Paket-Ärger nimmt zu

Beschwerden über Zustellungen, Abzock-Anrufe, langsames Internet: Die Bundesnetzagentur zieht Bilanz für 2016 und 2017.

Über acht Millionen Pakete werden in Deutschland jeden Tag verschickt - die meisten erreichen problemlos und fristgerecht ihr Ziel. Der boomende Online-Versandhandel und das damit verbundene höhere Sendungsaufkommen sorgen jedoch immer häufiger für Probleme. Das geht aus einem Tätigkeitsbericht für 2016 und 2017 hervor, den die Bundesnetzagentur am gestrigen Montag vorgestellt hat.

Beschwerden wegen Postzustellung: Zerquetschte Pakete, Blumensträuße, die bis zur Zustellung verdorrt sind, Benachrichtigungskärtchen, die in den Briefkasten geworfen werden, obwohl jemand da ist: Die Beschwerdeliste von verärgerten Postkunden ist lang. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat zwei Jahre lang auf der Internetseite paket-aerger.de einschlägige Fälle gesammelt - und in dieser Zeit fast 21.000 Mails bekommen. Bei der Bundesnetzagentur rechnet man für 2017 mit voraussichtlich 5000 Beschwerden zur Postzustellung. 2016 waren es 4015, ein Viertel weniger. "Wir betrachten den Anstieg mit Sorge", sagte Behörden-Chef Jochen Homann. Die rechtlichen Möglichkeiten, bei Qualitätsmängeln für zügige Abhilfe zu sorgen, seien allerdings begrenzt, bedauert er. Sanktionsmöglichkeiten wie Bußgelder sehe das Gesetz nicht vor. Vorerst kann die Behörde nur Stellungnahmen anfordern und die Beseitigung der Mängel anmahnen. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Schlichtung anzubieten, um Gerichtsstreit zu vermeiden. Viele Unternehmen schließen dies jedoch in ihren Geschäftsbedingungen aus.

Beschwerden wegen Werbeanrufen: Fortschritte sind bei unerlaubten Werbeanrufen zu verzeichnen. Um die Unsitte der "Cold Calls" einzudämmen, hat die Aufsichtsbehörde allein im vergangenen Jahr Bußgelder in Höhe von 895.000 Euro festgesetzt, sagt deren Sprecher Michael Reifenberg. Tendenz für 2017: weiter steigend. So verdonnerten die Wettbewerbshüter ein Unternehmen zur Zahlung von 200.000 Euro, weil es auf unlautere Weise versucht hatte, Senioren zum Abschluss eines Vertrags für einen Hausnotruf zu überreden. Rechtskräftig sind diese und diverse andere Geldbußen allerdings noch nicht.

Beschwerden wegen "Ping-Calls": Mobilfunkkunden sollen künftig besser vor Lockanrufen geschützt werden, mit denen ein teurer Rückruf ins Ausland oder auf ein Satellitentelefon provoziert wird. Bei dieses "Ping-Calls" lassen es die Täter nur kurz bei ihren potenziellen Opfern klingeln und legen dann auf. Ruft der Betroffene zurück, weil er beispielsweise die Vorwahl von Serbien (00381) mit der von Rostock (0381) verwechselt, wird das Telefonat teuer. In ungünstigen Fällen kann es mehrere Euro pro Minute kosten. Allein für November sind rund 20.000 Beschwerden wegen "Ping-Anrufen" aktenkundig. Die Bundesnetzagentur hat deshalb angeordnet, dass in Mobilfunknetzen ein kostenloser Preishinweis für bestimmte internationale Vorwahlen geschaltet werden muss. Künftig sei es also möglich, das Gespräch abzubrechen, ohne dass Kosten entstehen, erklärt Jochen Homann. Netzbetreiber und Mobilfunkanbieter müssen die Vorgabe bis spätestens 15. Januar 2018 umsetzen. Betroffen sind Vorwahlen von vier Balkan-Staaten und 15 afrikanischen Ländern, dazu die des Jemen, der Seychellen und der Malediven. Zudem ist die Ansage bei Nummern mit der Satellitenvorwahl 00881 obligatorisch. Die Maßnahmen seien aber nur "ein erster Schritt", um der Abzocke Herr zu werden, sagt Alexander Kuch vom Fachportal Teltarif. Schließlich gelte die Pflichtansage nicht weltweit und auch nur bei Gesprächen vom Handy aus.

Beschwerden wegen Internet-Ärger: Seit Jahren wächst die Zahl der Anfragen und Beschwerden im Bereich Telekommunikation. Klärte der zuständige Verbraucherservice der Bundesnetzagentur 2012 rund 37.000 Anliegen, waren es vergangenes Jahr rund 83.000. Am häufigsten geht es um Probleme beim Anbieterwechsel, etwa die Portierung von Nummern. Informationsbedarf besteht aber auch bei Vertragsangelegenheiten, schlechter Netzabdeckung oder der Entstörung von Anschlüssen.

Was die Breitbandversorgung angeht, konstatiert die Aufsichtsbehörde nach wie vor eine digitale Kluft zwischen Stadt und Land. Demnach können neun von zehn Haushalten in deutschen Städten auf Anschlüsse zurückgreifen, die Datenraten von 50 Megabit pro Sekunde oder mehr ermöglichen. Auf dem Land liegt die Quote nur bei einem reichlichen Drittel.Gleichzeitig entwickelt sich die Nachfrage nach superschnellen Glasfaseranschlüssen eher langsam. Laut Statistik stand Mitte 2017 mehr als 2,7 Millionen Haushalten ein Netzzugang mit 100 Mbit/s oder mehr zur Verfügung. Nicht mal jeder vierte Haushalt nutzte diese Bandbreite tatsächlich auch. (mit dpa)

Tätigkeitsbericht Post der BNetzA: www.freiepresse.de/tb1

Tätigkeitsbericht Telekommunikation: www.freiepresse.de/tb2

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