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Von der Arktis bis zum Amazonas: Das Festival "Theater der Welt" bringt 33 Produktionen aus aller Welt nach Chemnitz. Das wird geboten.
Nach dem Jahr als Kulturhauptstadt Europas wird Chemnitz nun zum Mekka der Bühnenkunst: Mehr als 30 Produktionen aus aller Welt sind vom 18. Juni bis 5. Juli in der Stadt erleben. "Theater der Welt" gilt als eines der wichtigsten internationalen Theaterfestivals in Deutschland. Hauptträger ist das deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts. Das Festival soll künstlerische Perspektiven aus aller Welt zeigen und findet alle drei Jahre statt. Zuletzt waren Frankfurt am Main und Offenbach Gastgeber. Das wird Besuchern in Chemnitz geboten.
Eröffnung: theatralische Reise zu den Inuit in der Arktis
Eröffnet wird das Festival im Opernhaus mit einer Deutschlandpremiere: "Split Tooth: Saputjiji" von der kanadischen Sängerin und Autorin Tanya Tagaq. Es führt die Zuschauer in die Arktis und erzählt von einer Heranwachsenden, die geprägt wird von der übermächtigen Natur und der sich auflösenden indigenen Gemeinschaft, wie es im Programmheft heißt. Tagaq präsentiert in dem Musiktheaterstück auch Kehlkopfgesang der Inuit.
Indigene Stimmen und Perspektiven
Von Pop-Oper und Schauspiel über Installationen und Performances bis zu Figurentheater - das Festival bietet eine Vielfalt verschiedener Formate. Das Programm wurde von neun internationalen Kuratorinnen und Kuratoren entwickelt. Die Stücke behandeln dabei globale Themen wie Herkunft, Identität und Machtverhältnisse. Ein besonderer Fokus liegt auf indigenen Stimmen und Perspektiven. So werden Vertreter der Nukak - einem Volk aus dem Amazonasgebiet - an einer immersiven Theaterproduktion mitwirken ("Vortex Nukak"), und in der Produktion "Kuste" geht es um die Ainu im Norden Japans - und wie moderne Infrastrukturprojekte ihre Lebensweise beeinflussen.
Franz Kafka, Alfred Döblin und Sofia Andruchowytsch
Unter dem Titel "Kafka's Ape" präsentieren der südafrikanische Regisseur Phala Ookeditse Phala und der Schauspieler Tony Bonani Miyambo eine Bearbeitung von Franz Kafkas "Bericht für eine Akademie", derweil in einer deutsch-chinesischen Koproduktion Alfred Döblins Roman "Berge, Meere und Giganten" unter dem Titel "Luftmasse" auf die Bühne gebracht wird. Das visuelle Konzept dafür stammt vom Künstler Ai Weiwei. Die tschechische Produktion "Amadoka" greift die Romantrilogie von Sofia Andruchowytsch auf und erzählt ein Jahrhundert ukrainischer Geschichte anhand dreier Frauen.
Angebote für Kinder und Familien
Eine fantasievolle Welt aus Pappe und Karton entsteht zum Festival in der Hartmannfabrik, dem Besucherzentrum von Chemnitz als Kulturhauptstadt Europas 2025. Dort sind in den ersten Festivaltagen Jung und Alt eingeladen, selbst kreativ zu werden, zu kleben und zu falten. "Paper Planet" ist eine partizipative Performance des Polyglot Theatre aus Australien, die sich vor allem an Familien und Schulklassen richtet. Auch das Figurentheaterstück "Stream of Memory" aus Indonesien ist den Angaben nach für Familien geeignet und kommt ganz ohne gesprochene Worte aus. Im Zentrum stehe der Riese Kali, der Hüter der Erinnerung und Zeuge eine Welt im Wandel sei.
Angebote mit freiem Eintritt
Auch Menschen mit knappem Budget werden bei dem Festival fündig. Kein Eintritt ist bei dem französischen Figurentheater "La Boule Bleue" fällig. Dabei soll sich eine riesige blaue Kugel auf dem Theaterplatz bewegen und eigenwillige Wesen gebären.
Frei ist der Eintritt auch bei der Tanzperformance "Shintai to Shintai" der japanischen Choreographin Yoko Ando in der Hartmannfabrik sowie bei der Videoinstallation "In a Strange Place" im Spinnbau. Dabei seien Menschen im Wald beim Ausführen sich wiederholender Handgriffe zu sehen, heißt es. Die Installation werde auf neun im Kreis aufgestellten Bildschirmen gezeigt.
Schauspielhaus wird zur Galerie für zeitgenössische Kunst
Parallel zum Theaterfestival öffnet das Chemnitzer Schauspielhaus wieder für Besucher. Der 1980 eröffnete Bau steht seit einigen Jahren leer und harrt einer Sanierung. Allerdings sind die Kosten dafür explodiert, sodass seine Zukunft gänzlich ungewiss ist. Unter dem Titel "In der Vorstellung" wird es nun vom Kunstfestival "Begehungen" wieder bespielt. Das verwandelt alljährlich verlassene Orte in temporäre Galerien - vom ehemaligen Gefängnis über eine Schwimmbad-Brache bis hin zu einem stillgelegten Braunkohlekraftwerk.
Gezeigt werden Arbeiten von zeitgenössischen Kunstschaffenden wie Hito Steyerl, Jana Gunstheimer, Veneta Androva, Cindy Sherman, Danica Dakić und Martina Pinosa. "Wir leben in einer Zeit, in der Bilder nicht nur Wirklichkeit zeigen, sondern Wirklichkeit erzeugen", erklärt Kuratorin Claudia Tittel zur diesjährigen Auflage der "Begehungen". "Die zur Ausstellung ausgewählten Kunstwerke zeigen, wie fragil, manipulierbar und konstruiert unsere Realität ist." (dpa)





