Das Lächeln ist zurückgekehrt

Eiskunstläuferin Lutricia Bock möchte sich bereits in dieser Saison den Traum von einem Olympiastart erfüllen. Dabei liegen harte Monate hinter der Chemnitzerin.

Chemnitz.

Während dieser Übungseinheit in der bitterkalten Wettkampfhalle am Chemnitzer Küchwald nutzt sie die Zeit intensiv aus, bleibt noch einige Minuten länger als vorgesehen auf dem Eis. Lutricia Bock paukt Sprünge und Pirouetten, die ihr Coach Ingo Steuer teilweise mit dem Tablet von der Bande aus filmt, sodass sofort die Auswertung erfolgt. "Ich bin wieder ganz gut im Training drin. Und das Wichtigste dabei ist, das Knie hält gut", berichtet die 18-Jährige später in der etwas wärmeren Kabine. Dass die beheizte Trainingshalle nebenan noch nicht zur Verfügung steht, stört die Kufenkönnerin aber nicht. Sie ist einfach froh, dass sie nach harten Monaten endlich wieder problemlos täglich ihrer Leidenschaft nachgehen kann.

Im Dezember 2016 war sie zwei Tage vor den Deutschen Meisterschaften, bei denen sie ihren Titel verteidigen und sich für die internationalen Höhepunkte anbieten wollte, auf einer Treppe unglücklich ausgerutscht. Sie zog sich dabei eine Verletzung im linken Knie (Riss des Innenmeniskus) zu, noch kurz vor Weihnachten wurde sie operiert. Nach intensiven Reha-Maßnahmen im ATR-Therapiezentrum durfte sie Mitte März erstmals wieder vorsichtig aufs Eis. Im April flog sie dann für zwei Wochen nach Detroit und baute beim renommierten Choreographen Pasquale Camerlengo eine neue Kür auf. Über die Deutsche Eislauf-Union kann sie wie andere deutsche Asse auch diese Zusammenarbeit nutzen. Bis dahin verlief der Heilungsprozess normal. Stück für Stück steigerte sie gleichzeitig ihr Pensum, reiste dann zu Beginn der Sommerferien nach Toronto, um im Camp von Starcoach Brian Orser zu trainieren. Doch nach drei der fünf geplanten Wochen musste sie diese Phase vorzeitig abbrechen. "Ich hatte wieder verstärkt Probleme mit dem Knie, meist schon nach einer halben Stunden Schmerzen, trainierte deshalb nur leicht", erzählt Lutricia Bock von einer schwierigen Situation. "Das war schon deprimierend, wenn man die anderen sieht und selbst aber kaum etwas machen kann", fügt sie hinzu.

Sie kehrte deshalb eher nach Chemnitz zurück und konsultierte umgehend die Mediziner. Daraufhin wurde bei ihr eine besondere Behandlung (Eigenbluttherapie) angewandt, sie musste zwei Wochen pausieren. Diese schlug gut an, denn das Knie kann sie inzwischen voll belasten. "Die Dreifachsprünge habe ich alle schon wieder gestanden, bin auch mein Programm voll durchgelaufen", freut sich Lutricia Bock über die spürbaren Fortschritte. Auch hat sie die Zeit, in der Sprünge tabu waren, genutzt, um weiter intensiv an ihrer Darstellungsart zu arbeiten.

Ihren ersten Wettkampf möchte sie Mitte Oktober in Nizza bestreiten, danach folgen drei Starts in der internationalen Challenge-Serie, die in ihrer Wertigkeit nur vom Grand-Prix übertroffen wird. Bei diesen Einsätzen hat die Deutsche Meisterin von 2015 wie ihre ärgsten Kontrahentinnen Nathalie Weinzierl (Mannheim) und Nicole Schott (Oberstdorf) die Chance, sich für Olympia zu qualifizieren. Diejenige Läuferin mit der am Ende höchsten Gesamtpunktzahl erhält das eine mögliche Ticket für Pyeongchang.

"Es wird für alle schwer, ein harter Kampf, aber ich gehe positiv heran", meint die Schülerin der 11. Klasse des Sportgymnasiums, die in dieser Konstellation als noch dazu jüngste Läuferin nichts zu verlieren hat, aber viel gewinnen kann.

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