg will der Schweizer deshalb beim Europacup in Innsbruck an den Start gehen. Von einem Boykott des gesamten Schweizer Teams der Bahn im Osterzgebirge kann aber keine Rede sein. Der 23-jährige Schweizer Nachwuchspilot Kilian Rohn wird für Vogt in Altenberg einspringen. (juerg)






