Der Warnstreik am Freitag wird in Sachsen viele Pendler und wohl auch Schüler treffen.
Der Warnstreik am Freitag wird in Sachsen viele Pendler und wohl auch Schüler treffen. Bild: Robert Michael/dpa
Sachsen
Streik im Nahverkehr am Freitag: Chemnitz, Zwickau, Plauen, Dresden und Leipzig betroffen

Die Gewerkschaft Verdi ruft für Freitag in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu einem Streik im öffentlichen Nahverkehr auf. Auch in fünf sächsischen Städten müssen Fahrgäste und Schüler daher damit rechnen, dass weder Bus noch Bahn fahren. In Teilen Südwestsachsens wird es besonders eng, weil dort abends ab 20 Uhr wegen Bauarbeiten auch keine Züge fahren.

Chemnitz.

Die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsunternehmen in Chemnitz, Zwickau, Plauen, Dresden, Leipzig und Zwickau sind am 27. Februar zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen worden. Das teilte die Gewerkschaft Verdi mit. „Wir rechnen damit, dass der ÖPNV am Freitag ab Dienstbeginn weitgehend in diesen Städten still steht“, sagte der sächsische Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt der „Freien Presse“. „Das gilt auch für den Schülerverkehr.“

Ausfälle im gesamten Chemnitzer Liniennetz zu erwarten

Nach Gewerkschaftsangaben werden am Freitag unter anderem die Chemnitzer Verkehrs-AG (CVAG), der Stadtverkehr Zwickau und die Plauener Straßenbahn bestreikt - „und zwar ganztägig“, sagte Schmidt. Bereits Anfang Februar hatte die Gewerkschaft mit einem Warnstreik den öffentlichen Nahverkehr in Teilen Sachsens nahezu lahmgelegt. Die CVAG rechnet auch dieses Mal mit erheblichen Einschränkungen und Ausfällen in ihrem gesamten Liniennetz. Nicht bedient werden laut CVAG am Freitag ab 0 Uhr bis Samstag 3 Uhr die Linien 1, 3, 4, 5, 21, 22, 23, 32, 33, 43, 51, 52, 62/72, 73, 83, 93, EV2. Die Nachtlinien N11 bis N18 sollen demnach zwar in der Nacht von Donnerstag auf Freitag in Chemnitz verkehren. In der Nacht von Freitag auf Samstag entfallen sie dann aber bis 3 Uhr. Die City-Bahn Chemnitz wird auch dieses Mal nicht bestreikt, da sie ihre Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) führt. Darauf weist City-Bahn-Geschäftsführer Friedbert Straube hin.

Zusätzliche Einschränkungen durch Bahn-Bauarbeiten

Da allerdings ab Freitag 20 Uhr bis Sonnabend 4 Uhr zusätzlich zum Warnstreik nahezu das gesamte Gebiet des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (Stadt Chemnitz, Erzgebirgskreis, Landkreise Mittelsachsen und Zwickau) von einer Baumaßnahme Bahn-Infrastrukturbetreiber DB InfraGO AG betroffen ist, kann in dieser Zeit auch kein Zug fahren. Busse springen als Schienenersatzverkehr (SEV) ein. Straube: „Achtung: Nach- und vorlaufende Zugfahrten können später oder früher verkehren. Auf den Linien C13, C14 und C15 kommt es bereits ab 18.30 Uhr aufgrund anzupassender Betriebsabläufe zu ersten Einschränkungen.“ Am Samstag müsste dann aber wieder alles rollen, kündigt Gewerkschafter Schmidt an.

Darum ruft die Gewerkschaft zu Warnstreiks auf

„Überall hören wir das gleiche: kein Spielraum bei der Arbeitszeit, kein ernstzunehmendes Angebot zur Entlastung“, erklärte Paul Schmidt zu den Gründen für den neuerlichen Warnstreik. „ Gleichzeitig wissen alle um die enorme Belastung in den Betrieben. Die kommunalen Arbeitgeber versuchen, die strukturelle Unterfinanzierung des ÖPNV auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Das lassen wir nicht zu.“ Busfahrerinnen, Straßenbahnfahrer, Werkstatt-, Verwaltungs- und Servicebeschäftigte dürften nicht die Leidtragenden politischer Versäumnisse sein. „Wer täglich Mobilität für Millionen Menschen sichert, hat Respekt und echte Entlastung verdient – keine Blockadehaltung.“

Mit den Arbeitsniederlegungen will Verdi in parallel laufenden Tarifverhandlungen den Druck erhöhen. Die Warnstreiks seien ein deutliches Signal an die kommunalen Arbeitgeber, endlich ernsthaft zu verhandeln und tragfähige Lösungen vorzulegen. „Wir wollen längere und verlässliche Ruhezeiten zwischen den Schichten und schrittweise von der 38- zur 35-Stunden-Woche kommen, während die Arbeitgeber hingegen weiter zurück zur 40-Stunden-Woche und den Urlaub kürzen wollen“, erklärte Schmidt. Auch der Krankengeldzuschuss solle verschlechtert werden. „Verbindliche Zusagen etwa zur Beschäftigungssicherung oder zur dauerhaften Entgeltkopplung gibt es nach wie vor nicht.“

Das sagen die Arbeitgeber

Die sächsischen Arbeitgeber lehnen die Forderungen der Gewerkschaft ab. Die würden die Kosten um rund zwölf Prozent erhöhen, heißt es in einer Stellungnahme des Kommunalen Arbeitgeberverbands Sachsen (KAV) dazu. „Bereits vereinbarte Tariferhöhungen in Höhe 2,8 Prozent zum 1. Mai 2026 treten noch hinzu.“

In den vergangenen Tarifrunden seit 2022 seien die Tabellenentgelte zudem bereits schon um 30 bis 40 Prozent gestiegen. Für „produktivitätsbeeinträchtigende Forderungen“ sehe man in der aktuellen Tarifrunde keinen Spielraum, erklärte der KAV. Die Arbeitgeber hätten deshalb ein Positionspapier vorgelegt, das unter anderem eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden, Einschnitte bei Urlaub und Zuschlägen sowie den Wegfall des Krankengeldzuschusses vorsieht, um Arbeitsplätze zu sichern und die Produktivität zu steigern. (juerg)

Erschienen am: 24.02.2026 | 11:16 Uhr
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