Hilfe bei schmerzhaften Abszessen am Po

Analfisteln werden oft mit Hämorrhoiden verwechselt. Für ihre Behandlung erproben Proktologen in Sachsen neue Methoden.

Am Darmausgang gibt es viele äußerst unangenehme Leiden - zum Beispiel die sogenannten Analabszesse und Analfisteln. Sie entstehen aus einem verstopften Drüsengang. Etwa 20 von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr neu daran. Zum Vergleich: Probleme mit Hämorrhoiden hat fast jeder zweite Deutsche.

Eine Analfistel kann lange unerkannt bleiben, weil sie mit einer Hämorrhoide verwechselt wird. Denn auch eine Fistel nässt und kann bluten. Ein Abszess ist aber im Gegensatz zur Hämorrhoide verhärtet und sehr druckempfindlich. Unbehandelt können daraus immer wieder neue Abszesse entstehen, die auch mit Fieber und einer Schädigung des Schließmuskels einhergehen.

"Solche Analfisteln können lang und stark verästelt sein. Sie müssen chirurgisch behandelt werden", sagt Dr. Jakub Lutonsky, Proktologe und Viszeralchirurg am Bergarbeiterkrankenhaus Schneeberg (Erzgebirgskreis). Diese Behandlung könne ein Jahr dauern.

"Am wirkungsvollsten ist das Aufschneiden des gesamten Ganges", sagt er. Doch nahezu alle Fisteln seien direkt mit dem Schließmuskel verbunden. Deswegen müsse jeder Eingriff präzise durchgeführt werden. "Denn wir wollen nicht nur die Fistel dauerhaft beseitigen, sondern auch die Kontinenz erhalten." Minimalinvasive Verfahren hätten das geringste Inkontinenzrisiko, weil sie den Muskel nicht zertrennen. Sie seien aber oft nicht so effektiv.

"Deshalb wenden Proktologen ein neues Verfahren an." Lutonsky erklärt: In den Drüsengang wird zunächst minimalinvasiv ein Silikonband gefädelt. Damit bleibt der Gang offen und das Sekret kann ablaufen. Aufgefangen wird die Flüssigkeit mit speziellen Vorlagen. So klingt die Entzündung ab. Das dauert etwa drei Monate, dann wird die Dränage gewechselt und verbleibt weitere drei Monate im Fistelgang. Während der abschließenden Operation wird ein körpereigener, heilungsfördernder Kleber hergestellt, mit dem die Fistel dann verfüllt wird. Er besteht aus einem Thrombozytenkonzentrat, das aus Eigenblut des Patienten gewonnen wird. Thrombozyten sind Blutplättchen, die die Blutgerinnung anstoßen, zum Beispiel bei Wunden einen Grind bilden. Aus 125 Millilitern Blut entstehen fünf Milliliter Konzentrat. Dieses Konzentrat enthält Wachstumsfaktoren und Fi- brin - den körpereigenen Klebstoff. Dieser wirkt Lutonsky zufolge außerdem antibiotisch und regt das Zellwachstum an. So verschließt sich der Fistelgang mit der Zeit von selbst. Auch wenn die Eigenblutbehandlung etwas fremd oder nach Heilpraktiker klingt, sei sie wissenschaftlich geprüft und komplett Kassenleistung.

Die Methode ist noch nicht etabliert und anerkannt, befindet sich noch in der Erprobung, wie der Berufsverband der Koloproktologen und die Deutsche Gesellschaft für Koloproktologie informieren. Auch andere Kliniken in Sachsen sammeln bereits Erfahrungen damit.

Der körpereigene Fibrinkleber hat dem Arzt zufolge noch viel mehr Potenzial. Damit ließen sich in der Zukunft schlecht heilende Wunden oder Verbrennungen behandeln.

Proktologen am Mittwoch am Lesertelefon

Ob Hämorrhoiden, Fistel, Abszess oder Po-Probleme - beim Telefonforum am Mittwoch, dem 19. September, können Sie alle Fragen stellen. Von 13 bis 15 Uhr beantworten sie drei Proktologen aus Sachsen. Folgende Telefone sind geschaltet:

0371 65688385: Dr. Solveig Unger, Viszeralchirurgin, DRK-Krankenhaus Chemnitz-Rabenstein;

0371 65688386: MU Dr. Jakub Lutonsky, Viszeralchirurg, Bergarbeiterkrankenhaus Schneeberg;

0371 65688387: Dr. Dominikus Ernst, Viszeralchirurg, Klinikum Chemnitz.

Fragen per E-Mail können bis Mittwoch, 12 Uhr gesendet werden: telefonforum@redaktion-nutzwerk.de

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