Digitalisierung betrifft Zwickau und das Erzgebirge am stärksten

Der fortschreitende technologische Wandel verändert die Arbeitswelt. Die Auswirkungen sind in den Regionen Sachsens aber sehr unterschiedlich.

Chemnitz.

Die zunehmende Digitalisierung führt dazu, dass immer mehr berufliche Tätigkeiten von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden können. Dieses sogenannte Substituierbarkeitspotenzial ist im Kreis Zwickau und im Erzgebirgskreis besonders hoch. Das hat eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit ergeben.

Nach der Studie, die den Stand im Jahr 2016 untersucht hat, variieren die Anteile an betroffenen Beschäftigten in den 13 sächsischen Kreisen und Städten zwischen 17,7 Prozent und 32,9 Prozent. Die höchsten Anteile an Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial weisen die Kreise Zwickau (32,9 Prozent) und der Erzgebirgskreis (32,2 Prozent) auf. Der sächsische Durchschnitt liegt bei 25,1 Prozent. "Der Grund für dieses Ergebnis liegt vor allem an der hohen Bedeutung des verarbeitenden Gewerbes in diesen Regionen", sagte IAB-Forscherin Franziska Schork. Im verarbeitenden Gewerbe waren 2016 in Sachsen fast 60 Prozent der Beschäftigten in Berufen tätig, die zu mehr als 70 Prozent durch neue Technologien ersetzbar gewesen wären.

Deutlich weniger betroffen von den Folgen der Digitalisierung sind der Kreis Leipzig (20,9 Prozent) sowie die Städte Chemnitz (23 Prozent), Leipzig (21,9 Prozent) und die Landeshauptstadt Dresden mit nur 17,7 Prozent. Nach Auskunft des IAB profitieren die Städte von der größeren Bandbreite der Wirtschaftsstruktur. Zudem seien in den Ballungszentren anteilig mehr Beschäftigte in Bereichen mit niedrigem und mittlerem Ersetzbarkeitspotenzial tätig wie beispielsweise an Universitäten, Schulen und Krankenhäusern.

In Sachsen waren im Jahr 2016 insgesamt 1,56 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Über 390.000 von ihnen arbeiten in Berufen, die - theoretisch - zu mehr als 70 Prozent durch neue Technologien ausgeführt werden können. Trotzdem ist seit 2016 die Zahl der Beschäftigten im Freistaat weiter sehr kräftig gestiegen, und zwar auch in Branchen mit sehr hohem Ersetzbarkeitspotenzial. Innerhalb von zwei Jahren stieg die Anzahl der versicherungspflichtig beschäftigten Frauen und Männer um knapp 55.000. Das entspricht immerhin einem Wachstum von rund 3,5 Prozent.

Die IAB-Forscher rechnen deshalb nicht damit, dass es durch die Digitalisierung einen flächendeckenden Arbeitsplatzabbau geben wird. Trotzdem mahnen sie zur Wachsamkeit. "Die Digitalisierung ist ein Prozess. Die Unternehmen sollten sensibel dafür sein, dass neue Anforderungen auf sie zukommen", sagte Schork.

Mit dieser Einschätzung steht die IAB-Forscherin nicht alleine. "Wir sehen beim Thema Digitalisierung in Südwestsachsen noch großen Handlungs- und Investitionsbedarf", sagte René Babinsky, Leiter des Firmenkundengeschäfts Sachsen der Hypo-Vereinsbank. Nach Berechnungen der Bank hat nur jeder fünfte Mittelständler in der Region 2016 in die Digitalisierung investiert. Insgesamt wurden in dem Jahr in Südwestsachsen rund 238 Millionen Euro in die Digitalisierung gesteckt. Für Bauten und Anlagen wurden dagegen 2,8 Milliarden Euro ausgegeben.

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