Weniger Mathe, Sport und Englisch für sächsische Schüler

Die Landesregierung kürzt die Stundentafeln. Minister Piwarz erwartet Kritik - lehnt Änderungen am Konzept aber ab.

Dresden.

Sächsische Schüler sollen künftig weniger Zeit im Unterricht verbringen müssen. Das kündigte Kultusminister Christian Piwarz (CDU) gestern in Dresden an. Eine Reform der Stundentafel wird zum Schuljahr 2019/20 in Kraft treten. Das Kabinett hat ihr bereits zugestimmt.

An Oberschulen sind unter anderem in der fünften Klasse nur noch vier statt fünf Stunden Mathematik in der Woche vorgesehen. Der Englisch-Unterricht wird in der Stufe sechs von fünf auf vier Stunden gekürzt, Biologie in der siebten Klasse nur eine statt bisher zwei Stunden gelehrt. Sport findet von der siebten bis zur zehnten Klasse dann zweimal statt dreimal statt. Insgesamt wird das Pensum an den Oberschulen von Klasse fünf bis zehn um sieben Wochenstunden reduziert.

Auch am Gymnasium gibt es Veränderungen: Betroffen sind unter anderem die Fächer Mathematik (vier statt fünf Stunden in der fünften Klasse), die zweite Fremdsprache (drei statt vier Stunden in der Stufe sechs und acht) und Sport (zwei statt drei Stunden in Stufe 7). Von der fünften bis zur zehnten Klassen sollen insgesamt sechs Stunden eingespart werden.

An den Grundschulen gibt es für die dritten und vierten Klassen Veränderungen. Drittklässler erhalten nur eine statt zwei Stunde Musik. Viertklässler haben eine Stunde Deutsch und eine Sport weniger.

Kultusminister Piwarz nannte die Veränderungen "moderat". Er sei sich bewusst, dass Diskussionen über einzelne Fächer bevorstünden. Änderungen am Konzept werde es allerdings nicht geben. "Das ist so gesetzt. Wir werden als Kultusministerium das entsprechend so umsetzen", sagte Piwarz.

Generell ist es den Schulen aber erlaubt, ein Stück weit von den Vorgaben abzuweichen. Demnach können Schulen pro Klassenstufe zwei Fächern je eine Wochenstunde mehr zugestehen, wenn sie diese bei zwei anderen Fächern einsparen. Davon ausgenommen sind Religion und Ethik, sowie die Abschlussklassen des Haupt- und Realschulbildungsganges an den Oberschulen.

Die Landesregierung geht davon aus, dass die Kürzungen bei der Stundentafel auch positive Auswirkungen auf den Lehrermangel haben. Durch die Reduzierungen könne man 770 Vollzeitstellen einsparen, sagte Piwarz.

Mit der neuen Stundentafel erhalten die Schulen mehr Mittel für Ganztagsangebote. Sie steigen 2019 von 26 auf 37 Millionen Euro und 2020 auf 45 Millionen Euro.

Ein erstes Papier zur Reform der Stundentafel aus der Feder von Kultusminister Piwarz und Finanzminister Matthias Haß (CDU) hatte Anfang März heftigen Protest ausgelöst. Damals waren vor allem Kürzungen bei den Fächern Sport, Musik und Kunst angedacht. Die schwarz-rote Koalition hatte diese Pläne nicht weiterverfolgt.

Aus der Opposition gibt es Kritik. Petra Zais (Grüne) sieht den Schulsport immer noch "über Gebühr" betroffen. Cornelia Falken (Linke) forderte den Minister auf, zunächst die Unterrichtsinhalte zu klären, bevor er die Stundentafel ändere. Der Sportlerverband Sachsen befürchtete mit Blick auf die Kürzung beim Sportunterricht "nicht absehbare Langzeitfolgen".

 

Eine Übersicht über die geplanten Änderungen der Stundentafel finden Sie unter: www.freiepresse.de/stundentafel

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
 Artikel versenden
Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
11Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 4
    1
    1005
    30.06.2018

    Gut so,daß dadurch Lehrer frei gesetzt werden.Migranten sollen ja auch unterrichtet werden.Vielleicht sogar in ihrer Landessprache.Die Frau Ministerin Giffey hat dazu bestimmt auch passende Vorschläge(Burkinas für Muslimas im Schwimmunterricht).

  • 6
    0
    Hirtensang
    28.06.2018

    Ein "Mangel" lässt sich immer gut verteilen. Bucht in einem Unternehmen einmal der Buchhalter "Haben" an "Soll", so wird geprüft, ob die Besetzung der Stelle richtig war. Er wird geschasst! Bevölkerungsentwicklung steht in engem Zusammenhang mit den jeweiligen Lebensumständen. Deshalb die Frage, wann werden Rehm, Rößler und Flath, die nicht in Generationen denken konnten und höchstwahrscheinlich auch nicht an den wirtschaftlichen Aufschwung glaubten, in die Pflicht genommen.

  • 1
    5
    VaterinSorge
    28.06.2018

    Da können wir diskutieren, wie wir wollen. Neue zur Zeit passende Inhalte müssen in die Lehrpläne, Zwei Wochenstunden weniger ist auch ok. wenn hochwertige und praxisgerechte Freizeit,- GTA,- Sport - oder AG Angebote sowohl Interesse finden, als auch Kinder begeistern, und mit den Lehrerstellen muss man auch äußerst sparsam umgehen, denn es sind einfach zu wenig da. Ob da nun ein Jurist oder ein Philologe an der Spitze sitzt, es muss von allen gleichermaßen gelöst werden und das sind auch nicht die einzigen Probleme und Sorgen, die Sachsen hat und haben wird. Jetzt sollten alle an einem Strang ziehen, Kräfte bündeln und gleichermaßen an alle Generationen denken. Dabei nicht vergessen: Sachsen ist immer noch Nehmerland und kann noch lange nicht von seinen eigenen Einnahmen leben.

  • 9
    1
    FKW
    27.06.2018

    Fakt ist, dass mit der Einsparung von 770 Vollzeitstellen die Bildung unserer Kinder jährlich um ca. 38 Millionen gekürzt wird. Eine Vollzeitstelle kostet ca. 50.000 Euro inkl. Arbeitgeberanteil , wenn nicht sogar mehr, macht nach Adam Ries (mal 770) diese gigantische Summe von über 30 Millionen Euro!!! Aber geschrieben wird, dass die Ganztagsangebote dafür mehr Mittel erhalten. Das ist schlicht gelogen, oder die Rechner hatten auch schon zu wenig Mathematik-Unterricht.

  • 12
    0
    cn3boj00
    27.06.2018

    Ich hätte da mal was: so wie Sachsen auf Telemedizin setzt, um der "demographischen Entwicklung" zu genügen (im Klartext: Rentner bekommen dann einen Videotermin am PC), so könnte man doch auch die Teleschule einführen. Eine Handvoll Lehrer sitzt irgendwo vor der webcam, und der Unterricht wird von den Kids zu hause per Computer verfolgt. Hey, was könnten damit für Probleme auf einen Schlag gelöst werden! Die Stunden einfach wegzukürzen, bevor es endlich mal vernünftige Lehrpläne gibt, wird die Kids in noch größere probleme stürzen. Ist es doch jetzt schon so, dass die Lehrpläne so voll gestopft sind, dass in den meisten Fächern nur die Hälfte des Stoffes geschfft wird. Doch bei den Prüfungen fragt niemand mehr danach. Dabei ist die Hälfte des Stoffs ja wirklich überflüssig, aber wenn Stochastik eben das Hobby des Mathelehrers ist müssen die Kids ein halbes Jahr lang damit zugemüllt werden, während wichtige Grundlagen fehlen. Wir passen einfach mal die Stunden an die vorhandene Infrastruktur an, statt sich zuerst um Inhalte zu kümmern und dann die Infrastruktur zu schaffen. Aber was soll man erwarten, wenn ein Jurist Mangelverwalter wird. Und klar, Ethik ist wichtiger wie Sport und Mathe und Deutsch? In der DDR hätte man den Stabü-Unterricht auch zuallerletzt gekürzt. Was hat es dem Staat genützt?

  • 10
    1
    vomdorf
    27.06.2018

    Solcher Mist kommt raus, wenn ein Jurist Kultusminister ist und nicht jemand, der Ahnung hat und was davon versteht. Unsere Jugend hat so schon genug Probleme mit Deutsch...egal, streichen wir bissel in der Grundschule weg ( Wieviele Stunden waren es in der DDR? 11....in Worten:ELF ).... Und wenn dann ein ahnungsloser Kultusminister sagt, dass die Jugendlichen nun mehr Zeit für ? Selbstlernen? haben, was doch wunderbar sei, der weiß wirklich nicht, was los ist. Ich weiß auch, dass es noch andere Pläne gibt, Lehrerstunden freizuziehen....z.B die Busbetreuung für den Schwimmunterricht Schulfemden zu übertragen. Wem möchte man denn diese Verantwortung aufhalsen, mit unseren gut erzogenen Schülern im Bus zu fahren? Das tut sich doch keiner freiwillig an. Und mit den Ganztagsangeboten funktioniert es oft auch nicht so, wie gedacht, weil es ganz einfach zu wenige Leute gibt, die das machen können und wollen. Außerdem sollen da ja weniger sog. Arbeitsgemeinschaften finanziert, sondern eine Art Nachhilfe ins Leben gerufen werden. Auch wenn demnächst jedes Kind ein Recht auf Ganztagsbetreuung hat wird das nicht funktionieren....weil es keine Leute dafür gibt. Hauptsache Ethik und Religion bleiben....

  • 12
    0
    bikermario65
    27.06.2018

    Man weiß bald nicht mehr was man von solchen Vorhaben sagen soll, damit derLehrermangel beseitigt werden kann verringert man die Schulstunden, erlasst doch einfach ein Gesetz das es nur noch 8Jahre Schulpflicht gibt da brauchen wir noch weniger Lehrer, Sachsens Entwicklung geht rückwärts nur die Gehälter die soetwas beschließen gehen in die Höhe da wir als Steuerzahler diese Leute bezahlen müssen, ob wir wollen oder nicht,

  • 18
    0
    Steuerzahler
    27.06.2018

    "Er sei sich bewusst, dass Diskussionen über einzelne Fächer bevorstünden. Änderungen am Konzept werde es allerdings nicht geben. "Das ist so gesetzt. Wir werden als Kultusministerium das entsprechend so umsetzen", sagte Piwarz." So viel zum Demokratieverständnis und zum Mitspracherecht der Eltern. Wenn vor nicht all zu langer Zeit zu lesen war, dass ein erheblicher Teil der Schüler nach der 4. Klasse nicht richtig lesen und schreiben kann, dann macht es Sinn, eine Stunde Deutsch zu streichen. Erst recht, wenn der Anteil derer in der Klasse steigt, die nicht einmal richtig deutsch sprechen! Sachsen auf dem Weg in die Frühzeit, und das nur, weil die Verantwortlichen den Finanzminister als Gott angesehen haben und so die Lehrermisere heraufbeschworen. Pisa war wahrscheinlich für Sachsen zu gut ausgefallen. Was ist das Nächste? Die Prüfungsanforderungen weiter senken, damit die sächsischen Schüler bei den Studienanforderungen nicht weiter hintenan stehen, wenn es um Numerus Clausus geht? Und dann wundern sich noch Leute, dass Handwerk und Industrie wenig mit den Schulabgängern anfangen können.

  • 7
    6
    VaterinSorge
    27.06.2018

    ich muss noch einmal nachhaken Deluxe: 30 Stunden Fachunterricht mit Methoden, Anschauungsmaterial und Lehrthemen die vor unserer Zeit liegen, haben auch reichlich zur Massenverblödung der Schulabsolventen geführt, die aber garnichts dafür konnten. Lernstress und bulimielernen sind oft die Ursachen, dass Kinder und Jugendliche mit der realen Welt nicht mehr klar kommen und in sich in ihre eigene zurück ziehen. (Digitalisierung macht`s auch gut möglich). Unterstützen wir gemeinsam die Schulen und ihre / unsere Kinder, dann haben wir doch alle Möglichkeiten, gegen Dummheit oder Fettleibigkeit vorzugehen. Doch wir müssen uns selbst bewegen und dürfen nicht alle Verantwortung den Lehrer/innen zumuten. Ganztagesangebote und deren Vielfalt, das sind ausgesprochen gute Chancen, die wir gemeinsam nutzen sollten.

  • 6
    4
    VaterinSorge
    27.06.2018

    Erst einmal sehe ich kein großes Problem darin, wenn Gesetzes- und Gemeinschaftskunde, politische Bildung und Eigenverantwortung von Schulen gestärkt wird. Auch dass dadurch woanders Stunden gekürzt werden müssen ist nachvollziehbar. Jetzt kommt es aber darauf an, dass sich Lehrer/innen, Schüler, Eltern und Kooperationspartner in und für ihre Schule und deren Schüler/innen interessieren und unterstützen. Lehrpläne müssten entsprechend angepasst und vor allem entrümpelt werden und eine Kommission aus Lehrstuhl Uni, HWK, IHK, VSW und Landeselternrat sollte dies federführend vornehmen. (Geeignet wäre auch der Landesbildungsrat). Zudem müsste jedem Schüler der Zugang zu den GTA Angeboten sichergestellt sein, egal wo er wohnt, denn derzeit sind Busfahrkinder von den Ganztagesangeboten ausgeschlossen, was eine eklatante Benachteiligung von ländlichen Regionen bedeutet. Also ja Herr Minister Piwarz, aber dann richtig!

  • 24
    0
    Deluxe
    27.06.2018

    Im Klartext: In einem Land, das als einzigen Rohstoff neben Braunkohle die Bildung seiner Menschen hat, wird vorsätzlich dafür gesorgt, daß dieses einzige verfügbare Kapital schrumpft. Oder volkstümlicher ausgedrückt: Die Kinder in Sachsen werden zukünftig dümmer und dicker die Schulen verlassen. Weniger Fachunterricht, weniger Sportunterricht. So kann man den Lehrermangel natürlich auch geradebiegen, ohne das Problem wirklich zu lösen. Auf Kosten der Kinder, auf Kosten der Zukunft. Es gibt in diesem unserem Lande keinen für Normalbürger relevanten gesellschaftlichen Bereich mehr, der nicht sukkzessive den Bach 'runtergeht. Die Stimmung erinnert mehr und mehr an die DDR der späten achtziger Jahre. Was danach kam, läßt allerdings für heute hoffen...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...