Sachsen
Wetterdienst: Glatteisgefahr in Sachsen gebannt - vorerst

Nach Massencrashs in der vergangenen Nacht auf der Autobahn A 9 bei Bayreuth, Ingolstadt und Kronach hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für den Dienstagmorgen auch in Sachsen vor spiegelglatten Straßen gewarnt. Gegen 8 Uhr hob er diese Warnung auf - vorerst. Diese Sehenswürdigkeiten bleiben aber gesperrt.

Chemnitz.

Besonders in den frühen Morgenstunden war nach DWD-Angaben in Sachsen mit Regen zu rechnen. Vor allem im Erzgebirge und in Ostsachsen hatten Autofahrer und Fußgänger sich vor spiegelglatten Straßen und Bürgersteigen hüten sollen. Im Tagesverlauf sollte sich die Lage entspannen. Am Abend dann zieht den Prognosen zufolge aber erneut Regen auf. Die Höchsttemperaturen liegen laut DWD bei 2 bis 6 Grad. Auf dem Fichtelberg sind Sturmböen mit Geschwindigkeiten zwischen 65 und 80 Kilometern pro Stunde möglich.

In den frühen Morgenstunden hatte es auf der Autobahn A17 in Richtung Prag bereits geknallt. Gegen 2.20 Uhr verunglückte dort zwischen Bad Gottleuba und Bahretal ein Kleintransporter. Ersten Angaben zufolge wurden dabei sieben Menschen verletzt, mehrere von ihnen schwer. Nach ersten Erkenntnissen war die Autobahn zum Unfallzeitpunkt streckenweise spiegelglatt. Die Autobahn musste in Fahrtrichtung Prag zunächst vollständig gesperrt werden. Die extremen Witterungsbedingungen erschwerten die Arbeit erheblich: Sowohl Polizei als auch Einsatzkräfte rutschten an der Unfallstelle immer wieder aus. Besonders der Seitenstreifen erwies sich tückisch vereist.

68 Unfälle im Raum Dresden binnen weniger Stunden

„Keine besonderen Glatteis-Vorkommnisse“ meldete die Polizei hingegen auf Anfrage der „Freien Presse“ bis dato am frühen Dienstagmorgen für Chemnitz, Mittelsachsen und das Erzgebirge, während die Beamten zwischen Mitternacht und 10 Uhr im Bezirk der Polizeidirektion Dresden 68 Unfälle registrierten. Die Polizei appellierte daher an die Kraftfahrer, bei dem derzeitigen Wetter vorsichtig sowie vorausschauend zu fahren. Sie wies zudem auf die Winterreifen-Pflicht hin und riet: Passen Sie Ihre Fahrweise den Fahrbahnverhältnissen an!

Eisglätte auf der A17: Bei Bahretal wurden bei einem Unfall sieben Menschen in den Morgenstunden verletzt, davon mehrere schwer.
Eisglätte auf der A17: Bei Bahretal wurden bei einem Unfall sieben Menschen in den Morgenstunden verletzt, davon mehrere schwer. Bild: Marko Förster

Brühlsche Terrasse in Dresden und Schloss Weesenstein geschlossen

Mehrere Sehenswürdigkeiten in der historischen Dresdner Altstadt wurden nach Informationen der „Freien Presse“ wegen des Blitzeises am Dienstag zunächst oder ganz geschlossen. So konnte die Ausstellung „Zwinger Xerience“ erst um 11 Uhr öffnen, nachdem der Winterdienst die Zugänge vom Eis befreit hatte. Die Ausstellung „Festung Xperience“ unter der Brühlschen Terrasse sollte laut Schlösserland Sachsen am Dienstag hingegen wegen Glätte geschlossen bleiben. „Das gilt auch für das Schloss Weesenstein“, sagte Schlösserland-Sprecherin Anita Radicke auf Anfrage der „Freien Presse“. Der Deutsche Wetterdienst hatte eine Warnung für Dresden herausgegeben, auch über die NINA-Warnapp war gewarnt worden.

War zunächst gesperrt, bis die Zugänge geräumt waren: der Zwinger in Dresden.
War zunächst gesperrt, bis die Zugänge geräumt waren: der Zwinger in Dresden. Bild: xcitepress/Lucas Friedenhain

Massenkarambolage mit 39 Fahrzeugen bei Bayreuth

In Bayern hatte plötzlich einsetzender Eisregen schon zuvor zu einer Unfallserie geführt. Die Autobahn A 9 verwandelte sich bei Bayreuth in eine gefährliche Rutschbahn. Offenbar hatten viele Autofahrer nicht mit einer derart glatten Fahrbahn gerechnet. Laut Verkehrspolizei Bayreuth krachte es dort insgesamt neunmal. Besonders heftig: In die Unfälle waren insgesamt 39 Fahrzeuge verwickelt. Es wurden zehn Personen verletzt, einige davon schwer.

Autobahn A9 zeitweise gesperrt

Außerdem musste die A 9 am Montagabend in Richtung Berlin für mehrere Stunden komplett gesperrt werden. Der Verkehr wurde zeitweise an der Anschlussstelle Bayreuth-Süd ausgeleitet. Erst als die Streufahrzeuge der Autobahnmeisterei die Eisschicht unter Kontrolle brachten, entspannte sich die Lage langsam. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden auf mindestens eine Million Euro.

Räumarbeiten bei Ingolstadt auf A 9

Auch bei Ingolstadt krachte es auf der A9. Aus bislang noch ungeklärten Gründen kam ein Sattelzug in Fahrtrichtung Nürnberg zwischen den Anschlussstellen Ingolstadt-Nord und Ingolstadt-Süd von der Fahrbahn ab. Die Zugmaschine durchbrach die Mittelleitplanke, der Auflieger kippte um und kam auf der linken und mittleren Spur zum Liegen. Die Strecke ist in Richtung Nürnberg gesperrt, wie die Polizei mitteilte. In Richtung München ist aktuell die linke Fahrbahn gesperrt. Die Aufräumarbeiten werden voraussichtlich noch bis in die frühen Morgenstunden andauern.

Polizei: Selbst Streufahrzeuge kamen kaum von der Stelle

Zu einer Massenkarambolage kam es am Montagabend zudem zwischen den Abfahrten nach Lichtenfels-Ost sowie Lichtenfels-West aufgrund der spiegelglatten Fahrbahn auf der B173 mit mehr als ein Dutzend beteiligten Fahrzeugen, darunter auch ein Sattelzug und ein Streufahrzeug. „Lange Zeit war es sogar aufgrund der Glätte nicht möglich, erforderliches Streusalz in den Bereich der Unfallstelle zu bringen, da selbst die Räum- und Streufahrzeuge an ihre Grenzen oder kaum von der Stelle kamen“, berichtet die Polizei.

Erneute Eiswarnung für Sachsen für Mittwochmorgen

In der Nacht zum Mittwoch und in den Morgenstunden erwartet der Deutsche Wetterdienst für Sachsen nun erneut Regen. Vor allem am Morgen besteht dadurch wieder Glättegefahr. Die Temperaturen gehen laut DWD auf etwa ein Grad zurück, im Erzgebirge ist örtlich leichter Frost bis minus ein Grad möglich. Tagsüber steigen die Höchstwerte auf 4 bis 8 Grad, im Bergland auf 1 bis 3 Grad. Auf dem Fichtelberg kann es weiterhin zu Sturmböen kommen. (juerg/dpa)

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